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Chronik Niederösterreich
03/15/2020

Semmering: Lichtblicke am Hausberg der Wiener

Ukrainische Investoren haben die Krise durchgetaucht. Neue Tourismusideen versprühen Aufbruchsstimmung.

von Patrick Wammerl

Die Lifte standen wegen technischer Mängel tagelang still, auf der Großbaustelle im Grand Hotel Panhans ging die Finanzpolizei ein und aus und die Hotelburgen blieben sowieso geschlossen. Es ist zwei Jahre her, dass die ukrainischen Investoren am Semmering mit einer Pleiten- Pech- und Pannenserie Horror-Schlagzeilen am laufenden Band lieferten. Die Krise scheint überstanden, es herrscht Aufbruchsstimmung am Hausberg der Wiener.

Viktor Babushchak sitzt entspannt und mit einem breiten Lächeln an der Talstation der Bergbahnen am Semmering-Hirschenkogel. Einige Sportler genießen die letzten Frühlingsskitage. Der ukrainische Geschäftsmann blickt angesichts der für Skigebiete katastrophalen Wetterlage auf eine durchwachsene, mit 700.000 Beförderungen aber „immer noch akzeptable“ Wintersaison zurück.

Intervention des Landes

Vergessen sind die Zeiten, in denen der Chef der Panhans-Holding-Group (dazu zählen die Bergbahnen, das Grand Hotel Panhans, das Sporthotel, Kurhaus Stühlinger, Ring-Hotel und Bergrestaurant Liechtensteinhaus) viel Kritik einstecken musste.

Weil zu viele Betriebe in der Region vom Tourismus am Semmering abhängig sind, schaltete sich im Krisenjahr sogar die Politik ein und das Land NÖ machte den ukrainischen Investoren ein Übernahmeangebot – zumindest für das Skigebiet. Doch Babushchak winkte ab und schaffte es, die Aktionäre und Investoren der Holding-Group vom weiteren Engagement am Semmering zu überzeugen.

Schulden abgebaut

Das war notwendig, damit weitere Geldmittel für dringend anstehende Investitionen locker gemacht wurden. „Als wir den Betrieb 2013 übernommen haben, standen 18 Millionen Euro Schulden auf dem Papier. Bis heute haben wir 14 Millionen davon abgebaut. Aber nur wenn wir weiter ausbauen, können wir auf lange Sicht überleben“, so der Unternehmer.

Wie sich im heurigen milden Winter gezeigt hat, waren die Investitionen vor der Skisaison Gold wert, meint Betriebsleiter-Stellvertreter Josef Autischer. Um knapp eine Million Euro wurden zwei Pistengeräte der neuesten Generation gekauft, 30 zusätzliche Schneekanonen und ein völlig neues Wasser- und Stromleitungsnetz sorgten für eine Beschneiungsqualität wie nie zuvor. „Ohne dem neuen System hätte es in diesem Winter miserabel ausgesehen“, sagt Babushchak.

Semmerings Bürgermeister Hermann Doppelreiter kann das nur bestätigen: „Wir hatten von den Urlaubern durchwegs positive Rückmeldungen in der heurigen Saison. Das war ja leider nicht immer so“, sagt der Ortschef.

Babushchak weiß, wie viele Geschäfte, Hotels, private Zimmervermieter und andere in der Region vom Tourismus und dem Liftbetrieb abhängig sind. Deshalb tüfteln die Bergbahnen auch bereits an einem neuen Highlight für die Sommersaison.

Die warme Jahreszeit beschert den Liftbetrieben bereits 40 Prozent ihres Umsatzes. „Und das wird noch viel stärker werden. In dieser Höhenlage, in der wir uns befinden, liegt die Zukunft im Sommertourismus. Wir brauchen daher gute Konzepte und wir haben eines.“ Was genau, will der Ukrainer erst verraten, wenn alle Unterschriften fixiert sind. Neben dem Mountainbike-Downhill-Park soll es aber eine weitere „spektakuläre Attraktion“ sein.

Sorgenkind Panhans

Das größte Sorgenkind am Semmering ist und bleibt das Grand Hotel Panhans. Die Ukrainer haben das Hotel-Flaggschiff und Aushängeschild des Kurortes bereits vor vier Jahren geschlossen und renovieren es seither. Auch zwei andere Leitbetriebe der Gruppe wurden dicht gemacht. Der Region gehen dadurch fast 50.000 Nächtigungen pro Jahr verloren. Für Babushchak hat das Panhans in seiner ursprünglichen Form keine Zukunft mehr. Deshalb wird gerade an einem neuen Konzept gearbeitet. Details soll es bald geben.

Hotelier Weitzer als neue Chance

Der Bau der Ghega-Bahn über den Semmering war um 1854 so etwas wie die touristische Geburtsstunde des Ortes. Als in den folgenden Jahrzehnten die berühmten Monumentalbauten wie das Südbahnhotel, das Kurhaus Semmering oder das Panhans errichtet wurden, erkannte die „feine Gesellschaft“ vor allem aus Wien den Semmering als Sommerfrischeziel. Oskar Kokoschka, Karl Kraus oder Kaiser Karl I. verbrachten im mondänen Kurort ihre Ferien.

Die in diversen Stilrichtungen erbauten Häuser entsprachen aber nicht jedermanns Geschmack. „Der Semmering gefällt mir nicht“, beschrieb Egon Schiele „die vielen kitschigen Almhütten“. Und der bekannte Architekt Adolf Loos ärgerte sich über den Versuch, „der Natur mit steilen Dächern, Erkern und anderem rustikalen Gejodel entgegenzukommen“.

Reputation über den Krieg gerettet

Nach dem Untergang der Monarchie blieb der Semmering, anders als andere Fremdenverkehrsgemeinden, eine beliebte Destination, in der etwa Sigmund Freud Erholung suchte. Alma Mahler-Werfel hatte in Breitenstein am Semmering ein Sommerhaus. Und 1928 sorgte die weltberühmte Tänzerin Josephine Baker für Schlagzeilen, da die Hotelboys nach ihrer Ankunft im Panhans einen halben Tag damit beschäftigt waren, die Koffer der 22-jährigen Schönheit auszupacken.

Einen Hauch von damals will ein bekannter Hotelier dem Semmering zurück bringen. Fasziniert von der Geschichte des Kurortes hat Geschäftsmann Florian Weitzer das Kurhaus Semmering gekauft, immerhin das sechste Hotel seiner Firmengruppe. Sein Ziel für die kommenden Jahre: „Mit viel Einfühlungsvermögen dem Kurhaus neues Leben einhauchen; ihm den Stolz und die Würde zurückzugeben, die es zu seinen Glanzzeiten hatte.“

Zahlen und Fakten zum Semmering

536Einwohner stehen am Semmering fast 900 mit einem Zweit- oder Nebenwohnsitz gegenüber.

985Meter beträgt die Seehöhe des heilklimatischen Höhenluftkur- und Fremdenverkehrsorts.

50.000 Nächtigungen pro Jahr bedeuteten zuletzt am Semmering die niedrigsten Übernachtungszahlen seit Jahrzehnten. In der Hochzeit lag die Zahl jenseits der 100.000er-Marke.

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