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Chronik Österreich
01/28/2021

Anti-Terror-Kampf: Vier Bewerber für Schlüsseljob bei der Cobra

Das Polizei-Sondereinsatzkommando sucht einen neuen operativen Leiter. Alle vier Kandidaten kommen aus den eigenen Reihen

von Patrick Wammerl, Anja Kröll

Nicht erst seit dem Terroranschlag am 2. November in Wien kommt dem Anti-Terror-Kampf in Österreich große Bedeutung zu. Seit Jahren müssen sich Einheiten wie die Cobra oder die WEGA in Terrorfragen auf die neuen Herausforderungen einstellen.

Vor diesem Hintergrund kommt es in den nächsten Wochen zu einer viel beachteten Personalentscheidung. Die Cobra wurde im Zuge einer Organisationsreform zusammen mit anderen Spezialkräften in die Direktion für Spezialeinheiten (DSE) eingebettet; Direktor ist Bernhard Treibenreif. Bei der Reform ging es vor allem darum, zusammen mit den Observationseinheiten oder dem Entschärfungsdienst die Polizei im Anti-Terror-Kampf schlagkräftiger aufzustellen. Nachdem der bisherige operative Leiter der Cobra, Walter Weninger, im vergangenen September nach schwerer Krankheit starb, wurde der Führungsjob neu ausgeschrieben.

Dieser Schlüsselstelle kommt besonders im Hinblick auf mögliche Anschläge, Terrorlagen, Geiselnahmen oder organisierte Kriminalität besondere Bedeutung zu. Vor wenigen Tagen ist die Bewerbungsfrist zu Ende gegangen. Laut KURIER-Informationen haben vier Kandidaten ihre Bewerbungsunterlagen im Innenministerium abgegeben.

Die besten Chancen für die Stelle werden Hannes Gulnbrein nachgesagt. Der 62-Jährige gilt als erfahrener „alter Hase“ der Sondereinheit.

Er war lange Zeit Standortleiter der Cobra in Wien, bevor er 2017 als Kommandant in die Cobra-Einsatzzentrale nach Wiener Neustadt wechselte. Gulnbrein war beim Terroranschlag in Wien führend im Einsatzstab tätig. Er leitete bereits während Weningers krankheitsbedingter Abwesenheit das operative Geschäft.

 

Kandidat Nummer zwei ist Detlef Polay (59). Der Burgenländer aus Neusiedl am See verfügt über viel Auslandserfahrung; er war zum Schutz von Österreichern im Zuge des Arabischen Frühlings in Ägypten und im Iran.

Polay managte beim Amoklauf des Wilderers von Annaberg (NÖ) mit drei erschossenen Polizisten und einem ermordeten Rettungssanitäter den anschließenden Cobra-Einsatz auf der Jagd nach dem Mörder Alois H. Er war außerdem Pressesprecher der Einheit und beerbte 2017 Gulnbrein als Standort-Kommandant in Wien.

Nicht im Rampenlicht

Die beiden weiteren Kandidaten standen bisher – wegen ihrer Tätigkeit im Hintergrund – medial weniger im Rampenlicht. Es handelt sich dem Vernehmen nach um den Leiter der Observationseinheit, Johannes Stachel und einen seiner Bereichsleiter, Reinhard Horvath.

Die Observation ist ebenfalls Teil der Direktion für Spezialeinheiten und arbeitet still und heimlich, ohne Aufsehen zu erregen.

Für viele Insider überraschend ist, dass Gerald Haider (49) anscheinend auf eine Bewerbung verzichtet hat. Haider lebt im südlichen Niederösterreich, ist im Hauptquartier der Cobra in Wiener Neustadt stationiert und derzeit verantwortlich für internationale Angelegenheiten, Controlling und Öffentlichkeitsarbeit. Sein Verzicht, so wird gemunkelt, könnte aber aus taktischen Gründen erfolgt sein. Eine mögliche Variante ist, dass Haider als Gulnbreins Stellvertreter in Stellung gebracht wird, um später nach dessen Pensionierung die Leitung zu übernehmen.

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