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Mordanklage
07/17/2020

Als Birgit H. Nachrichten verschickte, war sie bereits tot

Leopold W. soll die 29-jährige Wienerin erwürgt haben. Er bestreitet die Tat. Am 13. August findet die Verhandlung statt.

von Michaela Reibenwein

Birgit H. liebte das Leben. Sie liebte ihre Haustiere, sie liebte das Tanzen. Sie liebte zwei Männer.

Einer davon soll die 28-Jährige am 22. Jänner in ihrer Wohnung in der Arnoldgasse in Wien-Floridsdorf erwürgt haben. Der 37-jährige Leopold W. sitzt in U-Haft. Am 13. August muss er sich im Landesgericht für Strafsachen in Wien wegen Mordes verantworten. „Ich war es nicht“, beteuert er. „Ich kann nicht etwas zugeben, das ich nicht getan habe.“ Doch es sind viele Indizien, die den arbeitslosen Elektrotechniker belasten.

Tage später gefunden

Birgit H. wurde zuletzt in der Nacht vom 22. auf den 23. Jänner lebend gesehen. Gemeinsam mit Leopold H. hatte sie ein Shisha-Lokal besucht. Nach einigen Getränken verließen sie die Bar. Wenig später war Birgit H. tot – das ergab eine Obduktion. Denn gefunden wurde die Leiche der Frau erst Tage später von den Eltern. Sie waren misstrauisch geworden. Ihre Tochter war telefonisch nicht mehr erreichbar. Doch sie bekamen seltsame Handy-Nachrichten.

Solche Nachrichten bekam auch Martin W. „Er weiß gar nicht, was er mir da genommen hat“, sagt er in Richtung des Angeklagten. Martin W. und Birgit H. waren ein Paar – wenn auch kein typisches. Denn die junge Frau hatte weitere Männerbekanntschaft. Martin W. wusste davon, sagt er. Er hatte sich mit der Situation arrangiert.

Auch am Tag ihres Todes sah er die junge Frau. Die beiden fuhren im Auto herum. „Das haben wir öfter gemacht.“ Dann setzte Martin W. seine Freundin zu Hause ab. Was er nicht wusste: Kurze Zeit später traf Birgit H. auch noch Leopold W.

Es war bereits spät in der Nacht, als Martin W. eine Nachricht von Birgit H.s Handy bekam: „Hab grad ein kleines Blackout, wie geht mein Code von der Bank nochmal?“

„Das war komisch“, erinnert sich Martin W. „Sie hatte ein fotografisches Gedächtnis.“ Wenig später wurden mit der Bankomatkarte 220 Euro abgehoben. Als die Polizei später die Kameraaufnahmen überprüfte, stellte sie fest, dass Leopold W. das Geld behoben hatte.

Bei ihm wurde schließlich auch die Bankomatkarte gefunden. Und auch das Handy des Opfers. Es war zwischen Pullovern im Kasten versteckt.

Und das, so ist die Staatsanwältin sicher, erklärt auch die eigenartigen Nachrichten von Birgit H.’s Telefon. Martin W. bekam plötzlich Nachrichten, in denen er als Psychopath beschimpft wurde. Verwandten und Freunden wurde mitgeteilt, dass sie mit einem Bekannten mehrere Tage unterwegs und telefonisch nicht erreichbar sei.

Zu diesem Zeitpunkt war Birgit H. bereits tot.

„Wenn er austickt ...“

Die On/Off-Beziehung zwischen Opfer und Verdächtigem war zuletzt explosiv, wie es die Staatsanwältin bezeichnet. Ein Streit auf offener Straße eskalierte derart, dass die Polizei gerufen wurde. Einer Freundin schrieb Birgit H.: „Ich traue ihm nicht über den Weg, wenn er austickt.“

An ihrem Körper fanden sich DNA-Spuren des Angeklagten. Am rechten Handgelenk, an den Fußknöcheln und im Halsbereich.

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