Das Naturhotel Molzbachhof in Kirchberg am Wechsel punktet mit seinem Gesundheitsangebot und besonderer Kulinarik 

© Wiener Alpen/Molzbachhof

Chronik Niederösterreich
01/27/2022

Wiener Alpen: Eine Region will ihre Gäste zu Bett bringen

Neue Tourismusstrategie zielt auf den Mehrtagesgast, den Charme der Sommerfrische, kulturelle Erlebniswelten und Winter-Attraktionen abseits vom Schnee ab

von Patrick Wammerl

Als Urlaubsregion waren die Wiener Alpen, das Gebiet zwischen Baden, Wiener Neustadt, Semmering, Schneeberg und Wechsel, bisher eher für die Sommerfrische, den Tagesskigast und Wanderer bekannt. Weil Studien der Region nach der Wachau allerdings das größte touristische Entwicklungspotenzial und die dynamischste Entwicklung in ganz Niederösterreich prophezeien, soll eine neue Strategie vor allem den Nächtigungstourismus ankurbeln.

„Es geht vor allem um die Positionierung als Ganzjahresdestination. Wir werden einen großen Fokus auf das Kulturerlebnis richten und Winter-Produkte etablieren, die auch unabhängig vom Schnee funktionieren“. Mit dieser Ansage hat sich am Mittwoch die neue Geschäftsführerin der Wiener Alpen in NÖ Tourismus GmbH, Mariella Klement-Kapeller, Medienvertretern präsentiert.

Die Strategie, die dahinter steckt: Durch gezielte Angebote den Ausflugsgast zum Kurzurlauber und den Kurzurlauber zum Feriengast zu machen, sagt Tourismus-Landesrat Jochen Danninger (ÖVP).

Eine Million Nächtigungen

In der Vorkrisenzeit 2018 knackte man in der Region Wiener Alpen den Nächtigungsrekord von einer Million. Durch die Pandemie sind es nun nicht mehr als 700.000 Nächtigungen pro Jahr. Es gibt demnach deutlich Luft nach oben.

Zulegen will man durch mehrere Initiativen, skizziert Michael Duscher von der NÖ Werbung. Durch die Positionierung von Wiener Neustadt reift man allmählich zur kulturtouristischen Musterdestination. Die Neuaufstellung der Reichenauer Festspiele und die Positionierung des Südbahnhotels am Semmering zu einem Kultur-Hotspot passe dabei bestens dazu, meint Duscher. Aufholbedarf habe man allerdings bei qualitativ hochwertigen Nächtigungsbetrieben. Viele kleine Beherberger hätten einen massiven Rückstau bei der Modernisierung und dadurch kaum noch Frequenz. „Die Gäste legen aber immer mehr Wert auf gute Qualität“, so Danninger.

Deshalb legt man große Hoffnungen in die neuen Vorzeige-Projekte: Hotelier Florian Weitzer macht das monumentale Kurhaus Semmering für 40 Millionen Euro zum Grand Semmering und Immobilien-Unternehmer Christian Zeller eröffnet 2025 das umgebaute Südbahnhotel.

Ein besonders positives Beispiel für erfolgreichen Nächtigungstourismus gibt es im „verschlafenen“ Kirchberg am Wechsel.

Das 4-Sterne-Wellness- und Naturhotel Molzbachhof mit Naturbadeteich, Pool und Paradies-Kräutergartl wurde von Peter Pichler und seiner Familie zu einem Leitbetrieb der Region entwickelt. 1969 wurde das Haus mit einem Fremdenzimmer und Gaststube mit 60 Sitzplätzen eröffnet. In dritter Generation hat man 2017 Mut bewiesen und in Holzbauweise ohne Leim, Nägel und Chemie einen Naturzubau für vier Millionen Euro gewagt. „Unsere beste Entscheidung“, sagt der Junior-Chef. Die 90 Betten erfreuen sich so großer Nachfrage, dass man bereits über die nächste Erweiterung nachdenkt.

Mit dem Gourmetrestaurant „Gaumenkitzel“ hat die Familie bei Feinschmeckern und Wein–Liebhabern weit über die Landesgrenzen hinweg voll ins Schwarze getroffen. 2021 haben sie mit ihrem Fine-Dining-Projekt drei Hauben erkocht und wurden mit 15,5 von 20-Gault Millau-Punkten bewertet.

Der klassische Gast bleibt im Schnitt 3,7 Nächte, schätzt die Naturverbundenheit, das Wellnessangebot und vor allem die Küche, fasst Pichler zusammen.

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