Die Trümmer der zerstörten Lokomotivfabrik in Wr. Neustadt

© Stadtarchiv Wiener Neustadt

Chronik Österreich
06/25/2021

Als ein Tornado halb Wiener Neustadt zerstörte

Im Juli 1916 forderte ein Wirbelsturm 35 Todesopfer und 300 Verletzte in NÖ. Das ist kein Einzelfall.

von Patrick Wammerl

Österreich ist vor Tornados nicht gefeit. Pro Jahr werden etwa zehn Wirbelstürme registriert. Da sie in der Regel aber deutlich schwächer sind als der Tornado am Donnerstagabend in Tschechien, haben sie kein zerstörerisches Ausmaß.

Anders war es am schwülen 10. Juli 1916, als sich mitten in den Wirren des 1. Weltkrieges über dem Schneeberg in Niederösterreich eine Unwetterzelle zusammenbraute. Die Superzelle zog Richtung Wiener Neustadt und entwickelte sich in der Thermik über dem aufgeheizten Steinfeld zu einem Wirbelsturm von verheerender Kraft.

Windspitzen bis 300 km/h

Die Unwetterforscher des „European Severe Storms Laboratory“ haben zwei Jahre lang alle historischen Dokumente zu dem Tornado gesammelt und aufgearbeitet. Zum 100. Jahrestag erinnerte 2016 eine Sonderausstellung in Wiener Neustadt an die Ereignisse.

Der Wirbelsturm nahm über der Ortschaft Dreistetten an der Hohen Wand Fahrt auf und fegte damals mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h von Bad Fischau kommend durch Wiener Neustadt bis nach Lichtenwörth.

Der ein Kilometer breite und drei bis fünf Kilometer hohe Windschlauch ließ eine 20 Kilometer lange Spur der Verwüstung zurück. Er zerstörte unter anderem mit den Rax-Werken die größte Lokomotiv- und Maschinenfabrik und wurde auf der fünfteiligen Fujita-Skala als Tornado der Klasse vier (F4) eingestuft – es war einer der schlimmsten Wirbelstürme Europas. 35 Menschen kamen in Wiener Neustadt ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt.

Wirbelstürme dieser Kategorie mit Windgeschwindigkeiten von 300 km/h wurden noch drei weitere Male in Österreich registriert: Am 11. August 1994 zog ein Tornado der Stärke F3 in St. Michael (Bezirk Güssing) im Burgenland eine zwei Kilometer lange Schneise. In den Abendstunden verfinsterte sich der Ort, ein Dach wurde vom Sturm mitgetragen und ein Gebäude gänzlich zerstört.

Stärkste Kategorien noch nie aufgetreten

In der Steiermark sorgten 1998 gleich zwei F3-Tornados in Weinburg am Saßbach (Bezirk Radkersburg) sowie in Vornholz (Bezirk Hartberg) am 27. Juli für entwurzelte Bäume, zerstörte Wälder, Stromausfälle und eingedrückte Mauern. Am häufigsten waren in den vergangenen Jahren Tornados der Stufen F1 (180 km/h) und F2 (250 km/h). Gehäuft treten die Wirbelstürme vor allem im Alpenvorland sowie in den südöstlichen Beckenlagen auf, wo feuchte, heiße Luft auf kalte Fronten trifft.

F4- und F5-Tornados mit Geschwindigkeiten von 400 bzw. 500 km/h wurden in Österreich noch nie gemessen. In Wien wurde der letzte Tornado am 13. Mai 2003 beobachtet: Im Bereich der Alten Donau wurden dabei 30 Bäume entwurzelt. In Europa gab es hingegen auch schon extreme Tornados. Einer der schlimmsten Wirbelstürme fegte mit über 500 km/h am 24. Juli 1930 über die italienische Provinz von Treviso hinweg. In knapp eineinhalb Stunden legte der F5-Tornado 80 Kilometer Strecke zurück.

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