Laut Hersteller sind Durchstichflaschen von Propofol nach Anbruch sofort, aber spätestens nach zwölf Stunden aufzubrauchen

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Chronik Niederösterreich
09/11/2020

Todesfälle mit Propofol: Anklage und neuer Fall in NÖ-Spital

Anästhesist aus Badener Kinderwunsch-Klinik muss wegen grob fahrlässiger Tötung vor Gericht. In Wr. Neustadt gibt es einen weiteren Todesfall.

von Patrick Wammerl

Die tödliche Tragödie in einer Kinderwunschklinik in Baden (NÖ) landet im Herbst vor Gericht. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl, gegenüber dem KURIER bestätigt, wurde gegen den Narkosearzt Anklage wegen grob fahrlässiger Tötung und grob fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen eingebracht.

Dem Strafantrag zur Folge hat der erfahrene Anästhesist einen schweren Behandlungsfehler begangen, in dem er den drei Patientinnen verunreinigtes Propofol als Narkosemittel gespritzt hat. Das bereits geöffnete Fläschchen, das er verwendete, hatte er zuvor zwischen den Lebensmitteln in seinem Privatkühlschrank gelagert. Pia M. (32) starb, zwei andere Frauen kämpften tagelang auf der Intensivstation um ihr Leben.

Fall im Landesklinikum Wr. Neustadt

Mittlerweile ist ein ähnlich gelagerter Fall bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt anhängig, bestätigt Habitzl. Gegen einen Mediziner des Landesklinikums Wiener Neustadt wird ebenfalls wegen grob fahrlässiger Tötung im Zusammenhang mit dem Narkosemittel Propofol ermittelt.

Der Spezialist für Innere Medizin steht im Verdacht, bei zwei Eingriffen Fehler bei der Verabreichung von Propofol begangen zu haben. Im Sommer des Vorjahres starb ein Patient nach einer Gallenuntersuchung, bei einer zweiten Patientin traten bei dem gleichen Eingriff unter Narkose schwere Komplikationen auf.

Die Fälle wurden zunächst nicht angezeigt. Erst durch ein anonymes Schreiben aus dem Kreise von Spitalsinsidern am 12. März dieses Jahres wurde die Angelegenheit bei der Polizei und Staatsanwaltschaft ins Rollen gebracht, bestätigt Habitzl. Das Ermittlungsverfahren ist laut Auskunft des Staatsanwaltes noch im Gange.

Der Facharzt hat mittlerweile am Landesklinikum gekündigt. Da es zuvor auch schwere interne Streitigkeiten gegeben haben soll, können die Ermittler nicht ausschließen, dass an den Vorwürfen garnichts dran ist. Es sind noch Zeugeneinvernahmen ausständig. Die bisherigen Ergebnisse lassen darauf schließen, dass jemand aus der Spitalsbelegschaft einen tiefen Groll gegen den betroffenen Facharzt hegt.

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