© APA/AFP/POOL/ROBERT JAEGER

Chronik Niederösterreich
12/27/2021

Josef Fritzl bald frei? Gericht gibt psychiatrisches Gutachten in Auftrag

Die Verlegung des Gefangenen in die normale Strafhaft wurde vorerst verhindert. Dort könnte er in zwei Jahren Antrag auf Entlassung stellen.

von Patrick Wammerl

Für die Opfer wäre es wohl eine unvorstellbare Schmach. Österreichs berüchtigtster Verbrecher, Josef Fritzl, an seinem Lebensabend in Freiheit?

Es gibt tatsächlich begründete Hoffnung für den 86-Jährigen auf eine vorzeitige Entlassung. Denn das zuständige Landesgericht Krems hat im Herbst diesen Prozess in Gang gebracht. Das Gericht hat entschieden, Fritzl aus dem Maßnahmenvollzug für geistig abnorme Rechtsbrecher zu entlassen und ihn in gewöhnliche Strafhaft zu verlegen – mit der Möglichkeit dort erstmals im Jahr 2023 einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu stellen.

Einspruch

Nach einem Einspruch der Staatsanwaltschaft gegen diese Entscheidung hat sich nun das Oberlandesgericht Wien eingeschalten. Ein Gerichtsgutachter für die Fachrichtungen Neurologie und Psychiatrie soll über Fritzls geistigen Zustand entscheiden. "Wir rechnen Ende Jänner mit einem Ergebnis", erklärt der Vizepräsident des Landesgericht Krems, Ferdinand Schuster, auf Anfrage des KURIER.

Der Fall hat weltweit für Entsetzen und Entrüstung gesorgt. Josef Fritzl (er hat seinen Namen im Gefängnis geändert) hielt seine Tochter 24 Jahre lang in einem dunklen Keller-Verlies in Amstetten in Niederösterreich gefangen und zeugte mit ihr in dieser Gefangenschaft sieben Kinder. Im März 2009 wurde er für seine Gräueltaten wie Mord durch Unterlassung, Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Blutschande und andere Delikte zu lebenslanger Haft und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt. Er sitzt seither im Maßnahmenvollzug im Gefängnis Krems-Stein. Aus dieser Einrichtung gibt es zu Lebzeiten normalerweise kein Freikommen.

Aber für das Landesgericht Krems scheint Fritzls geistige Abnormität anscheinend nach 13 Jahren nicht mehr gegeben zu sein. Bei der jährlichen Überprüfung Ende September entschied man, den 86-Jährigen in den "Normalvollzug" (lebenslange Freiheitsstrafe) zu überstellen. Das bringt mit sich, dass Lebenslange in Strafhaft bereits nach 15 Jahren erstmals einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen können.

Geistiger Zustand

Die Staatsanwaltschaft Krems hatte damit wenig Freude und legte sich mit einem Einspruch quer. Der Akt ging damit in die nächste Instanz an das Oberlandesgericht Wien. Dieses entschied am 30. November den Fall in die Hände eines Gutachters zu legen. Dieser soll nun Fritzl erneut begutachten und in einer Expertise über dessen geistigen Zustand entscheiden.

Bis zum rechtskräftigen Urteil bleibt der Betroffene in der aktuellen Unterbringungssituation, erklärt Schuster. Wenn Fritzl tatsächlich 2023 die Möglichkeit hat, aus dem Gefängnis frühzeitig entlassen zu werden, wäre er neun Jahre kürzer eingesperrt, als es seine Tochter im Verlies war.

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