Bienensterben: Ruf nach Pestizid-Verbot wird lauter

ARCHIV - Eine Biene läuft am 10.05.2012 in einem Bienenstock über die mit Honig gefüllten Waben in Mainz. Aufgrund des langen Winters wird es zu wenig Bienen für die Bestäubung geben und die Imker rechnen mit Einbußen. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa (zu dpa Gespräch «Imker-Chef: Weniger Bienen zur Blütenzeit unterwegs - Teurer Honig» vom 13.04.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Greenpeace-Aktion rückt Thema wieder ins Rampenlicht.

Die Security-Mitarbeiter im Landwirtschaftsministerium sahen sich Donnerstagfrüh mit unangemeldeten gelb-braun gestreiften Besuchern konfrontiert. Kurz vor 9 Uhr Früh waren Greenpeace-Aktivisten in Bienenkostüme geschlüpft. Unter regem medialen Andrang entrollten sie über dem Haupteingang am Stubenring ein riesiges gelbes Transparent: „Minister Berlakovich: Endlich handeln – Bienengifte stoppen“, war darauf zu lesen. Parallel dazu startet die Umweltschutzorganisation eine Online-Petition.

Jahrelanger Kampf

Grund für den morgendlichen Aktionismus ist ein massives Bienensterben infolge von Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide – kurz „Neonics“. Vor allem in Niederösterreich, der Steiermark und im Burgenland sind bereits Millionen Bienen verendet. Roland Netter, Imker aus Strengberg im Bezirk Amstetten, beklagt beispielsweise „zwischen 20 und 45 Prozent reine Neonics-Schäden.“ „Reine“ deshalb, weil etwa auch Varroa-Milben zum Bienensterben betragen. Aber damit haben die Imker umzugehen gelernt.

Bienensterben: Ruf nach Pestizid-Verbot wird lauter
Bienendemo
Österreichs Imker und auch Naturschutzorganisationen wieGlobal2000oderGreenpeacemachen seit Jahren gegen die Verwendung der Saatgut-Beizmittel(die Mais-Monokulturen vor einem Wurm, dem Maiswurzelbohrer, schützen; Anm.)Stimmung.
Mit mäßigem Erfolg. Erst im März hatte Österreich gemeinsam mit acht weiteren Staaten gegen ein von der EU-Kommission vorgeschlagenes Verbot gestimmt. 13 Staaten wären dafür gewesen. Die notwendige 74-Prozent-Mehrheit wurde damit nicht erreicht, die EU-Kommission ging in Berufung. Eine zweite Abstimmung findet voraussichtlich am 29. April statt. Die Haltung der EU-Kommission basiert auf einer Studie der Europäischen LebensmittelbehördeEFSA, die nachweist, dass Neonics für das grassierende Bienensterben mitverantwortlich sind.

Kritik an der AGES

Bienensterben: Ruf nach Pestizid-Verbot wird lauter
Negative Auswirkungen auf Bienenvölker bestätigt zwar auch dieÖsterreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Doch nach Ansicht von Global2000 stellt die AGES den Beitrag der Pestizide auf das Bienensterben als zu niedrig dar. In der sogenannten Melissa-Studie der AGES erwiesen sich „rund 50 Prozent der 2011 untersuchten Verdachtsproben als Bienenschäden durch Neonics“, erklärt Umweltchemiker Helmut Burtscher von Global2000. (Die Proben wurden von interessierten Imkern freiwillig eingeschickt und nicht etwa flächendeckend genommen.) „Das entspricht 1396 geschädigten Bienenvölkern. Indem die AGES nun diese Zahl ohne Hochrechnung mit der Gesamtheit der 367.000 in Österreich registrierten Bienenvölker in Verhältnis gesetzt hat, kam sie lediglich auf 0,38 Prozent durch insektizide Saatgutbeizen geschädigte Bienenvölker.“

Seine bewusst provokante Conclusio: Der wahre Wert liegt irgendwo zwischen 0,38 und 50 Prozent. Mit einem anderen Abstimmungsverhalten Österreichs ist aber auch am 29. April nicht zu rechnen. Das Aussetzen von Neonics würde gentechnisch verändertem Saatgut Tür und Tor öffnen, heißt es aus dem Büro von Nikolaus Berlakovich. Zudem habe der Schutz der Bienen vor Krankheiten, wie der Varroa-Milbe, Priorität.

Von der AGES war vorerst keine Stellungnahme zu bekommen. Ende Mai soll es einen Bienen-Workshop für alle Interessengruppen – Imker, Landwirtschaft, Wissenschaft, Behörden, Industrie und Vermarkter – geben.

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