Die Tragödie ereignete sich am 3. Juni in der Kinderwunsch-Klinik in Baden

© Thomas Lenger

Chronik Niederösterreich
08/12/2020

Kinderwunsch-Klinik: Neues Gutachten belastet Narkosearzt

Papier bestätigt tödlichen Behandlungsfehler. Staatsanwaltschaft entscheidet bald über Anklage wegen grob fahrlässiger Tötung.

von Patrick Wammerl

Im Fall der tödlichen Tragödie in einer Kinderwunsch-Klinik in Baden (NÖ) bestätigt nun das abschließende Gutachten die bisherigen Ermittlungen der Mordgruppe des nö. Landeskriminalamts. Laut der Expertise des Gerichtssachverständigen für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Primar Günter Huemer, ist die Ursache für den Tod einer 32-Jährigen und den lebensbedrohlichen Zustand zweier weiterer Frauen in einem schwerwiegenden Behandlungsfehler zu finden.

Der Anästhesist soll bei den ambulanten Eingriffen am 3. Juni in der Klinik den Patientinnen das Narkosemittel Propofol aus einem mit Keimen verunreinigten Fläschchen gespritzt haben. Laut Gutachten hatte er, gegen jede gängige Praxis von Anästhesisten, eine bereits angebrauchte Durchstichflasche verwendet und diese davor auch noch in seinem privaten Kühlschrank zwischen Lebensmitteln gelagert. Der Kühlschrank, generell bekanntlich ein Nährboden für eine Vielzahl von Keimen und Bakterien, war in keiner Weise steril und damit aus der Sicht des Sachverständigen für die Lagerung solch heikler Substanzen gänzlich ungeeignet.

Das Medikament ist laut führenden Medizinern „hoch antiseptisch“ zu verwenden: steril aufbewahrt, kühl gelagert und gegen jede Form der Verunreinigung geschützt. Wegen der Anfälligkeit auf Keime sind Durchstichflaschen sofort nach dem Öffnen zu verwenden und der übrige Inhalt zu entsorgen.

Unerklärlich

Wieso der Anästhesist mit mehr als 30-jähriger Berufserfahrung solch einen fatalen Fehler begangen und diesen bereits gestanden hat, ist für alle Beteiligten unerklärlich. Selbst der Arzt hatte bei der Einvernahme durch die Kriminalisten keine Antwort.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Markus Bauer, bestätigt gegenüber dem KURIER das Vorliegen des Gutachtens. „Wir warten aber noch auf die Abschrift des Obduktionsberichts. Außerdem sind noch Erhebungen im Gange“, so Bauer. Beispielsweise muss der beschuldigte Arzt noch zum Inhalt des Gutachtens befragt werden. Nach Vorlage aller Unterlagen wird die Staatsanwaltschaft über die Anklage wegen grob fahrlässiger Tötung sowie grob fahrlässiger schwerer Körperverletzung entscheiden.

Pia M. (32) und zwei weitere Frauen waren Anfang Juni für eine Follikel-Punktion in dem Badener Wunschbaby-Institut. Allen Patientinnen wurden unter Narkose Eizellen entnommen. Stunden später traten schwerste Komplikationen auf. Pia M. starb am 5. Juni an einem Multiorganversagen nach einem septischen Schock, die beiden anderen Opfer überlebten den Zwischenfall knapp. Die 32-Jährige hatte als erste Patientin an dem Tag die volle Intensität des verkeimten Propofol abbekommen, die beiden anderen eine verdünnte Dosis.

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