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Chronik Niederösterreich
06/19/2020

Kinderwunsch-Klinik: Frauen aus dem Koma erwacht

Ein Opfer ist bereits aus dem Spital in Baden entlassen, die andere Patientin wurde im AKH auf die Normalstation verlegt.

von Patrick Wammerl

Nach dem Tod einer 32-jährigen Frau nach der Behandlung im Kinderwunsch Institut in Baden, gibt es für die beiden anderen Opfer des fatalen Eingriffs einen Lichtblick. Beide Frauen sind bereits aus dem Koma erwacht. Wie der Sprecher der nö. Landesklinikenholding, Bernhard Jany, gegenüber dem KURIER bestätigt, konnte jene Patientin, die auf der Intensivstation in Baden lag, das Krankenhaus diese Woche bereits verlassen. Auch die zweite Patientin am Wiener AKH befindet sich auf dem Weg der Besserung. „Sie konnte bereits von der Intensiv- auf eine Normal-Pflegestation verlegt werden“, erklärt die Sprecherin des AKH, Karin Fehringer.

Eizellen aus den Eibläschen entnommen

Alle drei Frauen waren, wie berichtet, Stunden nach einer Follikel-Punktion in der Kinderwunschklinik nach schweren Komplikationen ins Koma gefallen. Eine 32-Jährige starb am 5. Juni im Krankenhaus Hietzing an einem Multiorganversagen nach einem septischen Schock. Laut eines mikrobiologischen Gutachtens wurde dieser durch einen Keim ausgelöst. Deshalb wird bereits gegen den Anästhesisten, der in allen drei Fällen die Narkose durchführte, wegen grob fahrlässiger Tötung sowie grob fahrlässiger schwerer Körperverletzung ermittelt.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand, dürften die Frauen über das Narkosemittel Propofol mit dem Keim infiziert worden sein. Eine der Durchstichflaschen oder Ampullen dürfte bereits zuvor in Verwendung und damit nicht mehr steril gewesen sein. Wegen der Keimgefahr dürfen Fläschchen nur kurze Zeit nach dem Öffnen injiziert werden.

Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt erwartet sich nähere Aufschlüsse durch ein toxikologisches Gutachten der im Blut befindlichen Stoffe aller drei Patientinnen. Außerdem werden auch chemische Analysen des noch sichergestellten Narkosemittels gemacht. Der Anästhesist hat inzwischen seinen Anwalt gewechselt und setzt nun auf einen Spezialisten für Medizinrecht. Der Mediziner mit mehr als 30-jähriger Berufserfahrung wird erst durch Ermittler des nö. Landeskriminalamtes einvernommen.