© Wolfgang Atzenhofer

Kommissionen
06/13/2013

Schäden der Flut summieren sich

Die Erhebungen im Katastrophengebiet laufen, Ernten im Machland-Süd fallen aus.

von Wolfgang Atzenhofer, Johannes Weichhart

Seit Tagen sind sie unterwegs, um die Opfer der Flutkatastrophe zu besuchen. Im Bezirk Melk, der vom Hochwasser besonders hart getroffen wurde, haben die Schadenskommissionen ihre Arbeit beinahe abgeschlossen. Die ersten Berichte wurden bereits an das Land geschickt.

In Emmersdorf, das komplett überschwemmt wurde, ist Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Andreas Nunzer mit seinem Team unterwegs. Am Vormittag besichtigten die Experten die örtliche Bank, die bis zur Decke unter Wasser stand. Das Surren der Trocknungsgeräte ist zu hören. „Es gibt viele Parallelen zum Jahr 2002, wo die Schäden in den Häusern ebenfalls enorm waren“, sagt Nunzer. Immer wieder wird die Schadenskommission mit dem Leid der Menschen konfrontiert. Nunzer: „Viele sind natürlich verbittert, weil sie schon wieder vom Hochwasser heimgesucht wurden.“ Es sei deshalb wichtig, den Menschen zuzuhören und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

Schlamm

Auch in Melk wird das Ausmaß der Flut langsam ersichtlich. In Dutzenden Häusern drang Wasser ein, der Schaden dürfte mehrere Millionen Euro betragen. Beschädigt wurde auch die Baustelle für den Hochwasserschutz, der die Stadt künftig schützen soll, aber noch nicht fertiggestellt wurde. „Der Schaden liegt im sechsstelligen Bereich, das Bauende wird sich voraussichtlich um ein paar Wochen verzögern“, heißt es seitens der Stadt.

Ein wüstenähnliches Bild bieten derzeit die Felder im Machland-Süd im Bezirk Amstetten. Schlammablagerungen mit Höhen bis 1,20 Meter überziehen die Landwirtschaftsflächen und die Auwälder. Um die 2000 Hektar wurden in St. Pantaleon, Strengberg, Wallsee und Ardagger überschwemmt, Früchte auf 1200 Hektar Agrarland zu 100 Prozent vernichtet und damit 200 Bauern schwer geschädigt. Viele frühe Ackerkulturen erstickten, weil Wasser und Schlamm etliche Tage auf den Feldern gestanden sind. Manche Bauern haben ihr gesamte Futtergrundlage verloren und sind nun auf Entschädigungsfonds angewiesen. In einer Versammlung werden die betroffenen Bauern in der nächsten Woche über die Organisation der Schadenskommissionen informiert.

Pioniertaucher

Schwieriger als erwartet gestaltet sich die Bergung des bei Hößgang im Strudengau gesunkenen Restaurantschiffs. Taucher des Melker Pionierbataillons 3 erkundeten den zum Teil mit Schlamm gefüllten Schiffsrumpf und bargen Kühlschränke und Einrichtungsgegenstände. Lediglich ein Bergeschiff zum Heben der „Piratenkneipe“ stand am Donnerstag nicht zur Verfügung. Baggerschiffe stehen derzeit bei den Kraftwerken in vollem Einsatz. Probleme gibt es im Bezirk auch im Bahnverkehr. Wegen einer Hangrutschung ist die Selzthalbahn zwischen Hausmening und Kematen bis 30. Juni gesperrt. Es fahren Ersatzbusse.

Chaos auf Schiene: ÖBB stocken Callcenter auf

Für Chaos sorgt das Hochwasser im Zugverkehr, wie Wolfgang und Ingrid Zischinsky erfahren mussten. Sie wollten Donnerstagfrüh mit dem Autoreisezug von Wien nach Feldkirch fahren und erfuhren erst vor Ort, dass das nicht möglich ist. Zwei Tage zuvor wurde ihnen das Gegenteil versichert. „Wir haben uns bereits angestellt, als eine Dame vom Zugpersonal fragte, was wir hier machen“, erzählt Ingrid Zischinsky.

„Wir möchten uns dafür in aller Form entschuldigen“, sagt ÖBB-Sprecher Michael Braun. Schuld am Chaos dürften die deutschen Kollegen sein. Sie meldeten am Sonntag, dass die Strecke über Deutschland befahrbar ist, zogen das später aber wieder zurück. „Es gab ein Zeitfenster, in dem man buchen konnte und die Auskunft bekam, dass die Züge fahren“, erklärt Braun. Um Reisende auf Probleme – derzeit zwischen Kufstein und Salzburg, Saalfelden und Hochfilzen, Lend und Taxenbach sowie Bischofshofen und Radstadt – hinzuweisen, wurde das ÖBB-Callcenter aufgestockt.

Wetter und Verkehrsnachrichten auf KURIER.at

Viele spenden für die Opfer des Hochwassers. Stellvertretend für die große Zahl an Organisationen, Vereinen und Betrieben greift der KURIER einige heraus.

Die EVN will ihre vom Hochwasser betroffenen Kunden auch finanziell unterstützen. Das Fördervolumen beträgt 1,5 Mio. Euro. Das reicht von der zinsenfreien Stundung von Rechnungen über über die kostenlose Wiederherstellung des Hausanschlusses bis zu einem Monat Gratis-Strom für Wiederaufbau.

Der Lions Club Kreuzenstein stellt 70.000 Euro als Soforthilfe für Flutopfer bereit. Mit dem Geld sollen in den nächsten Tagen und Wochen Geschädigte in der Region rund um Korneuburg aber auch im Bezirk Melk geholfen werden.

Die SOMA (Sozialmärkte) in Niederösterreich öffnen den Hochwasseropfern Tür und Tor und ermöglichen allen Geschädigten, egal welches Einkommen, den Einkauf für ein halbes Jahr.„Damit bleibt der eine oder andere Euro zur Investition übrig“, sagt Claudia Zwingl vom SOMA-Team. Notwendig ist nur eine Bestätigung von der Gemeinde. SOMA-Märkte gibt es in Klosterneuburg, Stockerau, Tulln und Amstetten.

Eigentlich war der Erlös eines Konzerts der nö. Militärmusik am 28. Juni im Stift Göttweig für die Dachsanierung des Klosters gedacht. Doch aus aktuellem Anlass gibt das Stift den Erlös samt Sonntagskollekte und Erlös eines Benefizfußballspiels der Patres für Hochwasseropfer. Auch die Jerusalempilger, die ihren Filmvortrag in der Stiftkirche zeigten, haben sich spontan bereit erklärt, den Erlös für diese Hochwasseropfer zu spenden

Auch der Kirchenchor Maria Anzbach entschloss sich spontan, die Spenden, die der Chor für sein Konzert am vergangenen Sonntag erhielt, den Opfern der Hochwasserkatastrophe zu spenden. 1500 kamen so zusammen.

Vergangenen Freitag fand in Purkersdorf das Künstlerfest „Klein Monmartre“ statt. Die „Hutspenden“ aus allen Bühnenprogrammen und Lesungen gingen dabei nicht – wie ursprünglich geplant – an die Künstler, sondern an die Hochwasser-Opfer. 1526 Euro wurden gespendet.

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