Trügerischer Impfansturm: Lassen sich jetzt tatsächlich viele Unentschlossene impfen?

Zahlreiche Menschen warten am 7. November auf die Möglichkeit einer Impfung gegen das Coronavirus in Seewalchen, Oberösterreich. Der Polizei graut bei der Vorstellung, aus der Masse an Geimpften die Ungeimpften herausfischen zu müssen.
Interesse an Erstimpfungen steigt seit drei Wochen und nicht erst seit den neuen Maßnahmen.

Innsbruck hat schnell auf das neu erwachte Interesse an der Impfung reagiert: Die Öffnungszeit des Impfzentrums in der Bachlechnerstraße wurde am Montagmorgen kurzerhand von 13 auf 9 Uhr vorverlegt, um dem großen Andrang gerecht zu werden.

Leiter Florian Lederer berichtete von einem großen Andrang am Wochenende. Rund 1.600 Menschen seien bereits am Samstag geimpft worden, die Wartezeit habe dennoch lediglich rund 30 bis 40 Minuten betragen, alles habe gut funktioniert. „Wir konnten den großen Ansturm gut bewältigen und mussten niemanden ungeimpft nach Hause schicken“, unterstrich Lederer. Für diese Woche sei das Impfzentrum bereits ausgebucht, Impfstoff gebe es genug.

Landesweite Impfung in Oberösterreich am Wochenende

In ganz Österreich ist derzeit ein gestiegenes Interesse an der Corona-Impfung zu beobachten. Und überall will man inzwischen das Impf-Angebot wieder deutlich aufstocken. In Oberösterreich, wo am Wochenende lediglich eine Impfstraße geöffnet hatte, wird für das kommende Wochenende an einer landesweiten Impfaktion gearbeitet, heißt es von Seiten des Landes. Am Dienstag starte die landesweite Impfaktion in über 100 Ordinationen im niedergelassenen Bereich. 

Wie ist der aktuelle Impfansturm zu erklären? Bewirkt die 2-G-Regel tatsächlich, dass sich nun auch viele bis dato vielleicht noch Unentschlossene impfen lassen? 

Ein genauer Blick in die Impfstatistik der vergangenen Tage zeichnet ein anderes Bild. So wurden allein am Samstag österreichweit zwar fast 32.000 Impfungen durchgeführt, allerdings war nur jede dritte davon ein "Erststich" (10.488).  Inklusive der Auffrischungsimpfungen gab es in der vergangenen Woche schon 213.000 Impfungen - so viele wie zuletzt Anfang August.

Bei den meisten davon handelt es sich allerdings um "'Booster-Impfungen", also um den dritten Stich. Ähnlich das Bild am Sonntag: 6.721 Erstimpfungen wurden verabreicht, 2.063 Personen holten sich den zweiten und 10.503 den dritten Stich.

Verschärfungen wirken sich aus

Damit zeigt sich, dass sich die Verschärfungen durchaus positiv auf die Impfbereitschaft auswirken - wenn auch nicht dramatisch. Denn über das ganze Wochenende hinweg war die Zahl der Drittstiche höher als jene der Erstimmunisierungen.

Auffallend ist auch, dass die Anzahl der Erstimpfungen bereits seit drei Wochen kontinuierlich zunimmt: Der Tiefpunkt wurde in der zweiten Oktoberwoche mit 28.235 Erststichen durchschritten. In der Woche darauf kamen 34.777 Erstimpfungen dazu, dann 50.996 und vergangene Woche (nach vorläufigen Zahlen) 71.612 Erststiche. Das ist der höchste Wert seit Ende Juli.

Allein am Samstag wurden (mit Nachmeldungen) 34.500 und am Sonntag 19.287 Impfungen durchgeführt. Die meisten Impfungen gab es am Sonntag einmal mehr in Wien (6.720) und Niederösterreich (5.710), aber auch in Kärnten (3.157) und im Burgenland (2.116) kamen vergleichsweise viele Menschen in die Impfzentren bzw. zu den Impfbussen.

Wenig geimpft wurde in den anderen Bundesländern. Dies liegt auch daran, dass laut Medienberichten in Oberösterreich (289) und Tirol (514) nur eine Impfstelle geöffnet hatte, in Salzburg und Vorarlberg gar keine.

Kärnten impft

Auch in Kärnten wird ob des neuen Impfansturms das Angebot aufgestockt. Vor allem vor den anmeldungsfreien Impfmöglichkeiten bildeten sich am Wochenende lange Schlangen, auch in den Impfstraßen des Landes herrschte reger Betrieb. In Klagenfurt betrug die Auslastung sogar 99,4 Prozent.

Für Dienstag hat das Land einen Impftag speziell für Schüler, Lehrer und deren Angehörige anberaumt. Sie können sich in der Zeit von 8 bis 16 Uhr in den Impfzentren in Klagenfurt, Villach, Spittal, Wolfsberg und St. Veit immunisieren lassen. Eine Voranmeldung ist nicht nötig und die Abwesenheit vom Unterricht wird zu diesem Zweck entschuldigt.

Außerdem wird in Kärnten am Donnerstag und Freitag wieder der Rot-Kreuz-Impfbus unterwegs sein. 

Leichter Zugang, höhere Bereitschaft

Auffallend waren die langen Warteschlangen, die sich am Wochenende vor den Testcontainern in Klagenfurt und Villach gebildet hatten, bei denen man sich auch ohne anmelden impfen lassen kann. Auch in den Abendstunden war der Andrang noch nicht abgerissen.

Damit zeigt sich, dass eine der wichtigsten Maßnahmen zur Erhöhung der Impfbereitschaft ein möglichst niederschwelliges Angebot ist. Natürlich in Kombination mit Einschränkungen wie jenen, die ab Montag in Österreich in Kraft getreten sind.

Niederösterreich weitet Angebot aus

In Niederösterreich hat die Politik bereits auf das gestiegene Interesse reagiert, das Impfangebot wird ausgebaut. Noch in dieser Woche gehen mehrere Landesimpfzentren in Betrieb. Das ursprünglich für Dezember geplante Comeback wurde vorgezogen. Im Bundesland waren bis Mitte August 20 Landesimpfzentren geöffnet gewesen. Sie wurden nach rund vier Monaten vorübergehend geschlossen.

Gestartet werden in dieser Woche auch Impfstraßen in Einkaufszentren, wo Injektionen mit und ohne Terminfestlegung möglich sind. Experten gehen davon aus, dass der Run auf die Impfungen einige Zeit so hoch bleiben werde. Drittimpfungen dürften allerdings weiterhin die Mehrheit sein. Bei der Terminvergabe hielten sich in NÖ die Erst- und Drittimpfungen übrigens die Waage.

Trügerischer Impfansturm: Lassen sich jetzt tatsächlich viele Unentschlossene impfen?

Andrang in Wien doppelt so hoch wie zuletzt

Auch in der Bundeshauptstadt Wien machen sich die neuen 2G-Regeln bemerkbar. Am vergangenen Wochenende war der Andrang in etwa doppelt so hoch wie sonst. Mehr als 11.000 Menschen haben sich am Samstag bzw. am Sonntag jeweils impfen lassen, berichtete ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) der APA. Möglich war dies in mehreren auch am Wochenende geöffneten Impfstraßen, etwa im Austria Center (ACV). Nun sollen die Kapazitäten aufgestockt werden, hieß es.

Signifikant war laut Rathaus am Wochenende der Anteil an Erststichen. Fast 3.000 waren es am Wochenende pro Tag. Nun werden die Kapazitäten erweitert. Rund 26.000 Impfungen sollen künftig täglich möglich sein, das ist doppelt so viel wie aktuell. Erreicht werde dies vor allem durch eine Erhöhung beim Personal, hieß es.

Vor allem in der größten Impfstraße des Landes, also im ACV, wird es mehr Ressourcen geben. Aufgestockt wird aber etwa auch in der Lugner-City und bei der Impfstelle im Stephansdom.

2-G-Regel in Kraft

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