© Trimmel Sascha

Chronik Niederösterreich
05/22/2021

Namenlose Westernstadt als Ladenhüter

Besucher gibt es in der „No Name City“ schon lange keine mehr, einen Sheriff braucht es im leeren Vergnügungspark dennoch.

von Patrick Wammerl

Von Goldgräberstimmung ist schon lange keine Rede mehr. Wie einst die Comanchen pfeift der raue Wind des Wilden Westen durch die leeren Straßen der 130.000 großen „No Name City“.

Die Stadt ohne Namen in Wöllersdorf bei Wiener Neustadt entpuppt sich zum 20-jährigen Geburtstag als trauriger Ladenhüter.

Von Hunderttausenden Besuchern kann schon lange keine Rede mehr sein. Als Vergnügungspark gescheitert, dient die Stadt heutzutage höchstens noch als Kulisse für Dreharbeiten.

Bis Anfang Mai war die „No Name City“ Schauplatz für die Produktion des neuen Horror-Western „A Town Called Purgatory“. Der Badener Regisseur, Kameramann und Produzent Frederik Füssel setzte US-Schauspielstars wie Matt Servitto (Die Sopranos, Sex and the City, Grey’s Anatomy oder Homeland) und Dan DeLuca (House of Cards, The Night Watchmen) sowie Drehbuchautor Ken Arnold in Szene.

Weil die 50-köpfige Crew auf Grund der Corona-Pandemie in einer Blase leben musste, fand man in der verlassenen Westernstadt die idealen Bedingungen vor – abgeschieden und menschenleer.

So wird es vermutlich auch in Zukunft bleiben. Betreiber Bernhard Negedly hat keine großen Ambitionen, dem Themenpark noch einmal neues Leben einzuhauchen. „Gesprächsbereit sind wir immer“, aber nur, wenn jemand auch ein gutes Konzept vorlegen könne, so Negedly zum KURIER.

Sicherheitsdienst ohne Pferd und Colt

Das größte Übel sind für den Wiener Unternehmer und Gründer der „Indian Dreams“-Westerngeschäfte Vorfälle von Vandalismus und Einbrüche. Deshalb übernimmt die Rolle des Sheriffs in der Stadt nun auch ein Sicherheitsdienst, der regelmäßig patrouilliere – allerdings ohne Pferd und Colt.

Rückblickend gesehen könnte man meinen, dass dem Projekt der Segen und die Kraft des Großen Manitou fehlte. An den Förderungen kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Die Baukosten von damals noch 100 Millionen Schilling wurden zu fast 90 Prozent durch EU-Fördergelder, dem Bund und dem Land Niederösterreich (720.000 Euro) subventioniert.

Anfänglich schien das Konzept nach der Eröffnung 2001 auch aufzugehen. In der ersten Saison verzeichnete die Westernwelt 200.000 Besucher. Doch schon Ende 2003 schlitterte der damalige Betreiber mit 4,4 Millionen Euro in Konkurs. Mehrere Eigentümerwechsel und Missstände im Management brachten den Freizeitpark ins Trudeln. Auch eine Kooperation mit den deutschen „Pullmann-City-Parks“ änderte daran nichts.

2004 erwarb Negedly die „No Name City“ schuldenfrei. Ein gleichnamiger Doku-Kinofilm beleuchtete die skurrilen Geschichten rund um den Westernkult und seiner Fans. Diese blieben allerdings aus.

Nachdem die Westernstadt 2008 im Zuge der Fußball-EM zu einer Public-Viewing-Area für Fußballfans umfunktioniert wurde, öffneten sich die Tore danach nie wieder für die Öffentlichkeit. Die Zukunft kann derzeit niemand voraussagen.

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