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Chronik Niederösterreich
04/07/2022

Schwerster Missbrauchsfall seit Jahren: Fast 20 Kinder als Opfer von Klettertrainer

Anklage gegen 35-jährigen Nachwuchsbetreuer und Tagesvater aus Niederösterreich. Die Ermittlungen dauerten sieben Monate.

von Patrick Wammerl

Hunderte Eltern aus Wien und NÖ vertrauten ihm ihre Kinder an. Sie wähnten ihre Sprösslinge in guten Händen, genoss der 35-Jährige doch als talentierter Klettertrainer, Kinderbetreuer und Tagesvater an einer renommierten Adresse in Niederösterreich einen ausgezeichneten Ruf.

Damit ist es seit Monaten vorbei. Die Causa rund um den Sporttrainer hat sich als einer der größten Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre in Österreich entpuppt. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat nach siebenmonatigen Ermittlungen Anklage gegen den Klettertrainer wegen Vergewaltigung, schwerem sexuellen Missbrauch von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses in zahlreichen Fällen eingebracht, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Erich Habitzl.

Beinahe 20 Kinder im Alter zwischen vier und zwölf Jahren zählen zu den Opfern des mutmaßlichen Kinderschänders. Die Dunkelziffer ist laut Polizei aber noch größer. In einigen Fällen wollten Kinder keine Aussage mehr machen, vermutet ein Ermittler.

Ein Großteil der Vorwürfe datiert aus den Jahren 2014 bis 2021.Laut Staatsanwaltschaft war gegen den Mann bereits im Jahr 2015 nach Verdachtsmomenten ermittelt worden. Das Verfahren wurde damals aber eingestellt und nun im Zuge der aktuellen Erhebungen wieder aufgenommen.

Aufgeflogen war der Fall im vergangenen Sommer, als eines der Kinder sein Schweigen brach. Danach haben Ermittler für Sittlichkeitsdelikte die Sache akribisch aufgearbeitet.

Bekannte Adresse

Der 35-Jährige war jahrelang an einer bekannten Klettersport-Adresse für die Nachwuchskurse zuständig und stand dabei mit hunderten Kindern in Kontakt. „Die Vorwürfe sind weitreichend und beginnen damit, dass der 35-Jährige den Kindern beim Anlegen des Klettergurtes in den Intimbereich gefasst haben soll“, so ein Ermittler. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Kriminalisten auf Computer, Handy und Datenträgern einschlägiges Beweismaterial - tausende kinderpornografische Bilder.

Um den Kindern belastende Zeugenaussagen vor Gericht und im Angesicht des mutmaßlichen Peinigers zu ersparen, wurden die Aussagen im Vorfeld auf Video im Zuge von kontradiktorischen Vernehmungen aufgezeichnet. Sie werden vor Gericht abgespielt.

Laut der Sprecherin des Landesgerichts Wiener Neustadt, Birgit Borns, kommt es am 10. Mai zum Prozess gegen den Angeklagten. Es werden dabei auch Tatbestände aus der Zeit ab dem Jahr 2007 verhandelt.

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