Das gelbe Gold von Nadelbach: Wildblume als Pharma-Rohstoff

Die Schlüsselblume wird in Niederösterreich zur Erfolgskultur. Rund 220 Hektar werden von mehr als 120 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet.
Ein großes Feld mit gelb blühenden Pflanzen unter klarem, blauem Himmel, im Hintergrund ein Bauernhaus.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass der Chef eines Unternehmens mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro ein Feld bei St. Pölten höchstpersönlich inspiziert. Doch Michael Popp, CEO von Bionorica, ließ es sich dieser Tage nicht nehmen, über eine Erfolgsgeschichte zu berichten, die aus einem gelben Blütenmeer besteht.

Denn auf den Feldern rund um Nadelbach hat sich die Schlüsselblume zu einer der wichtigsten Sonderkulturen der Region entwickelt.

Was einst mit zwei Hektar Anbaufläche begann, ist heute ein groß angelegtes Projekt: Rund 220 Hektar werden mittlerweile von mehr als 120 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet. Die zarten Blüten der Schlüsselblume sind ein gefragter Rohstoff für pflanzliche Arzneimittel, insbesondere gegen Erkältungskrankheiten und Nebenhöhlenentzündungen.

„Großflächige Blühkultur“

Der Erfolg ist eng mit der Zusammenarbeit zwischen dem nö. Unternehmen Waldland und Bionorica verknüpft. Seit 2006 wird gemeinsam an Anbau, Verarbeitung und Qualität gearbeitet. „Die Schlüsselblume ist für uns eine der wichtigsten Pflanzen“, betont Popp. Sie ist unter anderem Bestandteil bekannter Präparate gegen Atemwegserkrankungen.

Für Waldland-Geschäftsführer Franz Tiefenbacher ist die Pflanze mehr als nur ein Rohstoff: „Wir haben aus einer Wildpflanze eine großflächige Blühkultur entwickelt – für die Konsumenten, aber auch für Bienen und Insekten.“

Drei Männer stehen auf einem Feld mit gelben Blumen und betrachten gemeinsam eine Blüte.

Popp (Mitte) braucht die Schlüsselblume für Arzneien.

Geerntet wird im Frühjahr, wenn die Pflanzen in Vollblüte stehen. Pro Hektar entstehen dabei bis zu 200 Kilogramm getrocknete Blüten – genug für Zehntausende Packungen Arzneimittel. Verarbeitet werden sie direkt in NÖ: Am Waldlandhof werden die Blüten schonend getrocknet und für den Weitertransport vorbereitet.

Pflanzroboter hilft beim Setzen

Auch technologisch wurde in den vergangenen Jahren aufgerüstet. Ein neuer Pflanzroboter reduziert den Arbeitsaufwand beim Setzen der Jungpflanzen deutlich.

Die Kooperation soll weiter wachsen: Bionorica hat eine jährliche Ausweitung der Anbauflächen zugesichert. Zusätzlich werden auf weiteren Flächen Heilpflanzen wie Thymian, Enzian oder Eisenkraut kultiviert.

Für ÖVP-Landesvize Stephan Pernkopf ist das Projekt ein Vorzeigemodell: „Hier sieht man, wie Innovation, Landwirtschaft und Industrie erfolgreich zusammenarbeiten – mit Wertschöpfung für die gesamte Region.“

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