Drei Maschinen der Hagelabwehr stehen am Flugplatz in Krems-Gneixendorf bereit. Wenn andere Piloten wegen der Unwettergefahr schleunigst landen, steigen sie in die Lüfte um die Region vor Hagel zu schützen – mit einem Gemisch aus Silberjodid

© Kulturenschutzverein

Chronik Niederösterreich
07/29/2021

Hagelabwehr: Wenn es blitzt und donnert, steigen die Piloten in die Lüfte

Seit den 70er-Jahren schützen Hagelflieger im Raum Krems in NÖ die Weingärten

von Patrick Wammerl

Wenn Johannes Eckharter oder seine Kollegen in ihre Maschine steigen, haben sich dunkle Gewitterwolken und ein Unwetter zusammengebraut. Während andere Piloten bei solchen Bedingungen tunlichst am Boden bleiben, um nicht von einem Blitz getroffen zu werden, gehen die Piloten der Hagelabwehr im niederösterreichischen Krems erst recht mit dem Gewitter auf Tuchfühlung. Der Einsatz ist nichts für schwache Nerven.

Seit den späten Siebzigerjahren bemüht sich eine kleine Gruppe von 13 Männern und mittlerweile auch zwei Frauen, die Umgebung von Langenlois und Krems vor schwerwiegenden Schäden durch Hagel zu schützen. Das Einsatzgebiet umfasst das Kamptal, die Wachau, das Kremstal, das Traisental und das Weinbaugebiet am Wagram.

Nutznießer dieses lang erprobten Systems sind vor allem die umliegenden Wein- und Obstbauern, deren Kulturen bei jedem Hagelschlag in Gefahr sind. „Wir beeinflussen weder Menge noch Ort und Zeit des Niederschlags. Das einzige, was wir beeinflussen können, ist, ob der Niederschlag in flüssiger oder fester Form als Hagel am Boden ankommt“, sagt Johannes Eckharter, Geschäftsführer des Kremser Kulturenschutzvereins (KSV).

Kanone

Die Piloten der Hagelflieger steuern direkt zum unteren Ende einer Wolkenwand, um die dort herrschenden Aufwinde zu nutzen. Mit einer Kanone am Flugzeug wird ein Silberjodid-Aceton-Gemisch verbrannt. Dadurch entstehen künstliche Kondensationskerne, die in die Gewitterwolke geblasen werden. Eine physikalische Reaktion sorgt dafür, dass die Hagelkörner entweder deutlich kleiner ausfallen, oder nur mehr als Wassertropfen zu Boden prasseln.

Eckharter spricht von einer 50-prozentigen Erfolgsquote. „Für einen Winzer spielt es schon eine Rolle, ob seine Weingärten alle zwei oder alle vier Jahre vernichtet werden.“ Deshalb finanziert sich der Verein auch durch Beiträge der Wein- und Obstbauern, aber auch durch private Förderer und große Autohäuser. Sie hoffen dadurch, ihren Besitz vor Hagelschaden zu sichern.

Während im Mai die noch niedrigeren Temperaturen dafür sorgen, dass von fünf drohenden Hagelunwettern eines verhindert werden kann, so sind es im August bereits vier von fünf. Das heurige Jahr ist aufgrund der vielen Wetterextreme auch für die Hagelflieger herausfordernd.

An acht Tagen gab es bisher 35 Flugeinsätze, im Rekordjahr 2009 waren es 93 an 35 Tagen, die wenigsten 2015 mit 19 an sieben Einsatztagen.

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