Chronik Österreich
01/20/2021

Ärztin wetterte bei Corona-Demo gegen "Gesundheitsdiktatur"

"Alte werden mit Impfstoffen erledigt": Steirische Ärztekammer geht disziplinarrechtlich vor, Betroffene relativiert nun.

von Elisabeth Holzer, Roland Pittner

Der Auftritt einer Medizinerin bei einer Kundgebung im burgenländischen Oberwart alarmiert: Alexandra Koller wetterte gegen die "Gesundheitsdiktatur" und das "Lügengebäude", das "weltweit" über die Corona-Pandemie verbreitet werde: "Seit elf Monaten erzählt man uns, dass wir alle einsperren müssen. Aber wie könnt ihr uns erklären, dass man unsere Alten mit experimentellen Impfstoffen erledigt?"

Von der mehreren Minuten dauernden Rede gibt es ein Video, das auf Youtube hochgeladen wurde. Bis Dienstagnachmittag war es für jedermann frei zugänglich, dann wurde es auf "privat" geschaltet.

"Elende Pharmadiktatur"

Damit lassen sich vorerst auch Behauptungen wie diese nicht mehr anhören: "Die Pandemie ist beendet, wenn wir sie beenden", meinte Koller. "Es ist Zeit, aufzustehenden und aus der elenden Pharmadiktatur auszutreten."

Abberufung gefordert

Laut den Grünen im Burgenland ist Koller Amtsärztin in Jennersdorf. Also in einer Funktion, die auch für die Umsetzung des Impfplans bedeutend ist. Doch das passt keinesfalls zusammen, empört sich Klubobfrau Regina Petrik.

"Eine Amtsärztin hat die Impfstrategie der Landesregierung umzusetzen", betont Petrik. "Wenn dieselbe Person in der Öffentlichkeit aber gegen Impfungen wettert, ist sie ungeeignet, als Amtsärztin weiter tätig zu sein." Die Landesregierung habe  Koller von ihrer Aufgabe zu entbinden.

Auf KURIER-Anfrage heißt es vom Land: "Uns sind die Umstände bekannt. Seitens des Landes werden daher in dieser Angelegenheit bereits mit Hochdruck dienst- bzw. disziplinarrechtliche Konsequenzen geprüft, die dann auch umgehend umgesetzt werden."

Konsequenzen

Da Koller auch in einer steirischen Therme einen Teilzeit-Job als ärztliche Leiterin im Kurbetrieb hat, bemüht sich auch die steirische Ärztekammer um eine rasche Klärung: Sie hat den Disziplinaranwalt eingeschaltet.

Präsident Herwig Lindner hat kein Verständnis für solche Äußerungen, aber "Ärzte, die gegen Impfungen auftreten, sind noch seltener als ernsthafte Impfreaktionen".

Ärztin relativiert

Im KURIER-Gespräch relativiert die Medizinerin ihre Aussagen. "Ich bin grundsätzlich für alle Therapieformen, die der Menschheit nützlich sind", sagt Koller. Die Aufregung verstehe sie nicht, sie leugne die Krankheit nicht, am vergangenen Sonntag habe sie lediglich "auf die Risiken der Impfung für ältere Personen hingewiesen und Informationen darüber mitgeteilt".

"Nicht böse gemeint"

Immerhin habe Norwegen die Impfungen bei über 80-Jährigen eingestellt und auch andere Länder, wie sie anführt. "Meine Rede war in keiner Weise böse gemeint, ich habe als Ärztin für die öffentliche Gesundheit gesprochen und nicht politisch. Da gibt es mir zu denken, warum dann die Politiker ein Problem damit haben, obwohl es ein ärztliches Thema ist", sagt Koller. Über berufliche Konsequenzen sei sie am Mittwoch von ihren Vorgesetzten noch nicht aufgeklärt worden, sagt sie.  

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