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Chronik Niederösterreich Krems
12/07/2020

Erfahrungen im Hospiz: Keine Krimis, dafür viel Lebensfreude

Kremserin Edda Kaufmann, Leiterin des mobilen Hospizdienstes der Diözese St. Pölten, über ihren Beruf und die Schwierigkeiten der Zeit.

von Anna Perazzolo

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„Jeder wird eines Tages mit dem Tod und mit Trauer konfrontiert“, so einfach und präzise formuliert Edda Kaufmann, die Leiterin des mobilen Hospizdienstes der Caritas der Diözese St. Pölten, die Notwendigkeit von Betreuungs- uns Begleitungsangeboten in einem Bereich, in dem Menschen verstärkt Begleitung und Unterstützung benötigen. Denn gerade in der letzten Lebensphase oder bei schweren Verlusten kann Beistand von außen häufig unterstützend wirken.

Die gebürtige St. Pöltnerin Edda Kaufmann hat nach ihrer Matura eine Ausbildung zur Ergotherapeutin am AKH Wien absolviert. Als sie dann vor 20 Jahren nach Krems zog und ihren Lebensmittelpunkt in diese Stadt verlegte, entschied sie sich für ein weiteres Studium im Bereich Gesundheitsmanagement. Einfach war diese Zeit für sie zwischen kleinen Kindern und Studium nicht immer, erklärt Edda Kaufmann. „Ich war eine Nachtlernerin.“ Ihr Diplom erlangte sie im Jahr 2008 dennoch.

Neue Herausforderungen

Dass ihr Herz nicht nur für Menschen, sondern insbesondere auch für Kinder und Jugendliche schlägt merkte sie schon damals. Unter anderem entschied sie sich deshalb im Jahr 2011 als Professorin an der IMC Fachhochschule Krems im Department Health zu lehren.

Auch in diesem Bereich hat sie den Sprung gewagt und sich einer neuen Herausforderung gestellt. „Leicht mache ich es mir manchmal nicht", gesteht die Ergotherapeutin schmunzelnd. Dennoch sei es ihr ein Anliegen, angelehnt an das Sprichwort des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry, den Studierenden „die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer zu lehren“. Gemeint sei damit die Vermittlung einer Grundhaltung, die ein Feuer und eine Begeisterung für diesen Beruf und die Menschen und ihre Bedürfnisse beinhaltet.

Aber nicht nur in der Lehre, sondern auch vor Gericht beschäftigte sich die Wahl-Kremserin mit Kindern und Jugendlichen. Als Kinderbeistand formulierte sie gemeinsam mit den begleiteten Kindern deren Anliegen in Obsorgeprozessen und brachte sie vor Gericht als „Sprachrohr" vor.

Im Jahr 2015 wechselte Sie von der Tätigkeit als hauptberufliche Professorin zur Koordinatorin des mobilen Hospizdienstes St. Pölten Land. Eineinhalb Jahre nach ihrer Einstellung als Koordinatorin konnte sie die Leitung des mobilen Hospizdienstes der Caritas Diözese St. Pölten übernehmen. Von da an war sie verantwortlich für neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 130 Ehrenamtliche. Diese begleiten lebensgefährdend erkrankte Menschen und ihre Angehörigen auf unterschiedliche Arten.

Neben der Beratung und Koordination erforderlicher Schritte gehört auch die Begleitung von Sterbenden und Trauernden zu den Aufgaben des mobilen Hospizdienstes. „Es ist uns nicht möglich, die Schicksale der betroffenen Menschen zu verändern, aber wir können sie begleiten, da sein, und manche Sorgen und Ängste auch ein Stück mittragen“, so Kaufmann.

Persönlicher Kontakt

Für die Menschen, die Begleitung suchen, ist dieser Dienst kostenlos. Finanziert wird der mobile Hospizdienst durch Förderungen des Landes Niederösterreich und durch Spenden, die an die Caritas St. Pölten gerichtet werden. Dazu kommt, dass die Einzelbegleitungen grundsätzlich von ausgebildeten Ehrenamtlichen übernommen werden. Ohne die Mitarbeit der engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter, die das Herzstück der Organisation seien, würde es nicht gehen, sagt Edda Kaufmann. In ihren Jahren als Koordinatorin hat sie zahlreiche Erstgespräche geführt. Der Aspekt des persönlichen Kontakts mit den Betroffenen habe ihr bei der Übernahme der Leitung gefehlt, darum übernehme sie jetzt immer wieder Begleitungen.

Die Aufgaben ihrer Position als Leitung beschreibt Kaufmann als facettenreich und bunt. Neben der organisatorischen, budgetären und personellen Leitung gehören unter anderem auch die Organisation von Weiterbildungen und des Lehrganges Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung dazu.

Die Corona-Situation hat auch den mobilen Hospizdienst nicht unberührt gelassen. Vor allem auch in Zeiten von Corona sei die Kompetenz im Umgang mit Leben und Tod zentral. „Sich selbst anstecken ist das eine, aber nicht andere anstecken zu wollen ist das andere". Deshalb würden Trauergruppen virtuell und telefonisch veranstaltet und die persönlichen Kontakte derzeit aufgeschoben werden. Es sei das bestmögliche, ersetze aber niemals den persönlichen Kontakt, so die Leiterin. Um ein würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen, begleite man die Menschen im Einzelsetting, unter Einhaltung aller Sicherheits- und Vorsichtsmaßnahmen, aber weiterhin.

Kein Krimi und kein Tatort

Häufig werde sie gefragt, wie man denn so einen Job machen könne, wenn man so empathisch und sensibel sei, schildert Edda Kaufmann. Ihre Antwort darauf: „Deswegen". Es sei wichtig sich nicht abzugrenzen, sondern sich darauf einzulassen. Dennoch dürfe einem auch das tiefste Leid, dem man in der Arbeit begegnet, nicht die Freude am eigenen Leben nehmen. Die Auseinandersetzung mit dem Tod erzeuge auch eine große Dankbarkeit. Spuren hinterlasse der Job aber schon. Tatort oder Krimis könne sie im Fernsehen nur schwer anschauen. „Ich kann da nicht rein und etwas verändern", sagt sie.

Dinge, die ihr nahe gehen, schreibt sie auf. Das sei ihr Ventil. Ihr Ausgleich. Die Leidenschaft fürs Schreiben pflege sie schon lange und bald soll auch in diesem Bereich ein Traum in Erfüllung gehen. Noch vor Weihnachten soll ihr Buch „Emma Seelenvogel“ erscheinen. Es handelt sich dabei um ein Mutmachbuch für Kinder, dass die Kraft von Begegnungen und Freundschaft würdigt.

Für Edda Kaufmann sind die Begegnungen mit den Ehrenamtlichen etwas ganz Besonderes. Sie finde es schön, dass Menschen sich ausbilden lassen, um dann ihre Freizeit gemeinsam mit Menschen zu verbringen, die Schweres durchstehen müssen. Aber auch in jeder einzelnen Begleitung gäbe es schöne Momente oder Augenblicke, in denen man sich gemeinsam erinnert oder lacht.

Wie die Verknüpfung zwischen Kindern und Menschen in ihrer letzten Lebensphase entstehe, erklärt sie damit, dass es eine Gemeinsamkeit gäbe: „das Maskenlose, Rollenlose, Unverstellte, Wesentliche." In Zusammenarbeit mit diesen Menschen gäbe es keinen Small Talk mehr, keine Rollen und Funktionen, die übernommen werden müssten. Nur noch echte Begegnungen.

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