Bernhard Thain ist neuer Obmann des NÖ Blasmusikverbandes

© NÖBV/ David Griessler

Porträt
06/11/2021

Oberster Blasmusiker: „Es muss ein Bewusstsein für die Tradition geben“

Bernhard Thain, 44, ist Niederösterreichs neuer Blasmusik-Chef. Er will die Tradition hüten und pflegen, der Entwicklung der Kapellen aber keine Grenzen setzen

von Wolfgang Atzenhofer

„Endlich wieder proben. Gemeinsames Musizieren verströmt gute Energie. Ich bin wirklich positiv für die Zukunft gestimmt.“

Eigentlich hätte der Pöchlarner Bernhard Thain vor wenigen Tagen im vollen Festsaal von Schloss Grafenegg zum neuen Obmann des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes (NÖBV) und damit zum Chef von 26.000 Musikern in NÖ gekürt werden sollen. Corona zwang zur Briefwahl und zur Übernahme der Geschäfte von Langzeitobmann Peter Höckner in kleinem Rahmen. Mit neuen Kräften, neuen Ideen und einem Team aus bewährten und neuen „Blasmusikverrückten“ im NÖBV-Vorstand will der 44-Jährige die Aufbruchstimmung nutzen.

Er ist ein musikalischer Universalist und gleichzeitig Traditionalist, der im Gespräch mit dem KURIER über die enorme Entwicklung der Blasmusikkapellen im Land schwärmt: „In den vergangenen 20 Jahren ist die musikalische Qualität sensationell gestiegen“. Das Netzwerk, das Peter Höckner zwischen den Musikschulen und der Blasmusik gesponnen hat, stehe hinter dieser Entwicklung, sagt der neue Obmann des größten Blasmusikverbandes unter den Bundesländern.

Netzwerker

„Ich will dieses Netzwerk weiter zusammenführen“, kündigt Thain an und will dafür selbst Vorbild sein. Trotz der Mammutaufgabe ehrenamtlich für 493 NÖ-Kapellen da zu sein, bleibt er Kapellmeister des Ybbser Musikvereins und hauptberuflich Direktor der Verbandsmusikschule „Donauklang“ in Ybbs. „Eine Kapelle braucht Hornspieler, die bekommt sie nicht, wenn es in den Musikschulen keine Hornlehrer gibt und umgekehrt“, kennt Thain die Situation auf beiden Seiten.

Selbst als Kind zur Musik und zur Blasmusik gekommen, sieht der zweifache Familienvater die Ausbildung der Jugend als Basis der Blasmusikkapellen mit großem gesellschaftlichen Mehrwert. „Jeder Euro für Ausbildung der Jugend in der Musik zahlt sich wirklich nachhaltig aus“, so Thain. Gemeinden und das Land NÖ seien durch die Musikschulen finanziell gefordert, doch Blasmusiker sind meist über Generationen ehrenamtlich aktiv. Jugendliche in der Pubertät bekämen in den Kapellen Halt und soziale Kompetenz in der schwierigen Altersphase, schildert der Pädagoge seine Erfahrungen.

Die lebt der studierte Posaunist, aktive Organist in der Kirche, Komponist, Arrangeur und Dirigent des Kilber Musiktheaterfrühlings lebhaft aus. Bis zu 200 Tage pro Jahr war er früher in großen Big Bands, Kapellen oder Volksmusikgruppen unterwegs. Deshalb sieht Thain die Breite und Vielfalt im NÖBV bis zur höchst entwickelten symphonischen Blasmusik oder auch zum Queen-Medley bei den Konzerten als ein Ziel. Doch er hat auch eine klare Grundeinstellung: „Blasmusik hat Tradition. Marsch, Polka, Walzer werden wir weiter sehr hochhalten. Es muss ein Bewusstsein für die Tradition geben, so etwas wie ,Schuster bleib bei deinen Leisten‘, sonst sind wir verloren. Wenn wir das gescheit pflegen, können wir uns in alle Richtungen weiterentwickeln.“

Leuchtturm-Events

Wie werden die Musiker den neuen Chef spüren? „Wir werden als Team arbeiten. Jeder im Vorstand ist in seinem Bereich Spezialist. Es gibt viele Ideen. 2022, zum 70-jährigen NÖBL-Jubiläum, gibt es vier Leuchtturm-Events. Konzert-, Marsch- und Jugendmusik, sowie Blasmusik in der Gesellschaft sind die Themen. Aktuell gilt es, nach Corona, alles wieder hochzufahren und auch Feste zu organisieren. Denn, wie heißt’s – ohne Geld keine Musi.“

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