© Teresa Sturm

08/08/2021

Ein Ninja für die Turtles

Markus Putzgruber hat sein Leben den Schildkröten verschrieben und kümmert sich um rund 500 der Reptilien

von Teresa Sturm

„Hallo“ und „Grüß Gott“ tönt es, wenn man sich dem Schildkrötengnadenhof in Seebarn am Wagram (Bezirk Tulln) nähert. Was klingt wie eine höfliche Altherren-Runde sind tatsächlich Graupapageien, die Stimmen von Menschen imitieren und von Markus Putzgruber auf seinem 2.800 Quadratmeter großen Areal gehalten werden.

Neben den Vögeln wohnen bei ihm aber in erster Linie Schildkröten. Um die 500 sind es mittlerweile, mittendrin aber auch abgegebene Kaninchen, Igel, Vogelspinnen oder die gesund gepflegte Krähe Charly. Der Hof besteht seit 2013 und läuft unter dem Verein „RespekTurtle“, doch Putzgruber beschäftigt sich schon viel länger mit Tierschutz. Er gehört zu jenen Menschen, die nicht wegsehen können, wenn Tiere leiden müssen. „Meine erste Schlägerei hatte ich in der Hauptschule, weil andere Burschen Ameisen angezündet haben“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER.

Als sein Herz für Tiere bereits größer war als der Garten rund um sein Haus, war klar, dass er mehr Flächen braucht. Nach langen Bemühungen konnte er im Vorjahr ein Grundstück auf der anderen Seite der Straße zukaufen, wo neuer Lebensraum für die Tiere entstanden ist. Überwinterungsgebäude, Papageienhaus und Teiche baute der ehemalige Zimmermann größtenteils selbst.

15 Fundmeldungen

Unter anderen arbeitet der 47-Jährige, der in Kammern (Bezirk Krems-Land) aufgewachsen ist, mit den Betreibern der Facebookseite „Schildkröte Entlaufen Vermisst Gefunden“ zusammen. Drei bis 15 Fundmeldungen gehen dort jeden Tag ein. Manche Tiere laufen davon, andere werden ausgesetzt.

„Tierheime sind auf Reptilien nicht ausgerichtet, Zoos sind voll damit und Auffangstationen völlig überlastet. Eine Unterstützung durch das Land fehlt vollkommen“, beschreibt Putzgruber die schwierige Situation. Allein die Tierarzt-Rechnungen belaufen sich, trotz „Spezialpreisen“, jährlich auf rund 15.000 Euro. Es gibt viel mehr Anfragen, Tiere aufzunehmen, als Platz und Geld da ist.

Tiere übers Internet

„Was wird mit den Tieren passieren, wenn wir sie nicht aufnehmen? Die Leute werden ja letztendlich fast gezwungen, sie auszusetzen“, sagt Putzgruber. Er habe Anfragen aus ganz Österreich, selbst die Landesregierung Vorarlberg schickt bereits alle Fundschildkröten. „Österreich muss hier nachdenken und eine Einrichtung dafür schaffen. Man kann jedes Tier, jeden Tiger, jedes Krokodil, einfach so übers Internet bestellen“, sagt er. „Könnten Reptilien durch falsche Haltung oder Fütterung laut schreien, müssten wir uns alle die Ohren zuhalten.“ Viele würden unbedingt exotische Tiere halten wollen, tun das aber nicht artgerecht.

Zumindest am Gnadenhof in Niederösterreich geht es ihnen aber sichtlich gut. Wegen seines Engagements gewann Putzgruber im Vorjahr auch den niederösterreichischen Tierschutzpreis. „Die Schildkröten strahlen so eine Ruhe aus“, sagt er, als er zufrieden über das Areal geht. Da macht es auch nichts, dass die Ruhe immer wieder von dem Gezwitscher der Vögel, dem Gekrächze von Charly oder einem herzlichen „Grüß Gott“ unterbrochen wird.

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