Energie, Wasser, Kinderbetreuung: Modellregion in NÖ trotzt Krise

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben sich Kommunen im südlichen NÖ zusammengeschlossen, um besser zu wirtschaften.
Schule / Deutschklasse / Deutschförderklasse.

Inflation, hohe Energiepreise, weniger Steuereinnahmen und stark wachsende Umlagen und Abgaben: In Niederösterreich steht aktuell fast 300 von 573 Gemeinden finanziell das Wasser bis zum Hals.

Vor diesem Hintergrund sind innovative Ideen gefragt, wenn es darum geht, Ausgaben für Soziales, Kinderbetreuung, Bauvorhaben, Infrastruktur und Ähnliches herunterzuschrauben. Ein solches Projekt, das laut ÖVP-Landtagsabgeordnetem Franz Dinhobl (ÖVP) als „Best-Practice-Beispiel“ für ganz Niederösterreich gilt, wurde am Dienstag im südlichen Niederösterreich vorgestellt.

Neun Gemeinden – Bad Erlach, Bromberg, Hochwolkersdorf, Katzelsdorf, Lanzenkirchen, Lichtenwörth, Schwarzau am Steinfeld, Walpersbach und Wiesmath – mit rund 21.000 Einwohnern haben sich zusammengeschlossen, um in herausfordernden Zeiten gemeinsam Lösungen für Themen zu finden, die eine Kommune alleine nicht mehr stemmen kann.

Präsentation der Modellregion mit LAbg. Franz Dinhobl und Bürgermeister Bernhard Karnthaler

Präsentation der Modellregion mit LAbg. Franz Dinhobl und Bürgermeister Bernhard Karnthaler

Weg vom Kirchturmdenken

Man habe sich vom engstirnigen, lokalpatriotischen Kirchturmdenken verabschiedet, um im Verbund einer Region gemeinsam bessere Lösungen für die Bewohner zu finden, erklärt die Bürgermeisterin von Bad Erlach, Bärbel Stockinger.

Beispiele gibt es dafür genug: Vor wenigen Tagen haben Lanzenkirchen, Katzelsdorf und Bad Erlach den Verein „Bakala“ gegründet, um die Nachmittagsbetreuung von 150 Kindern in den Volksschulen auf leistbare und einheitliche Beine zu stellen.

Durch die Kooperation werden die Kosten für das Lehrpersonal geteilt, die Unterrichtszeiten einheitlich ausgeweitet und die Gemeinden im Personal- und Verwaltungsbereich entlastet. „Für die Eltern hat es nur Vorteile. Damit haben wir eine Ferienbetreuung und nur drei definierte Schließwochen pro Schuljahr“, so Stockinger, Bürgermeister Bernhard Karnthaler (Lanzenkirchen) und Michael Nistl (Katzelsdorf).

LAbg. Franz Dinhobl, Bernhard Karnthaler (Lanzenkirchen), Bärbel Stockinger (Bad Erlach), Michael Nistl (Katzelsdorf), Bezirksgeschäftsführer David Diabl (Lanzenkirchen), Peter Lielacher (Walpersbach)

LAbg. Franz Dinhobl, Bernhard Karnthaler (Lanzenkirchen), Bärbel Stockinger (Bad Erlach), Michael Nistl (Katzelsdorf), Bezirksgeschäftsführer David Diabl (Lanzenkirchen), Peter Lielacher (Walpersbach)

Musik gefördert

In Summe sparen sich die drei Orte damit 82.000 Euro pro Jahr. Durch einen Springerpool können die Lehrkräfte im Notfall an anderen Standorten aushelfen. Ein großer Wurf sei mit der Gründung des neuen Musikschulverbandes „Musik- und Kunstschule Thermenland - Pitten - Schwarza - Leitha“ gelungen. In dem Fall haben sich sogar elf Kommunen zusammengefunden. 48 Musik- und Tanzpädagogen unterrichten dabei rund 1.220 Musikschüler. „Durch den Zusammenschluss können die Schüler auch Instrumente lernen, die sonst nicht üblich sind“, so Nistl. Aktuell werden 596 geförderte Wochenstunden angeboten. Das Budget liegt durch den Verband bei ungefähr 2,2 Millionen Euro.

Besonders die steigenden Energiepreise haben den Kommunen zuletzt finanziell stark zugesetzt. Deshalb hat man sich in der Region darauf verständigt, Energiegemeinschaften zu gründen. Mittlerweile sind es bereits vier. „Es wird dadurch niemand reich, aber man erspart sich die Netzkosten und kauft billigeren Strom ein, als am Markt üblich“, sagt Karnthaler. Und durch die Nutzung regional erzeugter Energie werden auch die Netze entlastet, erklären die Verantwortlichen.

Pflege-Notstand

„Die Herausforderungen für alle Gebietskörperschaften sind enorm. Es gilt, Einsparungen und Synergien zu finden, und das schafft diese Modellregion sehr gut“, erklärt Franz Dinhobl. Nutznießer seien in erster Linie die Bewohner, wie man dies an einem Beispiel festmacht.

Lange Zeit sei das Thema Pflege in den Kommunen im Argen gelegen, es fehlte an der nötigen Serviceeinrichtung. Mit der Einstellung einer gemeinsamen Pflegekoordinatorin für Bad Erlach, Katzelsdorf, Walpersbach und Lanzenkirchen wurde ein kostenloses Service für pflegende Angehörige und Menschen auf der Suche nach Betreuung etabliert. „Wir setzen so das Steuergeld wesentlich effektiver ein“, meinen die Bürgermeister.

Vorstellung der Modellregion

Vorstellung der Modellregion 

Wertstoffsammelzentrum für mehrere Kommunen

Das nächste Mammutprojekt der Region steckt bereits in der Pipeline. Wegen der immer strengeren Auflagen und Vorgaben wird der Betrieb von Recyclinghöfen oder Wertstoffsammelzentren zunehmend zur Herausforderung – speziell für kleinere Gemeinden.

Deshalb haben sich vier Gemeinden zusammengeschlossen, um im Gewerbegebiet von Lanzenkirchen auf einer 8.000 Quadratmeter großen Fläche ein neues Wertstoff-Drive-In zu errichten. „Es geht um mehr Komfort für die Bürger und weniger Aufwand und Kosten für Kommunen“, sagt David Diabl, Gemeinderat in Lanzenkirchen. Derzeit finden die Gespräche mit dem Abfallwirtschaftsverband und den NÖ Umweltverbänden dazu statt.

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