Landesklinikum: Moderne Forensik rückt in den Fokus

Landesklinikum: Moderne Forensik rückt in den Fokus
Fusionierte neue Pflegeschule gilt als Startschuss für weitere Ausbildungszweige mit psychiatrischem Schwerpunkt am LKH Mauer.

Mit der Inbetriebnahme eines neuen Bildungscampus beim nö. Landesklinikum Mauer bei Amstetten öffnen sich für die Einrichtung neue Perspektiven. Zusätzlich zur Fusion von drei früheren Pflegeschulen auf einen Standort mit 264 Ausbildungsplätzen dürfte die Tür für weitere Ausbildungsrichtungen am Campus weit aufgestoßen worden sein.

So könnte die in Mauer situierte große forensische Abteilung für Rechtsbrecher mit psychischen Erkrankungen auch eine neue zusätzliche Ausbildungsstätte für extrem gesuchtes Fachpflegepersonal anziehen.

Eine forensische Ausbildung auf Fachhochschul-Niveau, aber auch eine Bildungsstätte in Richtung Gerontopsychiatrie (über 65-Jährige, Anm.) oder Kinder- und Jugendpsychiatrie sind für Mauer vorstellbar. Ab 2023 werden bereits OP-Assistenten hier ausgebildet. Angesichts des Pflegenotstandes wird bereits intensiv um die Etablierung einer FH im Westen Niederösterreichs gerungen.

Mit der 2018 eröffneten neuen forensischen Abteilung im „Haus 50“ mit 65 Betten wird in Mauer eine der modernsten derartigen Therapiestätten in Österreich geführt. In einem weiteren speziell gesicherten Objekt, dem „Haus 6“, gibt es weitere 20 Plätze. Die aufgebaute Kompetenz könnte hier sicher in Ausbildungstools weitervermittelt werden, ist zu hören. Doch für die Umsetzung dürfte die Zeit noch nicht ganz reif sein. Aus dem Klinikum wird beteuert, dass „ein konkretes Vorhaben derzeit nicht am Tisch liegt“.

Keine Vorfälle

Für die breite Öffentlichkeit ist die Forensik, deren Leitung im Sommer von Primar Christoph Hafner übernommen wurde, jedenfalls selten wahrnehmbar. Lediglich 2015 sorgte ein 35-jähriger Häftling aus Stein in Mauer für Aufregung. Der wegen Diebstählen verurteilte und wegen Suizidgefahr nach Mauer gebrachte Serbe entkam durch die aufgezwängten Fenstergitter einer Toilette. Fluchthelfer schnitten den Zaun rund um das damalige alte Forensikgebäude durch.

Landesklinikum: Moderne Forensik rückt in den Fokus

„Wir in der forensisch-psychiatrischen Abteilung hier in Mauer übernehmen eine Art Brückenkopffunktion zwischen Versorgungspsychiatrie und der Justiz“, schildert Primar Hafner. Als übergeordnetes Ziel gehe es darum, die Gefährlichkeit, die auch mit der Straffälligkeit der Patienten in Zusammenhang steht, abzubauen, so Hafner. Man sei bemüht, eine gute tragfähige therapeutische Beziehung zu den Patienten, die ja nicht freiwillig hier seien, aufzubauen. Ein umfassendes Therapieprogramm und auch Medikamente helfen „die Menschen zu begleiten, zu unterstützen und im besten Fall auch zu heilen“.

Sicherheit

Als langjähriger medizinischer Mitarbeiter in der Forensik, berichtet Hafner, dass ihm im Neubau „Haus 50“ noch keine Ausbruchsversuche bekannt geworden seien. Erfahrene, gut geschulte Mitarbeiter würden bei frühzeitigen Vorzeichen eingreifen. Das Sicherheitssystem sei am letzten Stand. Ein „Außenring“ umgreift den gesamten Bau mit elektronischer Überwachung, Videokameras würden alle Bereiche der Abteilung erfassen und gemäß dem forensischen Standard sichern Zäune und Gräben die Stationsbereiche zusätzlich.

Wolfgang Atzenhofer

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