Chronik | Österreich
09.07.2018

150-Seiten-Konzept für Berittene: "Kernige Reiter" gesucht

In einem 150-Seiten-Konzept machen sich die Projektentwickler Gedanken über „kernige“ Reiter und den passenden Funknamen wie Hippo, Epos oder Troja.

Ein Pferd. Drei Reiter: So weit der aktuelle Stand der Polizeireiterstaffel. Grundlage dafür ist ein 150 Seiten langes Dokument. Und das zeigt: Fast wäre die berittene Polizei im Ponyhof gelandet. Denn tatsächlich bot sich das Ponykarussell im Wiener Prater als Standort für die berittene Polizei an. Es entsprach nur nicht den Vorgaben. Der Wurstelprater sei schlussendlich doch zu nah, der nötige Platz nicht vorhanden.

Standort mit Fehlern

Laut dem Dokument, das dem KURIER vorliegt, ist der Teiritzhof in Stetten, Bezirk Korneuburg, der einzige Standort, der als uneingeschränkt geeignet bewertet wurde. Die Theresianische Militärakademie, die für den Probebetrieb schlussendlich ausgewählt wurde, wird als „bedingt“ tauglich betrachtet – die Anfahrtszeit nach Wien ist zu lange, es gibt zu wenig Boxen, die Anlage ist nicht auf dem neuesten Stand.

Das Papier, das unter anderem als offizielles Verhandlungspapier mit der Gewerkschaft dient, lässt einige Fragen offen. Etwa die Besoldung der Reiter. „Zuletzt wurde uns aus dem Kabinett gesagt, das Konzept sei ohnehin ungeeignet“, wundert sich der oberste Polizeigewerkschafter Reinhard Zimmermann (FCG).

 

Fünf Einsatzbereiche sind für die Polizeipferde vorgesehen. Unter anderem im täglichen Streifen- und Überwachungsdienst. Denn: „Generell sind Dienstpferde und somit die berittenen Beamten bei Menschen jeglichen Alters beliebt.“ Als mögliche Streifenbereiche sind die Mariahilfer Straße, der Praterstern inklusive grüner Prater und die Donauinsel eingeplant. Außerdem sollen die Pferde bei Sportgroßveranstaltungen, im Objektschutz, bei der Personensuche aber auch bei repräsentativen Anlässen eingesetzt werden. Nicht angedacht ist der Einsatz bei Demonstrationen.

Gedanken hat man sich auch schon über die Auswahl der Reiter und der Ausstattung gemacht. So werden etwa „kernige Reiter und Reiterinnen mit ausgezeichnetem Sitz“ gesucht. Sie dürfen maximal 85 Kilo wiegen – aus Bedachtnahme auf die Belastung der Pferde. Und auch die Details zur Ausstattung der Pferde wurden bereits zu Papier gebracht. So könne „der Stirnriemen des Zaumzeugs in den Farben der Polizei (blau-rot-silberfarben) oder mit dem Schriftzug „Polizei“ geziert werden.“

Auch das Abzeichen wurde bereits entworfen. Es zeigt ein braunes Pferd mit wallender Mähne. Und es gibt einige Vorschläge zur Wahl des passenden Funknamens. Zur Auswahl stehen: Hippo, Arion, Epos oder Troja. Laut Innenministerium ist die Wahl noch nicht getroffen worden.

Gegen die Einbahn

Es sind aber auch rechtliche Belange, die die Planer der Reitstaffel vor Herausforderungen stellen. Etwa der Pferdemist. Denn: „Für das Auftreten von Pferdemist außerhalb öffentlicher Straßen stellt das Wiener Reinhaltegesetz ein rechtliches Problem dar.“ Und auch das Waffengebrauchsgesetz betrifft der Pferdeeinsatz. So muss klargestellt werden: „Dienstpferde sind keine Waffen im Sinne dieses Gesetzes.“ Selbst die Straßenverkehrsordnung muss geändert werden. So muss die Überschrift in § 26a künftig lauten: „Fahrzeuge und Pferde im öffentlichen Dienst“. Dann darf auch gegen die Einbahn geritten werden.

Die Kosten sind in dem Dokument genau aufgeschlüsselt. Die Unterbringung in der Theresianischen Militärakademie kostet jährlich 596.300 Euro. Der Kauf von 12 Pferden ist mit 144.000 Euro budgetiert. 5900 Euro kostet die Ausrüstung pro Pferd, für die Reiter je 4300 Euro. Die Kosten für drei Stallhilfen plus einen Pferdewirt werden mit jährlich 99.000 Euro beziffert. Dazu kommen der Fuhrpark (175.000 Euro im Probebetrieb), Hufschmied (12.000 Euro), Tierarzt (6000 Euro) und weitere Kleinposten.