© Bergwaldprojekt

Chronik Niederösterreich
07/12/2021

Massentourismus: Freiwillige halten die Berge in Schuss

Entwurzelte Bäume beseitigen, Wanderwege und Steige sanieren. Eine Gruppe von Enthusiasten sorgt für Sicherheit auf Rax und auf Schneeberg.

von Patrick Wammerl

Fast 350.000 Ausflügler werden jedes Jahr mit Seil- und Zahnradbahn auf Schneeberg und Rax gekarrt. Dazu kommen Zehntausende, die die Gipfel zu Fuß, mit Tourenskiern oder dem Mountainbike erklimmen. Damit sie sichere Wanderwege vorfinden und wegen erodierter Steige nicht in den Abgrund stürzen, sind zahlreiche Arbeitsstunden notwendig. Eine Woche lang waren Freiwillige und bergerfahrene Mitglieder der Naturfreunde Österreich und des Alpenvereins mit Motorsägen, Seilwinden und Astscheren nun im Dienst der guten Sache unterwegs.

Bereits seit mehreren Jahren dient das Bergwaldprojekt im Rax-Schneeberg-Gebiet dazu, sanierungsbedürftige Wege instand zu setzen, sie wieder frei zu schneiden und bei der Gelegenheit gleich neu zu markieren. „Wanderwege wurden etwa mit neuen Geländern versehen, um so die Sicherheit bei Auf- und Abstiegen zu gewährleisten“, erklären die Projektleiter Regina Hrbek und Rainer Vogl.

Einsatz unter Lebensgefahr

Nach den widrigen Wetterbedingungen mit schweren Winterstürmen und Rekordfrost herrschen auf manchen Klettersteigen und Wegen noch lebensgefährliche Verhältnisse. Außerdem muss ein Teil der Wanderwege mithilfe von Sägen und Astscheren vom Latschenwildwuchs befreit werden.

Mehr als 20 Frauen und Männer schufteten tagelang für den reibungsfreien Massentourismus auf den Hausbergen der Wienerinnen und Wiener. Die Bergrettung Reichenau unterstützte die Aktion mit ihrem Pinzgauer, mit dem die Freiwilligen und das schwere Material an die entlegenen Orte am Berg gebracht wurden.

Bergwaldprojekt auch für Wien wichtig

Als größter Grundeigentümer in der alpinen Region und Hüter des Quellschutzgebietes hat auch die Stadt Wien großes Interesse an dem Bergwaldprojekt: Für Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz dient die Sanierung der Wege nicht nur der Sicherheit der Touristen, sondern vor allem der Besucherlenkung. Da nämlich ein Großteil des Wassers für die Versorgung der Bundeshauptstadt aus dem Quellschutzgebiet in Hirschwang stammt, sei es unumgänglich, dass die Wanderer auf den markierten Wegen bleiben und es zu keinen unnötigen Verunreinigungen der Umwelt kommt.

Gerade aber seit dem Massenansturm in Corona-Zeiten gab es speziell an den beliebten Ausflugsplätzen im Höllental Probleme durch Abfälle und Fäkalien.

Massentourismus
Bis zu 170.000 Gäste  wurden zuletzt mit der Raxseilbahn pro Jahr auf den Berg befördert. Etwas mehr  wurden von der Zahnradbahn Salamander auf den Schneeberg gebracht 

Höllental
Dazu kommen noch Zehntausende Besucher, die es besonders im Sommer ins malerische Höllental zieht. Die gesamte Region ist aufgrund ihrer Nähe zu Wien auch ein beliebtes Ausflugsziel der Stadtbewohner 

20 Freiwillige
unterstützten heuer das traditionelle Bergwaldprojekt der Naturfreunde und des Österreichischen Alpenvereins im Rax-Schneeberg-Gebiet

Wetterextreme

Laut Projektleiterin Regina Hrbek stellen die immer häufiger auftretenden Wetterextreme die Wegewarte der alpinen Vereine vor immer größere Hürden. „Die Sanierung beansprucht immer mehr Zeit und wird wohl langfristig nicht mehr nur vom Ehrenamt getragen werden können. Hier muss man sich für die Zukunft neue Lösungsansätze überlegen“, so die Umweltschutzexpertin bei den Naturfreunden Österreich.

Die Naturfreunde sind übrigens nicht die Einzigen, die die heimischen Berge in Schuss halten. Rund um den Lawinenmelder und Bergretter Karl Tisch hat sich der „(Schnee)berg Verein“ die Instandhaltung der Wanderwege auf dem höchsten Berg Niederösterreichs zum Ziel gemacht.

Weil Souvenirjäger zuletzt außerdem mehr als 40 Wegweiser und Hinweisschilder mitgehen haben lassen, wurden in den vergangenen Tagen alle fehlenden Tafeln in stundenlanger Arbeit ersetzt. Der Österreichische Touristenklub (ÖTK) ließ die Wegweiser anfertigen, die Freiwilligen montierten sie – man hofft, dass diese Arbeit nicht umsonst war.

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