Laut Hersteller sind Durchstichflaschen von Propofol nach Anbruch sofort, aber spätestens nach zwölf Stunden aufzubrauchen

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Chronik Niederösterreich
06/16/2020

Kinderwunsch-Klinik: Narkosemittel nicht mehr steril

Gutachten soll möglichen Behandlungsfehler in Badener Klinik klären. Eine Frau starb, zwei Patientinnen liegen im Koma.

von Patrick Wammerl

Die Ermittlungen im Fall der tödlichen Tragödie in dem renommierten Kinderwunsch-Institut in Baden (NÖ) deuten auf einen fatalen Narkosefehler hin. Ein Gerichtssachverständiger aus dem Fachgebiet der Anästhesiologie und Intensivmedizin soll deshalb klären, ob ein klassischer Behandlungsfehler des Narkosearztes vorliegt. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat am Montag zu diesem Zweck ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, bestätigt Behördensprecher Erich Habitzl.

Pia M. hatte einen sehnlichen Wunsch – und der war ein Kind. Die 32-jährige Tochter eines bekannten Grazer Unternehmer-Ehepaares war deshalb am 3. Juni für eine Follikel-Punktion in der Badener Klinik. So wie zwei anderen Patientinnen an diesem Tag wurden ihr in einem fünfzehnminütigen Eingriff unter Narkose Eizellen aus den Eibläschen entnommen.

Nachdem alle drei Frauen etwa zwei Stunden nach der Punktion das Ambulatorium bei normaler Gesundheit verlassen konnten, traten Stunden später schwerste Komplikationen auf. Alle wurden in Krankenhäuser eingeliefert und mussten sofort auf die Intensivstation. Pia M. starb am 5. Juni im Krankenhaus Hietzing an einem Multiorganversagen nach einem septischen Schock. Laut eines mikrobiologischen Gutachtens wurde dieser durch einen Keim ausgelöst. Deshalb wird bereits gegen den Anästhesisten, der in allen drei Fällen die Narkose durchführte, wegen grob fahrlässiger Tötung sowie grob fahrlässiger schwerer Körperverletzung ermittelt.

Angefangene Ampullen

Der über 60-jährige Narkosearzt hat womöglich einen Fehler begangen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand dürften bei den Eingriffen bereits zuvor verwendete Ampullen Propofol benutzt worden sein. Das Mittel ist allerdings laut führenden Anästhesisten "hoch antiseptisch" zu verwenden – das bedeutet: steril aufbewahrt, kühl gelagert und gegen jede Form der Verunreinigung geschützt. "Propofol ist ein unverzichtbares Medikament in der Narkosemedizin. Da es aber gerade auf Keime anfällig ist, verwendet man Durchstichfläschchen in der Regel nur einmal und wirft angefangene Ampullen weg", erklärt ein führender Anästhesist und Intensivmediziner im Gespräch mit dem KURIER.

Fügt man die derzeit bekannten Puzzleteile im gegenständlichen Fall zusammen, gilt eine Kontamination des Propofol als die wahrscheinlichste Ursache für den Zwischenfall. Die Staatsanwaltschaft erwartet sich nähere Aufschlüsse durch ein toxikologisches Gutachten der im Blut befindlichen Stoffe aller drei Patientinnen.

Außerdem werden auch chemische Analysen des noch sichergestellten Narkosemittels gemacht.

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