Politik
05.12.2011

Neuartiges Pestizid tötet Bienenvölker

Ein Pflanzenschutzmittel, das den Maiswurzelbohrer vernichten soll, tötet auch Millionen der nützlichen Insekten.

Ein lauer Sommertag, die Sonne traut sich mal wieder zwischen den Wolken heraus - bei diesen Temperaturen kommen die fleißigen Honigbienen so richtig auf Touren. Doch unterhalb der Einflugschneise liegen Millionen tote Bienen - niedergestreckt durch ein Pestizid, das ihre Nerven gelähmt hat und sie qualvoll verenden ließ. Eigentlich sollte das Beizmittel Maiskeimlinge vor einem Wurm, dem Maiswurzelbohrer, schützen.

Bio-Gärtnerin Waltraud Schmid aus Stranzendorf im Bezirk Korneuburg ist nur eine von Tausenden Imkern, die mit dem neuen Bienentod konfrontiert ist. Seit drei Jahren hat sie acht Bienenstöcke im Garten. Doch die Kukuruzäcker in der Umgebung sind für die Insekten tödlich. Mitte Mai begann das Massensterben. "Zum gleichen Zeitpunkt wie die Maisaussaat", sagt Schmid. Doch das Bienensterben geht weiter. "Täglich liegen tote Tiere herum", klagt die Imkerin.

An die 30.000 Bienen schwärmen pro Stock täglich aus, um Nektar zu sammeln und in die Waben einzubauen, der letztlich zum süßen Honig geschleudert wird. Doch nicht nur die Zahl der "Arbeiterinnen" hat dramatisch abgenommen. Auch ihre Honigleistung ist eingebrochen. "Die Bienen trinken von den Maispflanzen und nehmen dadurch auch das Gift auf", sagt Schmid. Besonders schlimm war es bei der Maisblüte. "Es ist ein Horror", sagt Schmid.

Lethargische Völker

Als Obmann der Imker-Ortsgruppe Stockerau kennt Martin Franzel sehr viele Imkerkollegen, die von "lethargischen" Völkern berichten. "Es ist eine schleichende Vergiftung", sagt Franzel.

"Die Maisfelder werden zunehmend zu einem Problem", sagt auch der Präsident der Erwerbsimker Österreichs, Josef Stich. Vor allem in Oberösterreich, in der Steiermark und in großen Teilen Niederösterreichs sind millionenfach Bienen an dem als Maisbeizmittel eingesetzten Pestizid der Gruppe "Neonikotinoide" verendet. Stich selbst geht beim Aufstellen seiner Stöcke Mais aus dem Weg.

In den 80er-Jahren war man nach dem Einschleppen der Bienen-Milbe aus Südostasien erstmals mit einem großen Bienensterben konfrontiert. "An der Milbe gehen im Winter nach wie vor Bienen ein. Aber mit der Milbe haben wir leben gelernt", sagt Stich.

Doch die Tragweite der Giftigkeit des Maisbeizmittels ist seiner Meinung nach noch nicht abschätzbar. Dass das Beiz- und Spritzmittel nicht unbedingt "bienenverträglich", wird von den vielen Herstellern auch gar nicht geleugnet. Der Bienentod ist auch in mehreren Studien nachgewiesen. Doch eine 50-prozentige Sterblichkeitsrate sei in der Praxis tolerabel. "Mit dieser Interpretation der Untersuchungsergebnisse sind wir nicht einverstanden", sagt Stich.

Erste Verbote

In Deutschland wurden die Mittel nach dem großen Bienensterben 2008 aus dem Verkehr gezogen. "Bei uns nicht", sagt Stich. Lediglich die Aussaatbedingungen wurden verschärft. Stich: "Bei uns geht die Diskussion nur darum, wie viele tote Bienen einem Imker zumutbar sind."

Imkerei: 370.000 Bienenvölker

Honigbiene Die Westliche Honigbiene (lat. Apis melifera) ist durch die Imkerei mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet. In Österreich beschäftigen sich rund 25.000 Imker mit Bienenhaltung und Zucht und der Produktion von Honig. Sie halten etwa 370.000 Bienenvölker. Ein gesundes Bienenvolk produziert jährlich rund 20 Kilogramm süßen Honig. Ein Erwerbsimker hat durchschnittlich 200 bis 400 Bienenvölker.