© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Österreich
01/07/2022

Akte Commerzialbank: Verdacht auf Besitz von Kinderpornografie

Die Ermittler stießen auf einem iPhone, Laptop und Netzwerkspeicher eines Beschuldigten auf mutmaßlich einschlägige Dateien.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Ermittler der Soko Commerz, die die komplexen Malversationen rund um die Commerzialbank Mattersburg offenbar bis ins kleinste Detail aufrollen, haben mittlerweile Hunderte Aktenordner an Belastungsmaterial zusammengetragen.

Mehr als 1.500 Ordnungsnummern umfasst der Akt bereits, gegen 30 Beschuldigte richten sich die Ermittlungen. Unter den Beschuldigten ist auch ein Unternehmer, Bankkunde und angeblicher Vertrauter von Ex-Banker Martin Pucher, der ungewöhnliche Geschäftspraktiken an den Tag gelegt haben soll. So soll er „wahllos Aufschläge auf Rechnungen vorgenommen und einkassiert haben“; Abrechnungen sollen ohne Mehrwertsteuer, also schwarz erfolgt sein, Firmen-Gegenstände und Gerätschaften soll er verkauft und transportierte Mengen falsch abgerechnet haben.

Die Liste der Verdächtigungen ist noch viel länger, einiges dürfte aber bloß aus der Gerüchteküche stammen. Ob der Unternehmer aber von Puchers System der generösen „Bargeldübergaben“ profitierte, sprich de facto Geldgeschenke erhielt, das soll die Soko Commerz klären.

Zufallsfund

Doch der Unternehmer steht nun durch einen sogenannten Zufallsfund auch unter einem sehr schwerwiegenden anderen Verdacht: „In gegenständlicher Causa Commerzialbank Mattersburg wird durch die Soko Commerz berichtet, dass bei der Sichtung der ausgewerteten elektronischen Datenträger des Beschuldigten, Dateien in Bildformat und als Thumbnails (Anm. d. Red: Miniaturbilder) gefunden wurden, die den Verdacht auf den Besitz von pornografischer Darstellung Minderjähriger begründen“, heißt es in einem Anfallsbericht vom 22. Dezember 2021. Die Sichtung des Handys sei mit dem Software-Programm Cellebrite, die Sichtung des Netzwerkspeichers und die des Laptops seien mit dem Software-Programm Intella durchgeführt worden.

Stichproben

Die ersten verdächtigen Dateien seien auf einem schwarzen Apple iPhone 8 vorgefunden worden, das erst seit dem Jahr 2019 benutzt worden sein soll. „Das früher benutzte Modell konnte wegen einer Beschädigung und eines technischen Defektes nicht ausgewertet werden“, heißt es in dem brisanten Aktenstück mit der Ordnungsnummer 1.513 weiter. „Bei der Sichtung eines Laptops der Marke Lenovo ThinkPad und eines Netzwerkspeichers NAS Synologie wurden ebenfalls Dateien in Bildformat und in Form von Thumbnails vorgefunden, die den Verdacht auf Besitz von pornografischer Darstellung Minderjähriger bestätigten.“

Abteilung Sexualdelikte

Dabei räumen die Ermittler ein, dass die Sichtungen nur stichprobenartig erfolgt seien, gelöschte Dateien und Videos gar nicht gesichtet werden konnten. Nach Rücksprache mit Oberstaatsanwalt Wolfgang Handler von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat die Soko Commerz die Abteilung Sexualdelikte des Landeskriminalamts Burgenland „hinsichtlich weiterer Ermittlungen um Amtshilfe ersucht“. Sie muss nun klären, wer wann welche verdächtigen Dateien auf die drei besagten Datenträger hochgeladen hat.

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