Intensivstation (Symboldbild)

© APA/dpa/Sebastian Gollnow

Chronik Oberösterreich
11/10/2021

Droht in Oberösterreich ein Lockdown für Ungeimpfte? Lage spitzt sich zu

Intensivbetten und Personal in Spitälern werden knapp. Kritische Auslastung laut Prognose in zwei Wochen überschritten.

von Petra Stacher

Es ist eine Art Déjà-vu - all das, was die Corona-Pandemie betrifft. Wie vergangenen Herbst steigen die Zahlen drastisch, die Intensivbetten stoßen an ihre Grenzen. Allen voran Oberösterreich. Schon seit Wochen wird die Lage im Industriebundesland Oberösterreich immer dramatischer. Nun scheint ein regionaler Lockdown nicht unwahrscheinlich.

Erst vergangene Woche Donnerstag versuchten Landeshauptmann Thomas Stelzer und seine Stellvertreterin und Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (beide ÖVP) mit der Ankündigung über weitere Maßnahmen – unter anderem eine Impflotterie – noch die Handbremse zu ziehen. Bis dato haben diese jedoch noch keine Wirkung gezeigt.

Höchste 7-Tage-Inzidenz

Zwar stiegen die Erstimpfungen in den vergangenen Tagen an, in den Zahlen macht sich das aber nicht bemerkbar. So meldete das Bundesland von Dienstag auf Mittwoch erneut 3.424 Neuinfektionen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 1.137,8.

In einigen oberösterreichischen Krankenhäusern spitzt sich deshalb die Lage nach wie vor zu. Planbare Operationen sind bereits betroffen, sie müssen teilweise verschoben werden, sagt etwa Erwin Windischbauer, Geschäftsführer vom Krankenhaus Braunau. Sollten die derzeit politisch getroffenen Maßnahmen nicht helfen, bliebe  „nur mehr ein harter Lockdown“.

Derzeit liegen in seinem Krankenhaus sechs Personen wegen Covid-19 auf der Intensiv. „Wir haben keine zusätzlichen Intensivbetten für Covid-Patienten mehr“, sagt Windischbauer. Impfdurchbrüche seien aktuell keine dabei.

333 Intensivbetten belegt

Insgesamt können 333 Intensivbetten in Oberösterreichs Spitälern maximal betrieben werden. Derzeit sind 103 Plätze für Covid-19-Erkrankte reserviert, 86 waren mit Stand Mittwochfrüh belegt. 147 Intensivbetten sind für Patienten mit anderen Krankheiten da.

Probleme bereite laut Windischbauer auch die Personalverfügbarkeit. Er spricht von  Krankenständen und quarantänebedingten Ausfällen, die in manchen Bereichen viermal so hoch seien wie im langjährigen Durchschnitt. Aktuell seien 41 Beschäftigte an Covid-19 erkrankt. „Darüber hinaus müssen wir viele offene Planstellen verzeichnen.“

Auch in Steyr wird das zur Verfügung stehende Personal weniger: Auf der Onkologie ist ein Cluster mit sechs Beschäftigten entstanden. Drei von ihnen waren geimpft, bestätigte die der Krisenstab einen Artikel der Kronen Zeitung am Mittwoch.

Versäumnisse

Schon seit Wochen wird die oö. Landesregierung von anderen Landtagsparteien kritisiert. SPÖ-Gesundheitssprecher Peter Binder sieht etwa ein Versäumnis der zuständigen Gesundheitsreferentin Haberlander. Bloße Appelle würden nicht wirken, wenn eine Hälfte der ÖVP-FPÖ-Koalition im Land diese torpediere, nimmt er auf die oberösterreichische FPÖ Bezug.

Wie es nun weitergeht, entscheidet sich um 16.30 Uhr. Da treffen sich Stelzer, Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und Landeshauptmann von Salzburg, Wilfried Haslauer (ÖVP) per Video, zu einem „Abstimmungsgespräch“ wie es aus OÖ heißt. Inoffiziell möchte Mückstein einen regionalen Lockdown, die Landeschefs jedoch nicht. Aus dem Büro Stelzer heißt es, dass die kürzlich getroffenen Maßnahmen erst einmal greifen müssen, bevor weiter verschärft werde.

Kritische Grenze

Fakt ist: Steigen die Zahlen so rasant weiter rückt das Erreichen der systemkritischen Auslastung im intensivmedizinischen Bereich (ICU) näher. Davor warnt das Covid-19-Prognose-Konsortium in seiner am Mittwoch erstellten Kapazitätsvorschau. „Die Überschreitung der 33-prozentigen Auslastungsgrenze ist am 24. November in allen Bundesländern möglich“, betonen die Experten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastung auf den Intensivstationen in Oberösterreich in zwei Wochen überschritten wird, liegt dem Prognose-Konsortium zufolge bei 95 Prozent.

In einer Belagsprognose geht das Konsortium davon aus, dass in zwei Wochen im schlimmsten Fall mehr als 900 Covid-Kranke auf Intensivstationen liegen könnten. Der errechnete Mittelwert liegt bei 748 intensivpflichtigen Patienten. Die meisten – nämlich bis zu 200 – werden in Oberösterreich erwartet.

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