4,8 Kilometer lang und 32 Millionen Euro teuer: Die Ostumfahrung von Wiener Neustadt lässt seit Jahren die Wogen zwischen der Politik und Kritikern hochgehen

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Chronik Niederösterreich
08/14/2020

Kirche und Politik streiten um die Ostumfahrung

Klärendes Gespräch zwischen Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger und Kardinal Christoph Schönborn.

von Patrick Wammerl

Die geplante Ostumfahrung in Wiener Neustadt schlägt hohe Wellen. Nun spielt sogar der oberste Kirchenvertreter Österreichs eine tragende Rolle in der Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern der 32 Millionen Euro teuren Trasse. Nachdem der Wiener Weihbischof Franz Scharl öffentlich als großer Kritiker der Umfahrung aufgetreten ist, mischt nun auch Kardinal Christoph Schönborn in der Sache mit. Es ist zu einer klärenden Aussprache zwischen dem obersten Geistlichen und Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) gekommen.

Wie vom KURIER berichtet, hat die Bürgerinitiative „Vernunft statt Ostumfahrung“ eine Online-Petition gegen den Bau der 4,8 Kilometer langen Trasse initiiert und teils prominente Gesichter als Werbeträger gewonnen. Einer davon ist Franz Scharl, der vor 20 Jahren Kurat in Wiener Neustadt war. In einem Video fand der Geistliche klare Worte gegen das „Zubetonieren wertvoller Böden.“

Nachdem die Erzdiözese kurz vor Scharls werbewirksamen Auftritt erklärt hatte, aus Kostengründen sämtliche Pfarrkindergärten in Niederösterreich (zwei davon in Wr. Neustadt) zu schließen, reagierte man in der Stadt empfindlich auf die Einmischung der Kirche in den Straßenbau. ÖVP-Vizestadtchef Christian Stocker riet den Würdenträgern am Stephansplatz, sich eher um die Zukunft der Kinder als mit Verkehrsthemen zu befassen.

Verantwortung der Kirche

Damit stach er anscheinend in ein Wespennest. Es dauerte nicht lange, da sprang die „Katholische Aktion der Erzdiözese Wien“ und die ARGE Schöpfungsverantwortung für Scharl in die Bresche. Es liege auch in der Verantwortung der Kirche, sich für den Naturschutz einzusetzen und das unnötige Zubetonieren wertvoller Böden aufzuzeigen und anzuprangern.

Schneeberger, auch ÖVP-Klubobmann im nö. Landtag, ließ es darauf nicht beruhen und schrieb dem Kardinal einen Brief um seine „Irritation“ über den Alleingang von Schönborns Schäfchen kundzutun.

Die Zeilen verfehlten anscheinend ihre Wirkung nicht. Wie der Sprecher des Erzbischofs, Michael Prüller bestätigt, gab es ein klärendes Telefonat zwischen den beiden. „Es gab ein konstruktives Telefongespräch zwischen Bürgermeister und Kardinal. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, so Prüller.

Diplomat

Schneeberger zeigt sich erfreut, dass der höchste geistliche Vertreter des Staates auf sein Schreiben reagierte. Schönborn sei seinem diplomatischen Ruf gerecht geworden und habe Verständnis für beide Seiten gezeigt. Er habe eingeräumt, dass sich sein Weihbischof vor der öffentlichen Kritik mit den Verantwortlichen der Stadt über das Projekt auseinandersetzen hätte sollen. Dies sei „ungeschickt“ gewesen. Der Kardinal betonte aber, dass die Kirche verstärkt für das Thema des Naturschutzes auftreten muss.

Schönborn habe als Unterstützer der Kampagne „Hallo Vernunft“ der Hagelversicherung oftmals darauf hingewiesen, dass Österreich „negativer Rekordhalter in Europa“ bei der Bodenversiegelung durch Verbauung ist.

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