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Chronik Österreich
04/22/2020

Wirbel um Arzt: Er hält Covid-19 für "eher milde Grippewelle“

Mediziner aus der Steiermark muss sich vor der Ärztekammer rechtfertigen. Sie entscheidet, ob er weiter praktizieren darf.

von Elisabeth Holzer

Mehr als 17.000 Zugriffe hatte die  - ungeschnittene  - Version eines Interviews bis Mittwochnachmittag auf YouTube, das ein in der Steiermark tätiger Arzt einem TV-Sender gab. Ein Interview, das die oberste Standesvertretung der Mediziner hurtig auf den Plan rief: Der Kollege bezeichnete darin nämlich die aktuellen Covid-19-Erkrankungen als „normale, eher milde Grippewelle“ und die Maßnahmen der Regierung als „vollkommen unverhältnismäßig“.

"In Isolation geschickt"

Und weiter: Die Menschen sterben „nicht an, sondern mit“ Corona, sagt der Arzt. „Die Autoritäten setzen Maßnahmen, die eigentlich keinen Hintergrund haben und nicht nachvollziehbar sind.“ Menschen seien ihrer Beziehungen „beraubt und in Isolation geschickt worden“.

Der Allgemeinmediziner bekam eine Vorladung zum „Ehrenrat“, sobald diese Aussagen publik wurden. Dies sei ein „beratendes Gremium“ der Ärztekammer, beschrieb deren Sprecher Sascha Bunda und bestätigte einen Bericht der Kleinen Zeitung: Durch seine Äußerungen „leugne er jegliche Richtigkeit der Informationen betreffend Corona“ und würde „zum zivilen Ungehorsam aufrufen“.

Der Rat prüft, ob die „Vertrauenswürdigkeit eines Arztes noch gegeben ist“, beschrieb Bunda am Mittwoch das Prozedere auf KURIER-Anfrage. Danach gibt es eine Empfehlung an die Ärztekammer; letztlich entscheidet deren Führungsgremium, ob der Betreffende aus der Ärzteliste gestrichen wird. In diesem Fall dürfte er nicht mehr in Österreich praktizieren.

Einzelfall?

Derzeit steht der Tagungstermin des „Ehrenrates“ noch nicht fest. Offen bleibt auch eine andere Frage, nämlich, ob dies ein Einzelfall ist. Dazu könne er „keinen Kommentar“ abgeben, betont Kammer-Sprecher Bunda.