Chronik | Niederösterreich
11.07.2017

So kam es zum Tornado beim Flughafen Wien

Der Tornado entstand aus einer Superzelle. Laut Experten sind solche Stürme in Österreich gar nicht so selten.

In den sozialen Netzwerken war der beim Flughafen Wien gesichtete Tornado das Thema Nummer eins.

Dabei sind Tornados in Österreich gar nicht so selten: Von 1951 bis 2010 wurden geschätzt rund 100 Tornados in Österreich registriert. Am Montagnachmittag war es in der Schwechater Gegend wieder einmal soweit. Eine Windsäule entstand und legte laut Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine zumindest einen Kilometer lange Schadenspur, vor allem durch Getreidefelder.

Auslöser für den Wirbelsturm war eine sogenannte Superzelle, besonders starke Gewitterzellen, die nur unter bestimmten Bedingungen entstehen. Eine solche zog am Nachmittag aus dem Wienerwald entlang der südlichen Wiener Stadtgrenze bei den Bezirken Liesing, Favoriten und Simmering und sorgte auch für größere Hagelniederschläge.

Rainer Kaltenberger und Georg Pistotnik von der ZAMG untersuchten am Dienstag die Spur des Tornados. Superzellen sind Gewittertürme mit vertikaler Rotation. Personen mit entsprechender Vorkenntnis könnten das sogar mit freiem Auge erkennen. Sie entstehen demnach, wenn unterschiedliche Windrichtungen und Stärken in unterschiedlichen Höhen zusammenkommen, erläuterte Kaltenberger.

"Ein Tornado erfordert immer eine Superzelle"

Im Fall der Superzelle vom Montag gab es bei St. Pölten Westwind, während im Wiener Raum der Wind aus östlicher Richtung blies. Diese Luftmassen prallten aufeinander und ließen so die Superzelle entstehen. "Ein Tornado erfordert immer eine Superzelle", sagte Kaltenberger.

Tornados sind Wirbelstürme, die bei großen Temperaturunterschieden entstehen. Sie haben die Gestalt eines rotierenden Schlauchs, der von einer Regenwolke bis zum Erdboden reicht. Trotz ihres relativ geringen Umfangs verfügen sie aufgrund der Rotationsgeschwindigkeit über die stärkste Energie aller Wirbelstürme. Die Windgeschwindigkeit innerhalb des Wirbels mit einem Durchmesser von einigen Dutzend bis zu wenigen 100 Metern kann in Extremfällen bis zu 500 km/h betragen. Schon nach relativ kurzer Zeit verschwinden die Wirbel wieder, können aber innerhalb ihrer kurzen Lebensdauer bis zu etwa 30 Kilometer weit ziehen.

Superzellen werden laut Pistotnik in Österreich nicht systematisch registriert. Seinen Schätzungen zufolge werden höchstens zehn Prozent der Gewitter in Österreich "oder weniger" zu Superzellen. "An den meisten Gewittertagen gibt es keine einzige", sagte Pistotnik.

Der im Raum Schwechat tobende Tornado hatte laut der Flugsicherung keine Auswirkungen auf die Luftfahrt. Er sei rund sechs Kilometer vom Airport entfernt gewesen.

Das Unwetter hat am Montagnachmittag und -abend den Flugverkehr am Airport Wien-Schwechat allerdings sehr wohl beeinträchtigt. Laut der österreichischen Flugsicherung " Austro Control" traf eine sogenannte Superzelle direkt den Flughafen. Es gab drei Wellen, die beiden stärksten zwischen 16.30 und 17.00 Uhr sowie zwischen 18.30 und 19.00 Uhr. "Austro Control" zufolge mussten etwa zehn Maschinen, die in Schwechat erwartet wurden, Ausweichlandungen durchführen. Sie wurden auf die Flughäfen Graz, Bratislava und Linz umgeleitet.