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Chronik Österreich
04/28/2020

Badeurlaub: Wie Kärnten ein Strand-Ischgl vermeiden will

Kärnten will möglichst viele Seeufer für Urlauber öffnen und arbeitet an Richtlinien gegen Ansteckungsgefahren.

von Daniela Kittner

Es ist schon klar: Im Winter hält man  sich hauptsächlich in geschlossenen Räumen auf, in Gondeln, in Ski-Bars und in Hotelrestaurants. Sommerspaß und Badeurlaub finden im Freien statt, da ist das Ansteckungsrisiko von vornherein geringer.

Und dennoch:  Eine Meldung aus Australien jagte dem Kärntner Tourismus-Landesrat Sebastian Schuschnig einen Schrecken ein. Drei Strände mussten in Sydney kurz nach deren Öffnung wieder geschlossen werden, weil sie zu Corona-Hotspots wurden. "Das wäre ein Super-GAU, wenn ich mitten im Sommer  Bäder sperren müsste. Ohne Strandbäder brauche ich die Hotellerie gar nicht aufsperren", sagt Schuschnig zum KURIER.

Schuschnig gilt als Vertrauter von Parteichef Kurz

Die rot-türkise Landeskoalition in Kärnten bereitet sich intensiv auf die kommende Badesaison vor – mit dem Ziel, ein Strand-Ischgl zu vermeiden. "Unsere Gäste sollen gesund nach Hause fahren", sagt Schuschnig (ÖVP).

Gleichzeitig ist für die Kärntner Politik eines klar: Es werden alle Österreicher an den Kärntner Seen willkommen sein, es wird keine Restriktionen für Urlauber aus anderen Bundesländern geben.

Landeshauptmann Peter Kaiser hat sich vom Zentrum für Öffentliche Gesundheit der Uni Wien einen Leitfaden erstellen lassen, wie er Offenheit mit Gesundheitsschutz vereinbaren kann. Schwimmen sei ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Gesundheit, sagt Kaiser.

Hitzesommer erwartet

Die Professoren meinen, dass auch heuer ein Hitzesommer zu erwarten sei und streichen die Bedeutung von Schwimmen und Baden hervor: Bewegung stärkt das Immunsystem; Sonnenlicht produziert Vitamin D; Strandleben hilft  Singles gegen Isolationsgefühle und entlastet Familien mit Kindern. Fazit der Professoren: "Die öffentliche Verfügbarkeit von Bädern kann sogar als Beitrag zu einer erfolgreichen Corona-Strategie verstanden werden."

Mehr Bäder mit weniger Gästen

Die Experten empfehlen, so viele Bäder wie möglich zu öffnen und  Baden und Schwimmen an möglichst vielen Orten zu ermöglichen. "Dadurch ist gewährleistet, dass sich die Erholungsuchenden nicht auf wenige Orte konzentrieren."

Beispiel: Im Klagenfurter Strandbad baden an Spitzentagen bis zu 14.000 Gäste. Wegen der Abstandsregeln werden heuer aber nur 4.000 Gäste auf einmal ins Bad gelassen. "Es kann sein, dass dort zu Mittag steht: Wir sind voll", warnt Schuschnig.

Um die Besucherströme zu entzerren, aber auch, um unkontrolliert-wildes Baden zu verhindern, sollen möglichst viele Strandbäder und Freibäder geöffnet sein.

"Bei den Freibädern werden wir Tafeln aufstellen, damit die Gäste wissen, was zu beachten ist", sagt Peter Kaiser.  Die Strandbadbetreiber und deren Angestellte und Gäste werden Verhaltensrichtlinien bekommen.

Empfohlen sind folgende Auflagen:

Abstand halten auf der Liegewiese, beim Kasseneingang, beim Anstellen am Buffet: mit Maske ein Meter, ohne Maske zwei bis drei Meter.

Badehose und Maske In geschlossenen Räumen, in Buffets,  Sanitäranlagen,  Umkleideanlagen ist Maskenpflicht. Die Badegäste müssen die Masken selbst mitbringen.

Umkleiden im Freien Paravents im Freien sind Umkleidekabinen, wo es zu Schmierinfektionen kommen kann, vorzuziehen.

Stündliche Toilettenreinigung Die Klos müssen von den Betreibern stündlich desinfiziert werden. Für Klobenützer reicht aber Händewaschen mit Seife, um Ansteckung zu vermeiden. Eine Aufforderung zum Händewaschen soll auf Schildern stehen.

"Wir wollen keine genauen Vorschriften, sondern Richtlinien ausgeben, die jeder Badbetreiber seinen Gegebenheiten anpassen kann. Das Ganze muss praxistauglich sein", sagt Schuschnig. Die Badbetreiber müssen kontrollieren, ob auf den Liegewiesen die Abstände eingehalten und auch sonst die Richtlinien befolgt werden.

Schuschnig drängt Anschober

Schuschnig drängt darauf, dass das Gesundheitsministerium österreichweit möglichst einheitliche Richtlinien erlässt, die Kärntner haben ihre Vorschläge im Ministerium in Wien als Vorlage eingebracht.  

Die guten Nachrichten

Die Wissenschafter sagen, das Virus wird im Wasser nicht übertragen, zumindest ist kein Fall bisher bekannt. UV-Licht und trockene Luft begrenzen die Lebensdauer der Viren, Wind und frische Luft verdünnen das Atemaerosol und damit etwaige Virenkonzentration in der Luft.

Und zu guter Letzt heißt es in dem Expertenpapier: "Jemand, der Corona-Symptome hat, wird wohl nicht baden gehen."

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