© Milan Automotive/Gerrit Gloeckner

Chronik Österreich
04/24/2019

1325-PS-Sportwagen aus Österreich: Anklage wegen Millionenbetrugs

Zahlreiche Opfer, darunter auch ein ORF-Regisseur / Konstrukteur plädiert auf „nicht schuldig“

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Der mutmaßliche Millionenbetrüger warf mit prominenten Namen nur so um sich. Carlos Slim, den ehemals reichsten Mann der Welt, will er gekannt haben. Die Schauspielerin Pamela Anderson soll sein Team gesponsert haben, in dem er als Rennfahrer aktiv gewesen sei. Der österreichische Manager Siegfried Wolf stünde angeblich als Finanzier hinter seinem Projekt, einen Supersportwagen mit 1325 PS zu bauen. Und der monegassische Fürst Albert hätte bereits zehn Fahrzeuge bestellt.

Zumindest sieben Personen glaubten dem angeblichen Supersportwagen-Konstrukteur Markus Fux aus Niederösterreich und gaben ihm Geld. Die Staatsanwaltschaft Wien geht dabei von schwerem und gewerbsmäßigen Betrug aus, wie die Anklageschrift belegt, die dem KURIER vorliegt. Darin ist von einem Schaden von exakt 1,117.842 Euro und 22 Cent die Rede. Fux selbst bestreitet alle Vorwürfe vehement.

ORF-Mann als Opfer

Auf elf Seiten lässt die Justiz kein gutes Haar an den Plänen von Fux, der bereits mehrere einschlägige Vorstrafen auf seiner „Speisekarte“ hat. Sogar noch mit der Fußfessel soll er bereits erste Versuche gestartet haben,Geld zu lukrieren. Es gelang ihm sogar, einen ORF-Regisseur für Videos zu engagieren – der aber seine Flüge nach Dubai selbst finanzierte und auf über 12.000 Euro Reisekosten sitzen bleibt.

Der Regisseur sorgte auch dafür, dass ein Plastik-Modell mit einer Speditionsfirma nach Dubai und zurück transportiert wurde – die 50.000 Euro für den Transport wurden bis heute nicht beglichen.

Fux tischte vielen seine Geschichte einer ehemaligen Rennfahrer-Karriere auf, irgendwie gelangten sogar Berichte über ihn ins Internet und Videos auf Youtube. Tatsächlich dürfte er gerade einmal ein Rennen der GT-Serie bestritten haben.

Ein Autoverkäufer kündigte für ihn sogar seinen Job. Fux versprach ihm den Posten eines Verkaufsleiters mit zunächst 5000 und dann 12.500 Euro Monatslohn.

Der Autoverkäufer erhielt nicht nur keinen Cent, er finanzierte dem Niederösterreicher und dessen Freundin sogar eine Reise mit Businessclassflug nach Mexiko. Fux wollte dort den Milliardär und Industriellen Slim – angeblich ein ehemaliger Chefmechaniker von Formel-I-Fahrer Sebastian Vettel – treffen. Doch leider kam kein Treffen mit dem Investor zustande.

Am meisten Geld bekam er jedoch von einem etwas dubiosen Immobilien-Investor, der ihm ab dem Sommer 2017 rund 780.000 Euro in elf Tranchen überwies. Als Sicherheit bot ihm Fux laut Anklage einen Prototyp des Sportwagens „Milan“ an, der ihm offenbar nicht einmal gehörte. Das Fahrzeug, das einst von Abarth und nicht von Fux gebaut wurde, gehörte jemand anderem, der es ihm nur als Schauobjekt zur Verfügung stellte.

Da ein Foto von Rennfahrgrößen wie David Coulthard, Heinz Kinigadner und Dieter Quester mit diesem Auto existierte, warb Fux damit, dass diese als angebliche Testfahrer für ihn unterwegs waren.

Fux drohen jedenfalls bis zu zehn Jahre Haft. Im Falle einer Verurteilung könnte – aufgrund des langen Vorstrafenregisters – der Rahmen annähernd ausgeschöpft werden. Ein Geständnis ist nicht zu erwarten:

Nur verschätzt?

Fux-Verteidiger Bernhard Wagner konnte sich erst kürzlich einen Überblick über den Strafakt und den Abschlussbericht des Landeskriminalamts verschaffen. An der Verantwortung seines Mandanten Markus Fux ändert das im Wesentlichen aber nichts.

„Er wird sich nicht schuldig bekennen“, sagt Wagner zum KURIER. „Mit der Begründung, dass eine Finanzierung des Projekts erwartet wurde, aber das wirtschaftliche Risiko falsch eingeschätzt wurde.“ Wagner hat gegen die U-Haft von Fux Beschwerde eingebracht.

Die Anklageschrift: "Sieben einschlägige Verurteilungen"

Die Staatsanwaltschaft Wien hat im Rekordtempo von zehn Wochen nach der Verhaftung von Markus Fux die Anklage fertiggestellt. Darin wird auch „der Widerruf einer bedingen Entlassung aus einer Freiheitsstrafe beantragt“. Verdächtiger Autobauer Fux bestreitet Betrugsvorwürfe. Auf elf Seiten wurden die Vorwürfe komprimiert:

„Er weist bereits sieben einschlägige Verurteilungen (…) auf.“

„Gegenüber seinen Geschäftspartnern gab er sich als ehemaliger erfolgreicher Rennfahrer aus, der auch Erfolge in den USA zu verbuchen habt. Diese Angaben entsprechen nicht den Tatsachen.“  
Die Aussagen der Zeugen belegen (...) eindrucksvoll, dass Markus Fux stets bestrebt war, die vermeintliche Beteiligung von finanzstarken Investoren hervorzuheben und dadurch die Geschädigten zur Leistungserbringung zu bewegen.“

 „Er gab ihm (Anm.:Investor) gegenüber im Vorfeld wiederum wahrheitswidrig vor, dass Siegfried Wolf in das Projekt eingestiegen sei und dass Fürst Albert von Monaco bereits zehn Stück des Fahrzeugs gekauft habe.“

„Grund der Reise  war die Vorgabe des Angeklagten in Mexiko einen potenziellen Großinvestor, nämlich Carlos Slim, (...) zu treffen. Diese Treffen kam nie zustande.“

„Gegenüber den Verantwortlichen des Transportunternehmens gab er an, dass nach der Ausstellung des Fahrzeugs in Dubai mit zahlreichen Bestellungen zu rechnen sei und er dadurch die Kosten bedienen könne.“

„Bei sämtlichen Handlungen kam es dem Angeklagten Markus Fux darauf an, sich durch die wiederkehrende Begehung von schweren Betrügereien zumindest für Monate hindurch ein nicht bloß geringfügiges Einkommen zu verschaffen.“

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