Die Neue Seehütte liegt auf 1.644 Meter Seehöhe auf der Rax

© ÖTK

Chronik Niederösterreich
10/07/2021

Nach Pachtstreit: Legendäre Hütte auf der Rax vor dem Abriss

Wichtige Schutzhütte bleibt geschlossen. Der Österreichische Touristenklub überlegt, die Seehütte neu zu errichten.

von Patrick Wammerl

Keine Autostunde von Wien entfernt, tummeln sich an starken Wochenenden mehrere Tausend Ausflügler im Rax-Schneeberggebiet. Seit der Pandemie noch viel mehr als zuvor. In diesem Trubel heißt es zum großen Ärger der Touristiker und der Bergrettung ausgerechnet auf einer der bekanntesten Hütten der Region: geschlossen.

Die Neue Seehütte auf 1.644 Meter Seehöhe auf der Rax hat nach 29 Jahren mit Franz Eggl nicht nur den wohl prominentesten Hüttenwirt Niederösterreichs verloren. Sie hat nach dessen Abgang im Sommer gar nicht mehr aufgesperrt. "D’Höllentaler Holzknecht" – also die zuständige Sektion des Österreichischen Touristenklub (ÖTK) – konnte sich mit keinem neuen Pächter einigen. Und auch das Zukunftsbild ist ein düsteres. Via Internet rufen D’Höllentaler nämlich zur Rettung der Seehütte auf.

Wohl eher eine Verzweiflungsaktion: Denn um sie vor der behördlichen Schließung zu bewahren, seien 180.000 Euro Spendengelder für den Umbau nötig. 117.000 Euro davon alleine für den Materialtransport per Hubschrauber. „Leider sind die nötigen und vorgeschriebenen Umbauarbeiten sehr kostenintensiv und wir sind als kleine Sektion nicht in der Lage, diese allein aus unserem Vereinsbudget zu finanzieren“, so die Verantwortlichen.

Für den Tourismusverband und den Chef der Raxseilbahn, Bernd Scharfegger, ist die derzeitige Situation mehr als ärgerlich. Mit der geschlossenen Seehütte fehle nicht nur ein wichtiger Gastronomiebetrieb für die Tausenden Gäste, sondern auch eine Schutzhütte. Die Bergrettung spricht von einem strategisch wichtigen Platz bei vielen ihrer Rettungseinsätze – besonders im Winter und vor allem dann, wenn das Wetter keine Hubschrauberbergungen zulässt.

Im Guten haben sich Eggl und der ÖTK nicht getrennt. Der Hüttenwirt bekrittelt, dass die Zusammenarbeit mit dem Verein nicht mehr gepasst habe und wichtige Investitionen aufgeschoben wurden. Obwohl er emotional stark mit dem Haus verbunden ist – sein Vater war 1951 am Bau beteiligt und bis 1964 der erste Pächter –, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als zu gehen. Und zwar auf die Pottschacherhütte am Gahns, einem Ausläufer des Schneebergs.

Neubau

Und wie geht es jetzt auf der Rax weiter? Für die Zentrale des ÖTK ist die Neue Seehütte das derzeit größte Problemfeld. „Wir beobachten das mit großer Sorge da unten und überlegen uns, wie wir diese Baustelle sanieren können“, so Sprecher Michael Platzer. 

Man ist sich um die Bedeutung des Standortes bewusst. Es gäbe Überlegungen, die Hütte von der Sektion in die Zentrale zu übernehmen und komplett neu zu errichten. Weil das Haus im Wasserschongebiet der Stadt Wien liegt, sei so ein Projekt allerdings mit vielen Auflagen und erheblichem finanziellen Aufwand verbunden. "Wir als ÖTK-Zentrale sind sehr daran interessiert, dass der Standort erhalten bleibt, weshalb wir mit allen Betroffenen eine Lösung für die sanierungsbedürftige Hütte erarbeiten. Bis dahin bleibt die Hütte geschlossen", sagt Platzer.

Zur Sicherheit für Bergsteiger versuche man derzeit, zumindest den Winterraum herzurichten.

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