Von der Kinder- und Jugendhilfe zum Contact Tracing: Thomas Stockner

© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Niederösterreich
10/07/2020

Contact-Tracer über seine Arbeit: „Manche geraten regelrecht in Panik“

Contact Tracer Thomas Stockner muss dem Virus hinterherjagen – wenn der Hut brennt bis zu 18 Stunden täglich.

von Wolfgang Atzenhofer

„Die Arbeit hat sich gelohnt. Es schaut wieder besser aus.“ Das Lob, das Bezirkshauptmann Johann Seper verteilt, gilt Leuten wie Thomas Stockner. Er und seine Kollegenschaft im Contact Tracer-Team und im Bezirksstab der BH Scheibbs (NÖ) haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Zahl der Corona-Infizierten im Bezirk seit der Vorwoche wieder mehr als halbiert hat.

Wahre Marathon-Tage „mit bis zu 18 Stunden“ stünden da auf der Tagesordnung, „wenn der Hut brennt“, erzählt der 55-jährige Stockner. Wie schon im Frühjahr sei es in der Vorwoche wieder zu so einer Situation gekommen. Bezirksweit 45 Corona-Infizierte an nur einem Tag bescherten dem Ötscherlandbezirk mit der relativ geringen Einwohnerzahl von 43.000 Bürgern die Alarmstufe Orange auf der Ampel.

Aufgeteilt auf zwei hermetisch getrennte Stabstellen hätten die Contact Tracer und alle Beteiligten der Behörde die Telefondrähte glühen lassen. Wie viele Telefonate er da während eines Tages führe, weiß Stockner nicht. „Das geht in die Hunderte“, meint er. Fest stehe nur: „Die Kontaktlisten von Erkrankten müssen binnen 24 Stunden abgearbeitet werden“. Die individuelle Arbeit, die jeder Infizierte den Contact Tracern im Bezirksstab beschert, sei völlig unterschiedlich. „Das geht von zehn Kontakten bis zu 70, 80 Leuten, die man erst erreichen und dann einstufen muss, ob sie Hoch- oder Niedrigrisikopersonen sind“, so Stockner.

Große Unwissenheit

Der Ablauf der Telefonate mit Erkrankten, Verdachtsfällen oder Kontakten gleiche jedenfalls einer emotionalen Hochschaubahn. „90 Prozent sind kooperativ. Doch manche geraten regelrecht in Panik und haben extreme Angst, andere reagieren besonnen“, erzählt er aus dem täglichen Geschäft. Die Unwissenheit über die häufig wechselnden Vorschriften, aber auch über die Bedrohung durch die Krankheit selbst sei groß. „Man muss sich oft mehr Zeit nehmen und den Leuten erklären, dass man nicht automatisch stirbt, wenn man an Corona erkrankt“, schildert der Beamte. Abgeklärtheit sei da gefragt. „Vielleicht kann ich mich ganz gut in gewisse Situationen einfühlen. Meine Eltern wurden ebenfalls angesteckt. Beide haben es überstanden, meine Mutter war schwer krank“, erzählt der Contact Tracer freimütig.

Hineinversetzen kann sich Stockner auch in viele verunsicherte Menschen, die beim Bezirksstab tagtäglich Informationen fordern. „Unternehmer oder Gastronomen sehen plötzlich ihre Existenz bedroht, wenn sie durch einen Infektionsfall eine Sperre fürchten müssen“, erzählt er. So manche ruppige Aussage müsse man dann schon hinnehmen. Die Risikobeurteilung vieler Fälle, ob eine Absonderung notwendig ist, obliegt dem Amtsarzt. „Wurden Hände geschüttelt, geküsst oder umarmt, müssen wir selbst sofort die Quarantäne anordnen“, verweist Stockner auf eine der Pflichten der Contact Tracer.

Dramatisch

Die Lage sei dramatisch gewesen, sagt Bezirkshauptmann Seper. „Wir hatten keine ausgesprochenen Cluster im Bezirk. Sondern in elf bis zwölf Gemeinden jeweils ein bis zwei Infizierte. Das hat gezeigt, das Virus ist breitgestreut da“. Auffällig im Vergleich zum Frühjahr sei, „dass die Menschen jetzt viel mobiler sind, da sind dann auch die Kontaktzahlen der Infizierten entsprechend höher“.

Thomas Stockner gehört seit März den Contact Tracern an. Seinen eigentlichen Arbeitsplatz in der Kinder- und Jugendhilfe der Bezirkshauptmannschaft betreut er, so gut es geht, mit Hilfe einer Kollegin mit. Bis er wieder zu 100 Prozent seinen Job ausfüllen kann, werde es aber noch lange dauern, schätzt er.

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