Chronik | Österreich
07.08.2018

Reiterstaffel: Warum jetzt der Cobra-Chef übernehmen soll

Die berittene Polizei wird neu aufgestellt. Sie kommt nun zu den "Spezialeinheiten" und erhält eine neue Führungsstruktur.

Beim Projekt „berittene Polizei“ wird mit Monatsende vieles anders. Nach den Pannen der ersten Monate wird nun die Führung neu aufgestellt. Die Reiterstaffel wird künftig dem Direktor für die Spezialeinheiten, Bernhard Treibenreif, direkt unterstellt. Dieser ist auch für die „Cobra“ zuständig: „Wir werden die Synergien nützen, bei uns gibt es zahlreiche Experten, etwa staatlich geprüfte Pferdewirte“, sagt Treibenreif, der selbst aus einer Reiterfamilie stammt.

Ausbildungsleiter wird, wie vergangene Woche berichtet, der WEGA-Mann Thomas Maier, zugleich Leiter der Reitersektion des Wiener Polizeisportvereins. „Dort können künftig interessierte Polizisten in ihrer Privatzeit reiten und herangeführt werden an die Reiterstaffel“, erklärt Projektleiter Hannes Steiner.

Zugleich wurde der bisherige Ausbildungsleiter nach ein paar Wochen de facto degradiert. Er sitzt nicht einmal mehr in der Auswahlkommission für die Pferde. Sein privater Heeressportverein ( HSV), der für Aufsehen und Streit sorgte, wird mit Monatsende den Reitstall verlassen. Damit hat die berittene Polizei einen Bereich alleine – das wurde etwa im ersten Konzept ausdrücklich gefordert.

Bis September soll die komplette Reiterstaffel stehen. „Dann werden wir hier ein Foto machen mit 14 Beamten und 14 Pferden (derzeit sind es vier, Anm.)“, meint Steiner, Kabinettsmitarbeiter von Generalsekretär Peter Goldgruber.

Neue Transparenz

Der Sturz einer Reiterin mit anschließendem Schlüsselbeinbruch scheint dazu geführt zu haben, dass nun in vielerlei Hinsicht ein neues Kapitel bei der Reiterstaffel aufgeschlagen wird – Transparenz inklusive. Es gab sogar bereits einen Termin mit dem Verein gegen Tierfabriken. Für Mitarbeiter des VGT wird demnächst die Reitanlage in der Theresianischen Akademie in Wiener Neustadt (NÖ) geöffnet.

Diese spielt tatsächlich alle Stückerln. „Nur wenige Pferde haben so ein Leben wie diese hier“, sagt Treibenreif. „Die Boxen sind sogar größer als es der Tierschutz verlangt“, betont Steiner. Dazu kommt eine große Koppel, eine Reitwiese und vieles mehr. Gewalt ist im Training vollkommen tabu. „Die Tiere wurden danach ausgewählt, ob sie neugierig sind“, sagt Polizistin Tamara Putzl. Tatsächlich sind die vier Pferde vergleichsweise ruhig, selbst die erste Begegnung mit einem Regenschirm scheint ihnen nichts auszumachen. Bleibt das Pferd bei der Übung ruhig, bekommt es ein Leckerli. „Wenn es sich an etwas gewöhnt hat, dann wird die Übung erweitert und erschwert“, sagt Putzl. Eines Tages soll es dann auf der Straße stehen und nicht aus der Ruhe gebracht werden.

EU fördert Berittene

Budgetiert waren für die Reiterstaffel 900.000 Euro (ohne Personalkosten). „Ich habe 380.000 Euro an das Finanzministerium gemeldet, das müssen wir nun einhalten“, sagt Steiner. Dabei sind 180.000 Euro Fördermittel aus EU-Geldern inkludiert. Im Oktober oder November soll schließlich ein Standort in Wien gefunden sein, wobei es sich voraussichtlich um eine Liegenschaft des Bundesheeres handeln wird. Fix ist, dass es bei zwei Standorten bleiben wird. In Wiener Neustadt wird ausgebildet, sind Tier und Reiter so weit, dann übersiedeln sie gemeinsam nach Wien. Deshalb soll es vorerst auch bei nur zwei Pferdeanhängern für jeweils zwei Tiere bleiben. Von einem Anhänger für 14 Tiere ist nun keine Rede mehr.

Treibenreif und Steiner streichen die Vorteile einer Reiterpolizei heraus: Bessere Suche nach Vermissten, Imagepflege und Einsätze bei Fußballspielen. Treibenreif: „In Brüssel gibt es 116 Pferde, das kommt ja nicht von ungefähr.“ Und Bayern will laut Regierungsprogramm auf 200 Tiere ausbauen.