Landesrat Kaineder und Klimaforscher Formayer.

© Land OÖ

Chronik Oberösterreich
08/13/2021

Klimaforscher in Linz: "Temperaturrekord ist überfällig"

Dass hierzulande die 40-Grad-Marke noch nicht erreicht wurde, überrascht Hubert Formayer. Nun sei Zeit, um vorzubeugen.

von Petra Stacher

„Wir werden auch in Oberösterreich die 40 Grad-Marke knacken“, prognostiziert Hubert Formayer, Klimaforscher an der BOKU Wien, am Freitag in Linz. Der grüne Landesrat Stefan Kaineder hat ihn eingeladen, um die neue oö. Hitzestudie zu präsentieren.

Innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte ist die Jahresmitteltemperatur in OÖ um 1,4 Grad Celsius gestiegen. „Etwa genauso viel, nämlich noch einmal ein bis eineinhalb Grad, erwarten wir bis Mitte dieses Jahrhunderts. Auch wenn wir die Klimaziele erreichen, lässt sich diese Entwicklung nicht mehr aufhalten“, sagt Formayer.

Vorboten dafür gebe es schon jetzt: Die Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad haben sich mehr als verdoppelt, dazu kommen vermehrt Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Hitzewellen werden zudem länger und heißer. Nur die Rekordtemperaturen hätten sich noch kaum verändert, doch auch das werde sich ändern, ist sich Formayer sicher.

Schnee wird knapp

Nun sei deshalb die Zeit, zu handeln und sich darauf vorzubereiten. „Wir können mit technischen Hilfsmitteln, wie dem Dämmen, etwa ein Grad kompensieren. Alles was darüber hinausgeht, wird jedoch der Körper abpuffern müssen“, erklärt er. Schreitet die Erderwärmung weiterhin so voran, werde es Gegenden wie die Tropen geben, in denen keine Menschen mehr leben könnten.

Prinzipiell sei er selbst überrascht, wie schnell der Klimawandel vonstattengeht. „Die Klimamodelle, die wir vor 20 Jahren angefertigt haben, verlaufen flacher. Die Rekorde sind aber nicht mehr im Zehntelbereich, sondern steigen gleich um ein Grad.“

Auswirkungen hat das auch auf Extremereignisse: „Zehn Prozent mehr Niederschlagsintensität pro Grad Erwärmung“, rechnet er vor. Auch im Winter werde es künftig mehr regnen als schneien. Zum Problem könnte das vor allem für Skigebiete unter 1.500 Höhenmetern sein. „Skigebietsbetreiber sollten beten, dass das Pariser Klimaabkommen erfüllt wird.“

Grünflächen erhalten

Doch Formayer hat auch gute Nachrichten parat, denn eigentlich wüsste man, wie die Entwicklung entschleunigt werden könnte: „Wir müssen die Treibhausgase reduzieren und mit erneuerbaren Ressourcen arbeiten. Das ist aber ein soziales politisches Problem.“

Und genau dort möchte Kaineder einhacken: Er fordert mehr öffentliches Geld für den Klimaschutz. Zudem müsse der Flächenverbrauch gestoppt und Grünflächen geschützt werden sowie das Klima in allen politischen Entscheidungen oberste Priorität haben. „Die Wohlstandsgesellschaft klimaneutral zu machen ist unser historischer Auftrag“, sagt er. Denn, wo werde einmal das Essen wachsen, wenn das Land der Äcker versiegelt und ausgetrocknet ist.

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