Das gefräßige Steinwild auf der Hohen Wand setzt dem Natura-2000-Schutzgebiet zu

© NÖLJV/Spinka

Chronik Niederösterreich
05/27/2021

Tierischer Überlebenskampf im Ausflugsparadies

Die Steinwild-Population auf der Hohen Wand in NÖ wird drastisch dezimiert, 31 Tiere im Vorjahr entnommen

von Patrick Wammerl

Nomen est omen: Eine der beliebtesten Klettertouren auf der Hohen Wand heißt nicht von ungefähr „Steinbockalarm“. Deshalb, weil die Tiere in ihren beliebten Rückzugsorten im Felsen immer wieder gefährliche Steinschläge lostreten. Mensch und Wildtier teilen sich seit mittlerweile 30 Jahren in dem Kletterparadies im südlichen Niederösterreich den Naturraum, für manche sind die imposanten Tiere sogar eine Art Touristenattraktion. Besonders Städter kommen gerne mit Kindern, um die Exoten aus nächster Nähe zu betrachten und Schnappschüsse zu ergattern.

So sehr die Tiere auch eine Postkartenidylle versprühen, so ist ihr Dasein auf der Hohen Wand auch mit massiven Konflikten behaftet. Nachdem einige Stück Anfang der 90er-Jahre aus einem Gatter ausgebrochen waren, konnten sie sich geschützt von der Behörde rasend schnell vermehren. Zehn Jahre lang wurden alle Abschussanträge der Jägerschaft abgewiesen. Die Folgen für Flora und Fauna wurden unterschätzt.

Ökologischer Schaden

Die zu Spitzenzeiten auf 100 Stück angewachsene Kolonie ist in dem Lebensraum artfremd und richtete enormen ökologischen Schaden an. Die gefräßigen Tiere setzten dem Natura-2000-Gebiet so stark zu, dass sich streng geschützte Pflanzen nicht mehr vermehrten und die EU mit Strafzahlungen drohte. Deshalb gaben die Bezirkshauptmannschaften Wiener Neustadt und Neunkirchen nach einem Monitoring seit 2011 immer mehr Tiere zum Abschuss frei. Auf Empfehlung von Wildökonomen peilt man nun einen Bestand von maximal 30 Stück an.

Derzeit ist man auf dem besten Wege, diese Zahl sogar zu unterschreiten. Ausgehend von einem im Vorjahr geschätzten Bestand von 50 übrigen Tieren und einer biologischen Zuwachsrate von maximal 20 Prozent, kann man von einem Zuwachs von zehn Stück ausgehen. Gemäß dem Abschussplan wurden 2020 aber 29 Steinwild-Exemplare erlegt, bestätigt der stellvertretende Landesjägermeister Werner Spinka dem KURIER. Außerdem stürzten zwei Stück ab oder verendeten.

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