© Pia Seiser

Ausflugstourismus
06/12/2021

Im Höllental ist die Hölle los

In dem beliebte Naturparadies hat man mit dem Verkehr zu kämpfen. An einem der beschaulichsten Orte Österreichs wird nach Auswegen gesucht

von Patrick Wammerl

Das Höllental zwischen der Rax und dem Schneeberg, einer der beschaulichsten Orte Österreichs in den Wiener Hausbergen, ist zugepflastert mit bis zu 1.500 Autos. Nach einem sonnigen Wochenende türmt sich entlang des Schwarza-Flusses nicht nur Müll. Auch ein unangenehmer Fäkaliengeruch steigt Naturliebhabern ab und zu in die Nase.

So wie in anderen beliebten Ausflugsgebieten, in den Bergen oder an Seen in Österreich, werden gerade an den Hotspots nahe der Ballungszentren die Auswirkungen des coronabedingten Massenansturms sicht- und spürbar. Seitdem die Adria, Griechenland oder Mallorca in Pandemiezeiten nicht mehr die Sommerdestinationen Nummer eins der Österreicher sind, haben viele die Schönheit des eignen Landes entdeckt. Dort, wo die Parkplätze zu klein, der Andrang zu groß und die Disziplin der Besucher zu gering ist, kommt es zu Konflikten.

Bestes Beispiel dafür ist derzeit das Höllental im Bezirk Neunkirchen.

Parkverbotszonen

Kaum eine Stunde von Wien und den Ballungszentren des Mürztales entfernt, ist die malerische Landschaft Anziehungspunkt für Wanderer, Kanufahrer, Kletterer und Alpinisten. Die Stadt Wien

hält als größte Grundeigentümerin in der Region ihre schützende Hand auf das Quellschutzgebiet der Wiener Hochquellwasserleitung im Rax-Schneeberg-Gebiet. „Es ist toll und begrüßenswert, wenn die Leute die Natur entdecken. Solange es nicht ausartet“, sagt Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz.

Doch das tut es mitunter. Seit dem Vorjahr arbeiten die Forstdirektion, die Gemeinden, der Tourismusverband und die Naturfreunde an Leit- und Lenkungsmaßnahmen. Durch eine Umwidmung der Verkehrsflächen entlang der B27 kann nun erstmals das Park-Chaos eingegrenzt werden – mit Parkverbotszonen. Bisher wurden Zufahrten zu Hütten oder Forstwegen und Schranken oft zugeparkt. „Das Ziel wäre ein Shuttle-Dienst, der die Leute von der Talstation der Raxseilbahn ins Höllental bringt“, sagt Reichenaus Bürgermeister Johann Döller (ÖVP). Als Realist wisse er aber, dass noch viel Wasser die Schwarza hinunter fließt, bis so etwas umgesetzt ist.

Wie groß das Spannungsfeld ist, zeigte sich im vergangenen Sommer. Um Lösungen für das Verkehrsproblem aufzuzeigen, planten der Tourismusverband und die Gemeinde einen autofreien Tag im Höllental. „Das ist durch diverse Einsprüche kläglich gescheitert. Dabei ging es nur um 24 Stunden“, so Döller.

Kein Durchkommen

Problematische Ausmaße hat die ungezügelte Anreise mit dem Auto für die Bergrettung angenommen. Von NÖ und der Steiermark aus führt eine Passstraße auf das Preiner Gscheid – ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen. Die enge Straße ist an schönen Wochenenden über mehrere Kilometer rechts und links der Fahrbahn so zugeparkt, dass die Bergrettungsmannschaft nur unter größter Anstrengung zu ihrer Diensthütte kommt. „Wenn der Weg versperrt ist, kann das bei einem Notfall brenzlig ausgehen“, sagt Lukas Turk, Landesgeschäftsführer der Bergrettung NÖ/Wien.

Die Naturfreunde setzen sich seit Jahren dafür ein, den Freizeit- und Ausflugsverkehr mit dem Auto deutlich zu reduzieren. Dazu werden laufend Touren zu den 135 Naturfreundehütten in ganz Österreich veröffentlicht, die ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. „Das wichtigste ist es, einen Anreiz zu schaffen, dass das Auto zu Hause bleibt“, sagt Regina Hrbek, Umweltschutzexpertin bei den Naturfreunden Österreich.

Corona habe leider das Gegenteil bewirkt. Aus Angst vor Ansteckungen habe man öffentliche Verkehrsmittel bewusst gemieden und auf den Pkw zurückgegriffen. „Das muss sich rasch wieder ändern. Die An- und Abreise in Ausflugsgebiete ist ein riesiger -Verursacher“, so Hrbek.

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