Chronik | Österreich
11.07.2018

Berittene Polizei: Standort in Wien um 7 Millionen Euro?

Internes Papier: Die geplanten (mindestens) zwei Standorte gelten als „für Dienstbetrieb nicht durchführbar“.

Das Innenministerium weiß bisher noch nicht, wo der endgültige Standort für die berittene Polizei untergebracht sein wird. Es ist aber fix, dass es nicht in der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt (NÖ) ist. Laut dem 150-seitigen „Basiskonzept“ für die Polizeireiterstaffel – über das der KURIER am Dienstag berichtet hat – wäre der aktuelle Standort des Probebetriebs dafür keinesfalls geeignet. Er wird gar nur als „Übergangs- bzw. Notfallsvariante“ bezeichnet.

„Durch die Lage in Wr. Neustadt ergeben sich für den Dienstbetrieb unverhältnismäßig lange Fahrtzeiten“, heißt es. Und zum Transport zu Einsätzen nach Wien: „Eine tägliche Fahrt von 2x2 Stunden in einem Transporter ist den Tieren nicht zumutbar“. Gleichzeitig heißt es, dass „eine Aufteilung der Reiterstaffel auf zwei Standorte für einen Dienstbetrieb als nicht durchführbar beurteilt“ wird.

Als endgültige Standorte werden in dem Polizei-Dokument die Krieau, Simmering oder die Lobau genannt, wobei dort „bei einem Neubau mit Gesamtkosten von 6-7 Millionen Euro zu rechnen“ ist. Als einzige Möglichkeit einen Stall zu kaufen, wird der Teiritzhof in Korneuburg (NÖ) genannt, der für fünf Millionen Euro gekauft werden könnte (was die Besitzerin allerdings vehement bestreitet). Dieser Stall wurde als einziger als geeignet eingestuft – und passenderweise wäre er in der Nachbarschaft des BMI-Generalsekretärs Peter Goldgruber.

BMI: „Nicht aktuell“

Im Innenministerium heißt es, dass „dieses Papier nicht das aktuelle Umsetzungskonzept ist. Die darin befindlichen Daten haben daher nur bedingt“ Aussagekraft. Geplant seien aktuell auch nur 14 Reiter für 14 Pferde. Entscheidend seien „stets Wirtschaftlichkeit und Effizienz.“ Es werde jedenfalls trotz der Bedenken einen weiteren Standort in Wien selbst geben.

Der aktuelle Zustand der berittenen Polizei ist allerdings vorerst noch düster: Drei Reiter, ein Pferd und dazu ist nicht einmal ein Sattel oder Zaumzeug vorhanden. Auf dem Areal wird am Donnerstag sogar ein Kindergartenfest des privaten Heeressportvereins stattfinden. Aktuell ist man mit dem Streichen von Zäunen beschäftigt.

„Man sollte keinen Probebetrieb beginnen, wenn man noch keine Details kennt. Überschriften lösen keine Probleme“, kritisiert Polizeigewerkschafter Reinhard Zimmermann. Er meint, dass das Geld in Ausrüstung weit besser angelegt ist. Darauf pocht auch sein Vize Hermann Greylinger: „Wir brauchen keine Fremdenverkehrsattraktion, dafür gibt es ein eigenes Ministerium.“