Die Tiere fühlen sich auf dem Ausflugsberg sichtlich wohl. Geschätzt sind es bereits mehr als 100 Stück

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Hohe Wand
09/25/2014

Steinwild setzt der Naturlandschaft schlimm zu

Abschüsse haben bisher nichts gebracht. Alarmierender Bericht des Wildökologen.

von Patrick Wammerl

Das Steinwild auf der Hohen Wand ist der Tod für die Flora und Fauna in dem Natura-2000-Schutzgebiet. Der aktuelle Bericht des Wildökologen Martin Forstner zeichnet ein dramatisches Bild von den Umweltschäden, welche die mehr als 100 Tiere bereits angerichtet haben. Die Vegetation in dem Erholungsgebiet steht vor dem Kollaps, wird der Bestand an Steinwild nicht drastisch reduziert.

Die Behörde, genauer gesagt die Bezirkshauptmannschaften Wr. Neustadt und Neunkirchen, reagiert nervös auf den Situationsbericht. In einem Schreiben wird die Jägerschaft aufgefordert, dem verhängten Abschussbescheid von 60 Tieren so rasch wie möglich nachzukommen (siehe Zusatzbericht).

Monitoring

Forstner hat von der NÖ-Umweltanwaltschaft den Auftrag, die Lage auf der Hohen Wand im Zuge eines Monitorings laufend zu verfolgen. Auf Basis der Untersuchungen hat die Behörde 2011 neun Tiere zum Abschuss freigegeben, 2012 zwölf Exemplare und 2013 bereits 30 Stück. Dies hat jedoch nicht zu einer Verbesserung der Lage beigetragen. "Der jüngste Zwischenbericht macht das deutlich", erklärt Helmut Wagner, Leiter der Forst- und Jagdaufsicht der BH Wiener Neustadt.

Der Verbiss durch das Steinwild ist so stark, dass sich Pflanzen in der Natur nicht mehr vermehren und der Schutzwald stark geschädigt ist. "Derzeit schreitet die Verschlechterungsdynamik weiter fort", heißt es seitens der Behörde, die nun Druck auf die Jäger ausübt. Für 2014 wurden 60 Stück Steinwild per Bescheid zum Abschuss freigegeben. 45 Stück davon in den drei am meisten betroffenen Revieren, plus 15 Stück revierübergreifend in beiden Bezirken.

Erträgliches Maß

"Wenn dieser Abschuss erfüllt wird, ist ein großer Schritt getan, den Bestand auf ein erträgliches Maß zu verringern", sagt Wagner. Laut Forstner und dem ökologischen Sachverständigen, Andreas Traxler, verträgt die Hohe Wand maximal 30 Stück Steinwild. Erst dann könne sich die Naturlandschaft wieder erholen. Das Ziel ist daher, die Population nicht nur auf diesen Stand zu senken, sondern ihn auch zu halten. Die Behörde denkt auch über ein Fütterungsverbot im Winter nach.

Der Streit um das Steinwild grassiert, seit ein paar Tiere vor etwa 15 Jahren aus einem Gatter ausgekommen sind und sich auf der Hohen Wand rasant vermehrt haben. Seit dieser Woche ist der Konflikt um eine Facette reicher. Die Jägerschaft reagiert verschnupft auf einen behördlichen Brief. Darin mahnen die Bezirkshauptmannschaften, dem Abschussbescheid nachzukommen. Dieser sei wegen der "massiven Überlastung des Lebensraumes unbedingt zu erfüllen".

Laut Werner Spinka, Bezirksjägermeister in Wr. Neustadt und stellvertretender Landesjägermeister, sei der erhobene Fingerzeig der Behörde absolut entbehrlich. Schließlich sei die Behörde für die Vernichtung des Natura-2000-Gebietes verantwortlich. "Das Steinwild wurde mehr als ein Jahrzehnt von der Behörde geschont und alle unsere Abschussanträge abgewiesen", ärgert sich Spinka. Seit es behördliche Abschussaufträge (seit 2011) gibt, habe die Jägerschaft diese immer zu 100 Prozent erfüllt. Von den heuer geforderten 30 Abschüssen in den beiden Revieren des Bezirkes Wr. Neustadt, sind bereits 15 erfolgt. "Und wir haben noch bis 31. Dezember Zeit", so die Jäger.

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