Nach Handgreiflichkeiten: Rücktrittsaufforderungen an FPÖ-Thau

Nationalratsabgeordneter Harald Thau unter Beschuss. Bürgermeisterin fordert den Mödlinger Stadt- und Bezirksobmann zum Rücktritt auf.
Harald Thau

Nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit seiner Lebensgefährtin am Freitag steht der Mödlinger Nationalratsabgeordnete Harald Thau unter Beschuss seitens politischer Mitbewerber. 

Nicht nur der Mödlinger Frauenbeirat fordert den FPÖ-Stadt- und Bezirksobmann zum Rücktritt auf, auch Bürgermeisterin Silvia Drechsler (SPÖ) schließt sich an. Sie halte den Zwischenfall für unentschuldbar.

Wie der KURIER berichtete, war es zwischen dem Nationalratsabgeordneten und seiner Langzeit-Lebensgefährtin in Wien-Margareten in der Nacht auf Freitag gegen 4 Uhr Früh vor der Wohnung des Paares zu einem lautstarken Streit gekommen. Dieser war am Heimweg im Taxi eskaliert. Laut Anzeige ging es um Handy-Chats.

Keine offizielle Stellungnahme

Gegen Thau, der seiner Freundin das Handy entrissen und sie dabei verletzt haben soll, wurde ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausgesprochen. Es geht um den Verdacht der gegenseitigen Körperverletzung, denn auch der Mödlinger Abgeordnete erlitt eine Blessur am Ohr. Die Polizei ermittelt. Beide Beteiligten haben ihre Anzeigen aber mittlerweile wieder zurückgezogen.

Während sich sowohl Thau als auch die niederösterreichische FPÖ-Landespartei zu dem Vorfall in Schweigen hüllen, meldete sich nun am Montag Bürgermeisterin Drechsler zu Wort.

Thau habe "einige Tage Zeit gehabt, zum Vorfall Stellung zu beziehen und Verantwortung zu übernehmen. Dies hat er nicht getan", kritisiert sie. "Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass er die Angelegenheit aussitzen möchte. Eine Wegweisung und ein Betretungsverbot durch die Polizei wurden ausgesprochen und das wiegt schwer."

Zweite Rücktrittsaufforderung

Und Drechsler betont: "Ich trete persönlich seit mehr als zwei Jahrzehnten öffentlich gegen Gewalt an Frauen auf. Seit 2003 existiert der überparteiliche Frauenbeirat in Mödling, dem ich lange vorsitzen durfte." Dieser hatte bereits zuvor in einem offenen Brief den Rücktritt des FPÖ-Abgeordneten gefordert. Sie schließe sich diesem Schreiben "vollinhaltlich an", so Drechsler.

Auch Bezirkspolizeikommandantin Gertraud Haselbacher habe erst kürzlich "mehr als deutlich gemacht, dass Gewalt im privaten Umfeld kein privates Problem ist, sondern ein Verhalten darstellt, das nicht zu tolerieren ist."

Elisabeth Handler, Vorsitzende des Mödlinger Frauenbeirates, hatte in ihrem offenen Brief hervorgehoben: "Gerade Politiker haben eine enorme Vorbildwirkung, vor allem auch dann, wenn sie in der medialen Öffentlichkeit eine hohe Präsenz zeigen und über die Region hinaus politische Verantwortung tragen." Eine Wegweisung und ein Betretungsverbot seien "kein Kavaliersdelikt" und dürften nicht verharmlost werden.

Denn: "Dieser Schritt setzt die Annahme voraus, dass ein gefährlicher Angriff auf Leben, Gesundheit oder Freiheit bevorsteht. Ein derartiges Verbot wird nicht leichtfertig ausgesprochen. Vielmehr steht die Polizei in der Kritik, diese Schutzmaßnahme nicht oft genug zu setzen", so Handler.

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