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Kochgeschichte
10/05/2021

Gute Ernte sichert den Erdäpfelsalat

Vor 400 Jahren startete Abt Kaspar die Erfolgsstory der „Hungerknolle“

von Wolfgang Atzenhofer

Im Frühjahr und in den ersten Sommermonaten sah es schlimm aus um des Österreichers beliebteste Beilagenspeise. Zuerst brachten die Bauern die Erdäpfel wegen der Kälte nicht unter die Erde, dann folgten Unwetter mit Wassermassen und extreme Hitze. Doch letztendlich rettete optimales Wetter im August die heurige Ernte.

Im Stift Seitenstetten im niederösterreichischen Mostviertel, wo heuer das 400-jährige Jubiläum des ersten in Österreich dokumentierten Erdäpfelrezepts gefeiert wird, vermeldeten die Bauernvertreter zufrieden die diesjährige Versorgungssicherheit mit der nahrhaften Speiseknolle. Witterung und auch der Drahtwurmbefall zwingen aber erneut zum Ausscheiden von fast 30 Prozent der Ernte, die noch nicht ganz abgeschlossen ist.

Abt Kaspar Plautz hat 1621 in seinem Buch „Nova Typis Navigatio“) erstmals die Verwendung der „Wurzel“ aus der Neuen Welt beschrieben. Damit verewigte er die Benediktiner als Österreichs Erdäpfelpioniere. In einer Sonderschau im Stift dokumentieren die Mönche die Erfolgsgeschichte der „Hungerknolle“.

Erster Erdäpfelsalat

In der Schau ist das Original des Buchs samt der Druckplatten, auf denen auch erstmalig eine Erdäpfelstaude abgebildet wurde, zu sehen. Und natürlich ist auch das von Abt Kaspar für die Nachwelt überlieferte erste Erdäpfelsalat-Rezept nachzulesen. „Nimm diese Bacaras oder Papas, sauber und weichgekocht, schneide sie in Scheiben, füge Öl, Essig, Pfeffer und Salz oder auch Zucker hinzu und genieße“, empfahl der Abt.

Der aktuelle Abt Petrus Pilsinger berichtet, dass die Knollen noch in den 1990er Jahren im heute schmucken barocken Stiftsgarten wucherten. Die Sonderausstellung wird gut besucht. Sie läuft noch bis Ende Oktober, wird aber zu Ostern 2022 wieder für das kommende Jahr geöffnet.

Die Wurzeln, die der historische Abt als Bacaras oder Papas bezeichnete, werden dem modernen Konsumenten in den Supermarktregalen als vorwiegend festkochend, speckig oder mehlig feilgeboten. Damit wird auch gleich der wichtigste Hinweis zum Gelingen des herzhaften Erdäpfelsalats oder flaumiger Knödel mitgeliefert.

100 Sorten

Hinter dem ebenso simplen, wie wichtigen Lebensmittel steckt eine ausgefeilte Agrarkultur. An die 100 Sorten, darunter auch viele mit bläulich-violettem Fruchtfleisch und verschiedensten Formen, werden derzeit angebaut. Heuer sollte die Ernte mengenmäßig an jene des Vorjahrs herankommen. 80 Prozent davon kommt aus Niederösterreich. 886.000 Tonnen Erdäpfel wurden 2020 in Österreich geerntet. Heuer sollte ein ähnliches Ergebnis erzielt werden. Die Ernte ist noch nicht abgeschlossen. 50 Kilogramm werden in Österreich pro Einwohner und Jahr verspeist. In NÖ werden auf 22.000 Hektar Erdäpfel angebaut

 

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