© Marlene Penz

Chronik Niederösterreich
10/15/2020

Mayr-Melnhof-Karton: Einigung bei Sozialplan erreicht

Bei öffentlicher Betriebsversammlung wurde Abschluss der Verhandlungen bekanntgegeben - Betriebsrat mit Ergebnis zufrieden.

von Marlene Penz, Patrick Wammerl

Am Standort Hirschwang (Bezirk Neunkirchen) wird ein Werk der Papierfabrik Mayr-Melnhof geschlossen. Die Kartonproduktion wird voraussichtlich im November eingestellt. 150 Personen verlieren ihre Jobs. Ein Sozialplan, der 4,5 Millionen Euro umfassend sein sollte, wurde dem Betriebsrat vor zwei Tagen präsentiert. 

Wie berichtet, erhielt der Anfang des Jahres ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende Wilhelm Hörmanseder einen fast doppelt so hohen Bonus (8,6 Millionen Euro). Das ließ die Wogen hoch gehen, der Sozialplan galt von Arbeitnehmerseite als „völlig inakzeptabel“. Nachdem es zunächst keine Verhandlungen zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und dem Management von Mayr-Melnhof gab, wurde der Druck auf den Konzern erhöht.

Am Donnerstagvormittag gab es als Zeichen des Protests eine öffentliche Betriebsversammlung vor der Zentrale in Wien. Rund 120 Personen, die gekündigt werden und noch mindestens genauso viele Menschen, die ihre Solidarität zeigen wollten  – darunter Gewerkschaftsmitglieder von Dpa und Produktionsgewerkschaft (Pro-Ge) – waren vor Ort. 

Betriebsrat Wolfgang Reiter stieg auf die Bühne und hatte bedeutende Nachrichten für die Betroffenen: Es kam in den späten Nachtstunden zu einer Einigung und einem Abschluss der Sozialplan-Verhandlungen. „Der Sozialplan ist nicht gut, er ist sau gut“, sagte Reiter. Lautes Klatschen und Pfeifen waren die Antwort. „Er ist deutlich höher als die 4,5 Millionen Euro. Wir haben viel erreicht, was uns wichtig war“, sagte Reiter. Was das finanziell bedeutet, darüber habe man Stillschweigen vereinbart. Am kommenden Montag sollen die Details unterzeichnet werden.

6 Millionen Euro 

Dem Vernehmen nach sollen sich die Parteien auf ein 6-Millionen-Euro-Paket für die 150 Arbeiter und Angestellten geeinigt haben. Für die schlimmsten Härtefälle soll es ein Maximum von 100.000 Euro geben.

Bei den betroffenen Mitarbeitern zeigt sich bei der Betriebsversammlung Freude über die Neuigkeit, aber: „Das ändert nichts an der Arbeitsplatzsituation. Wir sind in dieser Region weit ab vom Schuss. Es wird schwierig, egal ob alt oder jung. Es ist ein Schicksalsschlag“, sagte etwa Kevin M. (30).  

Werksleiter Johann Steiner, der 35 Jahre im Betrieb ist, und sich nun etwas Neues suchen muss, setzt große Hoffnung in den Sozialplan: „Ich hoffe, dass er uns so hilft, dass jeder seinen Weg findet.“

für 10 bis 15 Personen könnte laut Betriebsrat jedoch die Möglichkeit eines Wechsels innerhalb des Konzerns bestehen. 215 Mitarbeiter arbeiten in Hirschwang in der  Faltschachtelproduktion (Neupack) – das soll nach jetzigem Stand auch so bleiben. Laut Mayr-Melnhof CEO Peter Oswald, der bei der Betriebsversammlung auf die Bühne trat, sei man bereit Geld zu investieren. 

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