Verabschiedeung der Tiere vom Heldenberg: Cobra-Chef Bernhard Treibenreif, die Stallmeisterin der Hofreitschule Susanna Kulier, Oberstleutnant Vladimir Cosic und der Polizeimajor und Kommandant der serbischen Polizeibrigade Milan Milosevic (v.l.)

© Franz Enzmann

Chronik Österreich
07/02/2020

Auf Wiehersehen: Kickls Reiterstaffel ist Geschichte

Österreichs Polizei-Reiterstaffel sperrt mit dem Verkauf der Tiere nach Serbien zu.

von Patrick Wammerl

Es ist das letzte Kapitel in der langen, unrühmlichen Geschichte der heimischen Reiterstaffel. Österreichs Kavallerie ist seit Donnerstag pferdelos und damit endgültig Geschichte. Mit dem Verkauf aller neun noch übrigen Wallache hat das Innenministerium das von Ex-FPÖ-Innenminister Herbert Kickl initiierte Projekt beendet.

A-Rock, Ludwig, Joker, Captain Morgan und die anderen stattlichen Rösser wurden aus den Stallungen der Spanischen Hofreitschule am Heldenberg im Bezirk Hollabrunn abgeholt und Donnerstagabend mittels Sattelschlepper in ihre neue Heimat gebracht. Der Zuschlag für die zum Verkauf ausgeschriebenen Pferde erging mit der Reiterstaffel der serbischen Polizeibrigade an den Bestbieter. Der Verkaufserlös der Tiere liegt in etwa bei jener Summe, die man für die Pferde ausgegeben hat. Drei der Wallache erzielten einen Preis von jeweils über 13.000 Euro (der Einkauf lag zwischen 7.000 und 13.500 Euro pro Tier).

Geliebt und gehasst

Von den einen befürwortet und den anderen verteufelt: Seit Kickl 2018 die berittene Polizei ins Leben gerufen hatte, flogen polizeiintern und politisch wegen der Kavallerie die Fetzen. Obwohl nach den Pannen der ersten Monate das Projekt der Direktion für Spezialeinheiten im Innenministerium unterstellt wurde und die Cobra die Ausbildung auf professionelle Beine gestellt hatte, überlebte die Staffel den politischen Druck nicht.

Weil die Wallache quasi mit dem FPÖ-Siegel gebrandmarkt waren, wollte sie Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) keinesfalls in seiner Stadt galoppieren sehen. Übergangsminister Wolfgang Peschorn zog nach einer Evaluierung und mangels fehlender Genehmigungen für den Einsatz in der Bundeshauptstadt schließlich die Reißleine und beendete die Causa, noch bevor der erste Einsatz vom hohen Ross aus erfolgen konnte.

Die neun übrig gebliebenen Wallache wurden international zum Verkauf ausgeschrieben und in der Zwischenzeit bei den Lipizzanern der Hofreitschule am Heldenberg untergebracht.

"Es bestand großes Interesse von Reiterstaffeln aus Europa. In den meisten EU-Ländern hat die berittene Polizei einen sehr hohen Stellenwert und wird als prestigeträchtig angesehen", erklärt der Leiter der Direktion für Spezialeinheiten, Bernhard Treibenreif. Neben Angeboten aus Deutschland hatten sich auch niederländische Reiterstaffeln um die Wallache bemüht.

Die Finanzprokuratur unter der Leitung von Wolfgang Peschorn gab jedoch der serbischen Polizeibrigade als Bestbieter den Zuschlag. "Für die Republik Österreich konnte durch den Verkauf ein sehr ansehnlicher Preis lukriert werden", heißt es dazu. Die serbische Delegation rückte am Donnerstag mit einem Sattelschlepper am Heldenberg an, um die Tiere nochmals von einem Veterinärmediziner untersuchen zu lassen. Danach gab es grünes Licht für den Abtransport.

Lange Fahrt

"Um sie zu schonen, hat man die Fahrt bewusst für die Abend- und Nachtstunden geplant", so Treibenreif, der persönlich beim Abschied der Tiere dabei war.

Die Serben, die bereits seit 1946 erfolgreich eine Polizei-Reiterstaffel mit Sitz in Belgrad betreiben, haben keineswegs die Katze im Sack gekauft. Alle neun Wallache gelten als bestens ausgebildet. Die Prüfung der Pferde und der Polizeireiter wurde bereits im Juli 2019 von einer internationalen Expertenkommission unter Beteiligung von kommissionellen Prüfern des österreichischen Pferdesportverbandes abgenommen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.