In der Papierfabrik wurden die berühmten „Feh“-Taschentücher hergestellt. Das Inferno kostete fünf Feuerwehrleuten das Leben

© Feuerwehr

Chronik Niederösterreich
12/17/2021

Fünf tote Feuerwehrleute: Gedenken an die Katastrophe von Ortmann

Am 17. Dezember 1971 verloren elf Kinder vor dem Weihnachtsfest ihre Väter. Den Toten des Großbrandes wird 50 Jahren danach gedacht

von Patrick Wammerl

Es war eine Woche vor Weihnachten, als fünf Frauen ihre Männer und elf Kinder ihre Väter verloren. Heute, am 17. Dezember, jährt sich die verheerende Brandkatastrophe in der Papierfabrik Ortmann im Piestingtal (Bezirk Wiener Neustadt) zum 50. Mal. Auch nach so langer Zeit ist eines der tragischsten Ereignisse in der Geschichte von Niederösterreichs Feuerwehr immer noch präsent.

In Gedenken an die Opfer zelebriert Landesfeuerwehrkurat Pater Stephan Holpfer Freitagabend um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche Markt Piesting einen Gedenkgottesdienst.

Dunkle Stunden

Auch wenn das Geschehene fünf Jahrzehnte zurück liegt, „hinterlässt es auch nach so langer Zeit immer noch Spuren“, heißt es vonseiten des Bezirksfeuerwehrkommandos Wiener Neustadt. Auch heute noch werde über diesen schlimmen Einsatz gesprochen. Für die Feuerwehr ist es wichtig, das Bewusstsein auch für solch dunkle Stunden zu wecken. „Im Laufe der Jahre wurden Ausbildungen, Bauvorschriften, Technik und Kommunikation stetig angepasst, so ist zu hoffen, dass sich ein solches Ereignis nicht mehr wiederholt“, so die Feuerwehr Markt Piesting.

An dem schicksalsträchtigen Tag war durch Schweißarbeiten ein Feuer in der Papierfabrik Bunzl & Biach ausgebrochen. 200 Feuerwehrleute kämpften stundenlang gegen die Flammen. Kurz nach 20 Uhr kam es zum Einsturz einer Betondecke; fünf Männer hatten sich zu weit vorgewagt.

Die verunglückten Feuerwehrleute waren der 32-jährige Helmut Simon und Rudolf Lechner (33) von der Feuerwehr Markt Piesting sowie ihre Felixdorfer Kameraden Franz Kohlhauser (32), Bruno Markusowits (23) und der 35-jährige Kurt Erlacher.

Letzterer wurde von beherzten Feuerwehrleuten schwer verletzt aus den Trümmern gezogen. Der damals 22-jährige Josef Gruber war einer von ihnen: „Weil das Gesicht schwer verbrannt oder voll Ruß war, habe ich gefragt, wer er ist“. Die Antwort mit schwacher Stimme: „Der Erlacher, der Bimbo“ – so sein Spitzname. Kurze Zeit später erlag er im Spital seinen Verletzungen.

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