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Chronik Niederösterreich
09/30/2021

Psychologische Corona-Hilfe für Schüler

Kinder und Jugendliche leiden unter den Belastungen und Auswirkungen der Pandemie. Auch Familien zerbrechen daran. 13.000 Kinder konnten im Vorjahr nicht mehr bei ihren Eltern leben

von Patrick Wammerl, Marlene Penz

Lockdown, Homeschooling, monatelang kein Austoben mit Freunden im Sportverein und eventuell Eltern, die mit der Situation überfordert oder in die wirtschaftliche Bredouille geraten sind. Das alles sind Gründe, weshalb die Corona-Pandemie vermehrt psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen hervorgerufen hat. Studien zufolge haben Depressionen und ähnliche Zustände gerade bei jungen Menschen seit Corona deutlich zugenommen.

Diese Erfahrungen hat man auch in Schulen gemacht, seit diese wieder normal für den Unterricht geöffnet sind. Am Bundesgymnasium Zehnergasse in Wiener Neustadt wurde von Schülern sogar der Wunsch nach einer verstärkten psychologischen Unterstützung in Bezug auf die coronabedingten Belastungen und deren Auswirkungen geäußert

Reden macht Schule

„Wir wissen von Fachexperten, dass vor allem Jugendliche in dieser Lebensphase durchaus gefährdet sind, psychische Erkrankungen zu entwickeln und Corona hat dies noch massiv verstärkt“, erklärt Desireé Reiterer vom Elternverein der Schule. Deshalb wurde heuer das Pilotprojekt „Reden macht Schule“ ins Leben gerufen.

Unter der Leitung der Psychologin Sandra Rädler und ihrer Kollegin, Psychotherapeutin Sonja Leitner, wurden eine Woche lang in 40 Klassen Workshops mit allen Schülern abgehalten. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurde erörtert, wie man über psychische Belastungen offen sprechen kann, Werkzeuge und Strategien zur Krisenbewältigung vorgestellt sowie ein Überblick über die vorhandenen Beratungs- und Anlaufstellen gegeben, erklärt Rädler.

Das Resümee am Gymnasium fällt extrem positiv aus. Die Nachfrage nach Expertengesprächen hat selbst die Pädagogen überrascht. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Jugend werde anscheinend vielerorts unterschätzt, heißt es aus der Bildungsanstalt. Aufgrund der Erfahrungen wird die psychologische Unterstützung weiterhin angeboten.

Druck auf Familien

Die Mehrfachbelastungen und die daraus resultierende Überforderung führt bei vielen Familien dazu, dass sie zerbrechen. Im schlimmsten Fall können Kinder nicht mehr bei ihren Eltern leben. 2020 waren es laut Clemens Klingan, Geschäftsleiter von SOS Kinderdorf, österreichweit 13.000, die in der sogenannten „Fremdunterbringung“ lebten.
Um dem entgegenzuwirken hat SOS Kinderdorf Präventivangebote geschaffen, etwa das Eltern-Kind-Wohnen, das es auch in Hinterbrühl (Bezirk Mödling) gibt. „Wir sind überzeugt, dass es in vielen Fällen die Möglichkeit gibt, dass Familien zusammenbleiben können, wenn sie rechtzeitig die richtige Unterstützung bekommen“, betont Klingan bei einer Pressekonferenz anlässlich 15 Jahre SOS Kinderdorf.

Beim Eltern-Kind-Wohnen ziehen Kinder mit ihren Eltern im Kinderdorf ein. Dort werden sie von Pädagoginnen und Pädagogen für rund zwei Jahre betreut. Das Ziel ist, dass die Familien Unterstützung bei ihren Herausforderungen im Alltag bekommen und es so gelingt, dass die Familie zusammenbleiben und langfristig wieder ein eigenständiges Leben führen kann. Bei zwei Drittel der Familien würde es gelingen, sie zu stabilisieren, sagt Klingan. Aufgrund der positiven Erfahrungen aus NÖ und anderen SOS Kinderdörfern, wird das Eltern-Kind-Wohnen nun als Pilotprojekt in Wien gestartet.

 

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