© Gerhard Ullram

Chronik Niederösterreich
01/18/2022

Ernste Musik darf auch mal zum Lachen sein

Robert Lehrbaumer. Der Pianist, Dirigent und Festivalleiter sieht die Klassik von der heiteren Seite

von Markus Foschum

Das Musikalische wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. „Meine Eltern waren bei der Volkstanzgruppe, zu Hause wurde immer Musik gemacht und gesungen. Das Pianino in unserem Haus hat mich schon früh magisch angezogen“, erinnert sich Robert Lehrbaumer. Es war der Start einer großen Musiker-Karriere. „Es gibt ein Foto von mir, als ich vier Jahre alt war, da stehe ich vor dem Radio und dirigiere. Und ich muss sagen, ich mache das gar nicht schlecht“, erinnert sich Lehrbaumer lachend.

Es folgten Klavierunterricht und die Mozart-Sängerknaben, als Neunjähriger gab er erste Klavier-Konzerte, wenig später spielte Lehrbaumer als Solist mit Orchester. Dann kamen Auftritte als Pianist, Organist, Cembalist und Dirigent mit den Wiener Philharmonikern, den Wiener Symphonikern, dem RSO Wien, dem Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester und Sinfonie- und Kammerorchestern im In- und Ausland. Seit mehr als 30 Jahren ist er auch Leiter der Altenburger Musikakademie, der Halbturner Schlosskonzerte und der Meisterkonzerte in St. Pölten. „Mein erstes Orgelkonzert habe ich im Dom St. Pölten gespielt“, erklärt Lehrbaumer seine enge Beziehung zur nö. Landeshauptstadt. Wobei – „ich bin ja ein wienerischer Niederösterreicher. Meine Eltern kommen aus Wilhelmsburg und Aschbach, ich bin in Wien geboren und dort zur Schule gegangen. Beide Bundesländer haben mich geprägt, meine ganze Verwandtschaft lebt in Niederösterreich“, erzählt der Musiker.

Im Vorjahr mussten etliche Events coronabedingt ausfallen, heuer sollte es mehr Normalität geben. Die Meisterkonzerte in St. Pölten laufen schon seit November, noch dazu war „200 Jahre Schubert in St. Pölten“ das Thema. „Mir geht es mit den Komponisten wie Eltern, die alle ihre Kinder lieben, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre es Schubert, weil er diese typisch österreichische Mentalität vertritt. Im Gegenteil zum Kosmopolit Mozart oder zum Wahlwiener Beethoven“.

Klassik und Blödeln

Weiter geht es am 22. Jänner mit dem Faschingskonzert zum Thema „Klassik & Blödeln“ im Stadtsaal St. Pölten. Lehrbaumer präsentiert als Pianist und Conférencier Klassisches von Bach und Beethoven ebenso wie Melodien aus Filmen wie „James Bond“, „Star Wars“ und „Der rosarote Panther“ sowie Schlager. Dazu erfährt man, warum Chopin „Musik zum Eierkochen“ komponiert hat, wie man als Komponist am besten von Kollegen „abschreibt“ oder wie sehr man sich als Pianist beim Auswendigspielen „verirren“ kann.

„Man sollte ernste Musik nicht zu ernst nehmen. Über ein Requiem kann man sich nicht lustig machen, aber 80 Prozent der ernsten Musik lässt sich erfrischend und erheiternd präsentieren, um so die Scheu vor der Klassik zu nehmen“, betont Lehrbaumer. Schon mit 16 Jahren habe er seine Schulkameraden bei Konzerten mit seinen Ausführungen amüsiert. „Ich versuche Klassik-Einsteiger genauso zu unterhalten, wie Fachleute“, sagt er. Und fügt hinzu: „Nach 50 Jahren Konzerttätigkeit darf ich damit sein, was ich schon als Bub wollte – ein Clown.“

In dieser Tonart geht es am 18. März auf Schloss Thalheim weiter. „Der Pudel“ nennt sich ein kabarettistischer, klassischer Liederabend mit Angelika Kirchschlager und Alfred Dorfer. Klassischer geht es am 31. März mit Eröffnung einer neuen Konzert-Serie in Sollenau, ebenfalls mit Angelika Kirchschlager, weiter. Interessantes, Witziges, Kurioses und Stimmungsvolles aus der Welt der klassischen Musik präsentiert Lehrbaumer auch auf seinem Youtube-Kanal (www.lehrbaumer.com)

„Mehr Hausverstand“

Im Frühjahr 2020, da war der ganzen Kulturbranche nicht zum Lachen zumute. Robert Lehrbaumer war einer jener Künstler, die klare Kriterien und Zielsetzungen für die Wiederzulassung der Kunst- und Kulturaktivitäten einforderten. Heute sieht der Interpret darin einen entscheidenden Schritt. „Ich war erstaunt, wie viel das gebracht hat. Auch dank populärer „lauter“ Künstler wie Lukas Resetarits. Es kam so weit, dass wieder geöffnet wurde und das zeigt, dass man etwas bewegen kann.“

So wie viele wünscht er sich 2022 mehr Normalität. „Und Hausverstand. Ich finde, man sollte alle Türen so weit öffnen, wie es möglich ist. Einschränkungen müssen nachvollziehbar sein. Es ist sogar eine andere Gefahrensituation, ob es sich um ein ausgelassenes Pop- oder ein andächtiges Klassik-Konzert handelt.“

Und er hofft, dass die Impfdebatte zu keiner Spaltung in der Gesellschaft führt. „Jede Gruppe hält die andere für verrückt. Vieles ist nicht ausgewogen und logisch“. Wobei Lehrbaumer zugibt: „Ich möchte in der derzeitigen Situation kein Politiker sein“. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber gerne mit Hausverstand beraten“.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und ĂĽberall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare