Frank Stronach ist in Ebreichsdorf mit dem Magna Racino und Co. Großgrundbesitzer

© APA/Herbert P. Oczeret

Chronik Niederösterreich
06/04/2020

Milliardär Stronach hat die SPÖ zum Spenden gern

Fragwürdige Doppelrolle des Ebreichsdorfer Partei- und Stadtchefs Wolfgang Kocevar bei Grundstücksdeals mit Frank Stronach.

von Patrick Wammerl, Kid Möchel

Als KTM-Chef Stefan Pierer Sebastian Kurz mit einer Großspende im Wahlkampf unterstützte, erhob die SPÖ den Zeigefinger. Auch der nö. SPÖ-Landesgeschäftsführer, Wolfgang Kocevar, protestierte plakativ vor dem KTM-Werk.

Wie vom KURIER berichtet, steht nun aber Kocevar selbst wegen einer Spendenaffäre im Kreuzfeuer der Kritik. Seine SPÖ-Gemeindeorganisation ist schon zum zweiten Mal seit 2014 Nutznießer einer großzügigen Finanzspritze der „Magnolia Projektentwicklungs GmbH“ von Milliardär Franz Stronach. Der 87-jährige Geschäftsmann überwies der SPÖ Ebreichsdorf 2014 10.000 Euro und wenige Tage vor der Gemeinderatswahl im heurigen Jänner nochmals 7.490 Euro. Aber wofür?

Das brisante Detail dabei: Kocevar war und ist als Bürgermeister von Ebreichsdorf die treibende Kraft bei mehreren Umwidmungen und Grundstücksdeals, aus denen Stronach als großer Nutznießer hervorgeht. Für FPÖ-Stadtrat Markus Gubik und ÖVP-Stadtparteiobmann Heinrich Humer hat die Sache nicht nur einen schalen Beigeschmack. „Im Lichte der jetzt bekannt gewordenen Spende müssen Entscheidungen der Gemeinde bzw. des Bürgermeisters neu bewertet werden. Eine umfassende Prüfung auch von zurückliegenden Geschäften ist jetzt dringend erforderlich“, so Humer.

Er und Gubik sprechen auf Stronachs erste Spende 2014 an. Kurz danach initiierte der SPÖ-Bürgermeister die Umwidmung von 30.000  Ackerland in Bauland-Wohngebiet. Stronach entwickelte den exklusiven „Aqualina Wohnpark“ samt Badesee für betuchte Häuslbauer. Der Wert der 90 Grundstücke vervielfachte sich über Nacht auf mehrere hundert Euro pro Quadratmeter.

Im Dunstkreis der jüngsten Spende geht es wieder um ein lukratives Geschäft für Stronach. Kocevar verhandelt mit dem Milliardär für die Stadtgemeinde um ein sieben Hektar großes Ackerland. Die Kommune will es für 35 Euro/m2 kaufen und zu einem Betriebsgebiet umwidmen. Doch nach der Spende an die SPÖ Ebreichsdorf will Stronach von der Stadt plötzlich 350.000 Euro mehr für das Areal (40 Euro/m2).

Magna Racino steht vor dem Verkauf

Kocevar sieht darin keinen großen Aufreger. Der Preis sei marktüblich, schließlich würde die Gemeinde nach der Aufschließung mindestens 80 Euro/m2 von Interessenten verlangen. Schlechtes Gewissen wegen der Spenden an seine Partei hat der Stadtchef „nicht im Geringsten“. Er sieht sich dadurch auch nicht befangen, wenn er mit Stronach verhandelt. „Die Partei verwendet das gespendete Geld für ihre politische Arbeit. Frank ist uns seit langer Zeit eng verbunden“, so Kocevar.

Was den Pferdesportpark Magna Racino in Ebreichsdorf anbelangt, so steht der letzte große Besitz des Austro-Kanadiers in Österreich, kurz vor dem Verkauf. Die Verhandlungen mit dem potenziellen Käufer, einer österreichischen Bauträgergesellschaft, sind demnach schon sehr weit fortgeschritten.

Dem Vernehmen nach ist man sich über den Kaufpreis (in zweistelliger Millionenhöhe) einig, aber an der Vertragsgestaltung werde noch gefeilt, berichten Insider. Der Bauträger soll auch schon Gespräche mit Entscheidungsträgern auf Gemeinde- und Landesebene geführt haben. Indes wollte Michael Krüger, Anwalt von Frank Stronach, auf Anfrage des KURIER keinen Kommentar zu dem bevorstehenden Deal abgeben.

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