Chronik | Oberösterreich
30.10.2018

Private Bürgerwehr: Wie sicher ist Linz tatsächlich?

Eine rechtsextreme Gruppe will in Linz nach dem Rechten sehen. Aber ist es wirklich so schlimm? Ein Kurier-Faktencheck.

Die Ankündigung einer rechtsextremen Gruppe im Internet, in der Linzer City auf Patrouillengängen nach dem Rechten sehen zu wollen, sorgt für Aufsehen. Der KURIER recherchierte die Fakten zur Sicherheitssituation in der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Ist es wirklich so schlimm, wie die Gruppierung behauptet?

Gibt es in Linz einen aktuellen Grund für die Aktion. Steigt die Kriminalität?

Tatsache ist, dass die Kriminalität in Linz zurückgeht. In der Halbjahresstatistik gingen die angezeigten Fälle heuer von Jänner bis Juni im Vergleich zu 2017 um 2,3 Prozent auf 9146 Fälle zurück. Die Zehnjahresstatistik belege den Trend eindeutig, im Gegenzug steige die Aufklärungsrate, sagt Polizei-Sprecher David Furtner.

Rund um gewisse Hotspots, wie den Hauptbahnhof und Parks kochte das Thema Sicherheit in Linz immer wieder hoch. Welche Maßnahmen wurden gesetzt?

In Linz wird die Arbeit der Polizei in gewissen Bereichen vom städtischen Ordnungsdienst unterstützt. Zuletzt wurden ortspolizeiliche Verordnungen wie Schutzzonen beim Hinsenkampplatz, in der Turmstraße oder am Hessenplatz durchgesetzt. Hauptsächlich galt die Maßnahme der Verhinderung des Drogenhandels, am Hessenplatz wurde ein Alkoholverbot erlassen. Die ÖBB stockte ihr Security-Personal im Bahnhof Linz auf.

In Linz gab es immer wieder Kritik, dass es große Lücken beim Personalstand der Polizei gibt. Wie ist der aktuelle Stand?

Derzeit fehlen laut dem Linzer Sicherheitsreferenten und Vizebürgermeister Detlef Wimmer (FPÖ) in Linz 124 Beamte. Wimmer lehnt eine private Bürgerwehr massiv allerdings massiv ab. Er rechnet mit einer entsprechenden Zuteilung von derzeit in Ausbildung befindlichen Beamten. Heuer wurden in OÖ 250 Jungpolizisten aufgenommen, insgesamt befinden derzeit 500 in Ausbildung.

Welche Reaktionen gibt es aus der Bevölkerung zu den angeblichen Patrouillen-Gängen privater Freiwilliger?

Bei der Polizei wird laut Sprecher David Furtner in den sozialen Medien großer Widerstand gegen diese Pläne registriert. Deutliche Kritik war auch bei einem Lokalaugenschein des KURIER im Beislviertel der Linzer Innenstadt vernehmbar. Sprecher der Gastronomie äußerten sich ablehnend über die Gruppierung. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger will eine Erklärung aller Parteien, auch als Vertrauensbeweis für die Polizei, initiieren. „Wir brauchen keine Bürgerwehr“, sagt er.

Wann will die selbst ernannte Bürgerwehr in Linz agieren?

Laut Ankündigung sollen erste Patrouillen in der Nacht vom Samstag auf Sonntag stattfinden. „In Zeiten zunehmender Kriminalität haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, durch professionell organisierte Patrouillen, ehrenamtlich zur Sicherheit auf unseren Straßen beizutragen“, so die „Beschützer“.

Wie wird die Polizei auf den möglichen Einsatz der Privat-Sheriffs reagieren.

Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) und das Stadtpolizeikomanndo Linz nehmen die Privatwächter genau unter die Lupe. „Sollten derartige Gruppen angetroffen werden, werden sie kontrolliert und die Personalien aufgenommen“, kündigt der Polizei-Sprecher Furtner an.

 

Nachgefragt: "„Wie sicher fühlen Sie sich in Linz noch?“

Claudia Johnson, Linz: "Ich orte kein außerordentliches Sicherheitsproblem in unserer Stadt. Vorkommnisse gibt es überall, aber wir haben genug Polizei. Von einer Bürgerwehr halte ich gar nichts."

Katharina Hofmann, Linz: "Ich wohne mitten in der Altstadt,  wo auch die Lokale sind. Ich hatte noch keine negativen Erlebnisse . Ich habe auch keine Angst, auch weil ich kein ängstlicher Mensch bin."

Astrid Obermayr, Reichenau"Im Vergleich zu früher, als ich in der Stadt wohnte, ist es für Frauen punkto Sicherheit nicht besser.  Aber ich bezweifle zutiefst, dass private Wächter etwas verbessern können."